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Ferien zwischen Therapie und Spaß

„Rheumacamp“ in Bad Belzig Ferien zwischen Therapie und Spaß

Mit der eigenen Krankheit umgehen zu lernen, fällt oftmals schwer. Im „Rheumacamp“ der Bad Belziger Rehaklinik lernen Kinder und Jugendliche, welche Therapien ihnen den Alltag erleichtern und wie wichtig Zusammenhalt ist.

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Andreas Sedlaczek zeigt Sarina Soth, dass sie locker am besten im Sattel sitzt.

Quelle: Fotos: Uwe Klemens

Bad Belzig. „Nicht so verkrampft – die Füße in den Steigbügeln einfach locker lassen“, sagt Andreas Sedlaczek immer wieder und mit Engelsgeduld. Fünf Minuten später ist es geschafft und das Eis zwischen der Achtjährigen Sarina Soth und Wallach Picasso gebrochen. „Na also, jetzt kannst du ganz locker die Zügel in die Hand nehmen. Den Rest macht Picasso“, lobt der Pferdewirt, der zusammen mit seinen geduldigen Vierbeinern Möhrchen und Picasso in den Sommermonaten quasi zum Inventar der Bad Belziger Reha-Klinik gehört.

Ballspiele im temperierten Wasser sind nicht nur wichtig für die Gelenke, sondern machen dabei auch noch Spaß

Ballspiele im temperierten Wasser sind nicht nur wichtig für die Gelenke, sondern machen dabei auch noch Spaß.

Quelle: Uwe Klemens

Seit Tagen herrscht auf dem kleinen Reitplatz hinter der Klinik besonderer Andrang. Sechs Wochen lang sind rheumakranke Kinder und Jugendliche in zwei Durchgängen Kurgäste des Hauses. „Rheumacamp“ nennen es die acht- bis siebzehnjährigen Mädchen und Jungen. Rund die Hälfte von ihnen sind bereits zum zweiten oder dritten Mal mit dabei. Im Gewusel des Klinikbetriebes fallen die 44 jungen Patienten des ersten Durchgangs kaum auf. Auf dem Reitplatz, im Bewegungsbad und im Seitenflügel, wo sie untergebracht sind, sind sie unter sich und genießen das Zusammensein mit Gleichaltrigen, die vom selben Schicksal betroffen sind.

Der Aufenthalt in der Reha-Klinik ist ein Mix aus Therapieeinheiten und Freizeit. „Physiotherapie, Krankengymnastik, Ergotherapie, Schwimmen, Psycho- und Elektrotherapie und Entspannungsübungen“, zählt die 17jährige Tiffany Roick auf, welches Pflichtprogramm die meisten von ihnen fast täglich zu absolvieren haben. Dass das wichtig und in dieser Konzentration die Ausnahme ist, wissen die Kinder und Jugendlichen aus den Gesprächen mit ihren Therapeuten, der begleitenden Ärztin und nicht zuletzt innerhalb der Gruppe.

„Schließlich sind wir hier, damit wir lernen, mit unserer Krankheit besser klar zu kommen“, sagt Tiffany, die aus Lauta in Sachsen stammt und bereits zum zweiten Mal in der Reha-Klinik im Hohen Fläming zu Gast ist. „Hier haben wir viele Ansprechpartner, die sich mit unserer Krankheit wirklich auskennen und objektiver als unsere Mütter wissen, wie es uns damit geht.“

Drei Wochen in Bad Belzig

Dass Tiffany drei Wochen lang mit ihrer Darmstädter Freundin Alina Patzelt zusammen sein kann, war ein weiterer und wichtiger Grund, sich erneut für das Camp anzumelden. Im vorigen Jahr hatten sich die beiden hier kennen gelernt. „Mit anderen Freunden kann man sich nicht so austauschen, wie mit jemandem, der selbst betroffen ist“, ergänzt der 12-jährige Niklas Geiling, der aus dem vogtländischen Reichenbach kommt. „Oft wird gelästert oder manche haben Angst, dass sie sich anstecken. Erst, seit ich in der Klasse nach vorne gegangen bin und die Krankheit erklärt habe, haben die meisten meine Krankheit akzeptiert. Wirklich verstehen, was sie bedeutet, kann aber natürlich niemand.“

An Möglichkeiten, in den Therapiepausen und am Abend gemeinsam Spaß zu haben, mangelt es indes in der Reha-Klinik nicht. Ein Kickertisch, Ballspiele und Kartenrunden warten dann auf Akteure und werden auch gut frequentiert. Hin und wieder setzt sich jemand an den Flügel oder es wird in der Gruppe gesungen.

Auch die Gastgeberstadt haben die Jungen und Mädchen natürlich längst erkundet, zum Teil auch selbstständig in kleineren Gruppen, wenn die Eltern vorab dazu ihr Einverständnis gegeben haben. Dass sie zum Bad Belziger Altstadtsommer nicht mehr da sind, bedauert deshalb nicht nur die 15-jährige Lara Meniti aus Kyritz.

Von Uwe Klemens

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