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Ferien in Belziger Klinik statt an der Ostsee

Rheuma-Kids in der Reha Ferien in Belziger Klinik statt an der Ostsee

Rheuma? Das haben doch nur alte Leute. Weit gefehlt, auch Kinder und Jugendliche können darunter leiden. In Bad Belzig werden seit fast 20 Jahren Rheuma-Kids während der Sommerferien behandelt. So verpassen sie weniger Unterricht wegen ihrer Krankheit, zudem treffen sie auf andere junge Patienten. Und der Spaß kommt dabei nicht zu kurz.

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Celine Drews (18) aus Frankfurt/O. gefällt es in der Ferienreha. Die Abiturientin beginnt in wenigen Wochen eine Ausbildung zur Krankenpflegerin.

Quelle: Saskia Kirf

Bad Belzig. An der Glastür steht „Kindergarten“, doch von Kleinkindgruppen fehlt in der Bad Belziger Rehaklinik Hoher Fläming jede Spur. Stattdessen bemalen Teenager Seidentücher, manche haben sich mit einem Buch in eine Ecke zurückgezogen oder entspannen sich draußen auf der Wiese. „Im normalen Rehabetrieb befindet sich hier die Kinderbetreuung für die Patienten, die ihren Nachwuchs nicht anderweitig unterbringen können“, erklärt Kliniksprecherin Heike Köpping. Doch während der Sommerferien gehört der Kindergarten den Rheuma-Kids.

Rheuma-Kids haben es oft schwer im Alltag

Beinahe 70 junge Leute zwischen 7 und 18 Jahren verbringen die Hälfte ihrer Sommerferien in zwei Durchgängen in dieser Klinik. Sie leiden an Rheuma. „Im Alltag ist es oft schwer für die Kinder“, weiß Rehakids-Betreuerin Andrea Brösgen. „Sie sind häufig im Krankenhaus, verpassen die Schule und werden von Lehrer und Mitschülern bisweilen nicht ernstgenommen.“ In der Reha-Maßnahme dagegen träfen die jungen Patienten auf andere Jugendliche, die ihre Probleme nachvollziehen könnten. „Sie müssen sich nichts erklären – das hilft ungemein“, sagt Erzieherin Brösgen.

Freizeit in der Ferienreha

Freizeit in der Ferienreha.

Quelle: Saskia Kirf

Sie achtet mit acht weiteren Kolleginnen darauf, dass zwischen Therapieterminen und ärztlichen Untersuchungen auch Zeit bleibt, die Ferien zu genießen. Kunstprojekte und Ausflüge stehen auf dem Programm, die Jugendlichen gehen ins Freibad und zum Reiten. „Die Angebote werden gut angenommen“, sagt Brösgen. Dabei ist es den Rheuma-Kids freigestellt, ob sie mitmachen. Neben den medizinischen Terminen sind lediglich das Frühstück und die gemeinsame Morgenbesprechung für alle Pflicht.

Tägliche Behandlungen

Celine Drews aus Frankfurt/Oder hat sich für die Seidenmalerei entschieden. Eigentlich geht es bei der Abiturientin robuster zu, sie ist Abwehrspielerin in der Frauenmannschaft des 1. FC Frankfurt/Oder, hat trotz ihrer Krankheit eine Stammplatz in der Kreisliga. „Wenn ich mal einen schlechten Tag mit vielen Schmerzen habe, dann muss ich es nur sagen und werde ausgewechselt“, sagt sie. In der Ferienreha ist Celine schon zum zweiten Mal, ihr gefällt es gut in Bad Belzig. „Vor allem die tägliche Therapie ist super“, findet die 18-Jährige. Zu Hause seien höchstens zwei Behandlungen in der Woche möglich – in der Klinik dagegen gibt es jeden Tag Physiotherapie, nach Bedarf kommen noch Ergo- Elektro- und sonstige Behandlungen dazu.

Mindestens drei Mal werden die Patienten zudem von einem Rheumatologen untersucht. Hartmut Michels ist ein angesehener Experte auf diesem Gebiet, lange Jahre leitete er die renommierte Kinder-Rheumaklinik in Garmisch Patenkirchen. Heute betreut er den zweiten Feriendurchgang der Kinderreha. „Wir stellen fest, dass diese häufigen Therapien auch längerfristig Wirkung haben, die Kinder nehmen den Behandlungserfolg mit“, sagt der promovierte Mediziner.

Darauf hofft Julian Zunft (11). Der Beelitzer hat erst vor drei Monaten die Diagnose Rheuma bekommen, er muss den Umgang mit der Krankheit noch lernen. In der Rehaklinik stehen ihm dafür spezielle Seminare zur Verfügung.

Landrat Wolfgang Blasig, Julian Zunft und Ronny Pietzner stehen gemeinsam in der Küche

Landrat Wolfgang Blasig, Julian Zunft und Ronny Pietzner stehen gemeinsam in der Küche. Julian lernt hier, so zu kochen, dass er ohne gesundhei

Quelle:

„Die Kinder lernen, wie sie mit Schmerzen umgehen können und wie sie ihr Umfeld über die Krankheit aufklären“, sagt Erzieherin Andrea Brösgen. „Kinder gehen mit Schmerzen anders um als Erwachsene“, fügt Rheuma-Experte Michels hinzu. „Sie reden weniger darüber, sondern zeigen eher über Körpersprache, was mit ihnen los ist.“ An diesem Tag hat Julian zum Glück keine großen Beschwerden. „Das ist super, denn heute ist noch das Kochevent“, freut er sich, „da wollte ich unbedingt dabei sein.“

Mit dem Brandenburger Starkoch Ronny Pietzner und Landrat Wolfgang Blasig lernen die Kinder, wie sie auf ihre Krankheit abgestimmt und gleichzeitig lecker kochen.

Spitzenkoch und Landrat mit den Rheuma-Kids in der Küche

Der brandenburgische Spitzenkoch Ronny Pietzner und die Stiftung Yumme, die Pietzner mit der AOK gegründet hat, setzen sich für gesunde Ernährung bei Kindern ein. Auch in der Rehaklinik Hoher Fläming kocht Pietzner mit den Kindern der Rheumagruppen.

In dieser Woche stand Landrat Wolfgang Blasig als Beikoch mit in der Küche. Königsberger Klopse am Spieß, Lachs im Gemüsebett und eine erfrischende Eisbombe schmeckten Kindern und Köchen gleichermaßen.

Landrat Blasig dazu: „Es ist beeindruckend, wie interessiert, diszipliniert und konzentriert die Kinder gearbeitet haben und es ist schön zu sehen, wie die Arbeit der Stiftung Yumme bei den Kindern ankommt. Die Auswahl der Zutaten war zielgerichtet auf das Krankheitsbild der Kinder abgestimmt.“

Bundesweit ist die Bad Belziger Ferien-Reha einmalig, die Patienten kommen aus der ganzen Republik in die Klinik. Älter als 18 dürfen sie dabei nicht sein. „Aber es gibt zwei Gruppen ehemaliger Reha-Kids, die sich einmal im Jahr treffen“, weiß Andrea Brösgen. Sogar ein Ehepaar mit mittlerweile zwei Kindern hat die Ferien-Reha hervorgebracht.

Noch bis zum 3. September sind die Rheuma-Kids in der Rehaklinik Hoher Fläming zu Gast, danach beginnt für die meisten wieder die Schule. Julian Zunft aus Beelitz freu sich darauf, vor allem auf die Kumpels zu Hause – er ist der einzige Junge, der in der zweiten Ferienhälfte in der Klinik ist. Zwar trifft Rheuma drei bis vier Mal so viele Mädchen wie Jungen, doch dass nur ein einziger in der Gruppe ist, haben sie auch in der Kinderreha noch nicht erlebt.

Von Saskia Kirf

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