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Potsdam-Mittelmark Kleinmachnower Christen organisieren Feriencamp
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnower Christen organisieren Feriencamp
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19:13 24.07.2015
Die Betreuerinnen, wie die aus der Ukraine stammende 23-jährige Julia Chobotar (im blauen Kleid), sind ganz dicht bei den Kindern. Neben dem Spielen genießen die Kleinen die vorurteilsfreie Zuwendung. Quelle: C. Krause
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Kleinmachnow

Dem alten Schulhaus am Zehlendorfer Damm sieht man von vorn nicht an, dass sich hinten im Garten junges Leben tummelt. 20 kleine Mädchen zwischen 4 und 12 Jahren. Was sie eint, ist der Spaß an den Spielen im Freien, in der geschützten Oase der evangelischen Auferstehungsgemeinde Kleinmachnow. Was man auch nicht sieht, während die kleinen Mäuse im Buddelkasten Burgen bauen, auf der Decke in Büchern blättern, in der Küche Gemüse für das Mittagessen schnippeln oder am Basteltisch friemeln – sie haben alle ein Flüchtlingsschicksal.

Deshalb leben sie jetzt in den Heimen Stahnsdorfs und Teltows. Gleich um die Ecke von Kleinmachnow, wo es keine Flüchtlingsunterkünfte, dafür aber unzählige Menschen gibt, die sich auch um die Ausländer kümmern wollen. „Die Bereitschaft ist unwahrscheinlich groß“, freut sich Pfarrerin Elke Rosenthal. Man sehe den Einsatz als „unseren innersten diakonschen Auftrag“. Aber in den erstmals organisierten beiden Feriencamps für insgesamt 40 Flüchtlingskinder ist kein Platz für religiöse Aktivitäten. „Keine Missionierung, keine religiösen Lieder, keine Gebete! Die Kinder wissen nicht, dass wir Kirche sind.“ Das sei besonders eine Bedingung der Eltern gewesen, die viele Fragen und auch Ängste hatten, ihre Kinder hier abzugeben, so Marion Welsch. Sie ist neben Beate Apelt in der Kirchengemeinde für die Koordinierung der Flüchtlingshilfe zuständig. Als Pädagogin ist ihr in erster Linie das Wohl der Kinder wichtig, „Erlebnisse gehen vor Ergebnisse“, sagt sie. Doch auch Regeln müssen sein. Zum Beispiel „Keine rohen Äpfel im Garten essen!“ Und die Kinder werden nicht „ausgefragt“.

Sie sollen in den zwei Wochen Freiräume, aber auch viel Zuwendung bekommen. Die Betreuerinnen können sich intensiv selbst um einzelne Kinder kümmern. Sie sprechen viel mit ihnen, singen und spielen witzige Sprachspiele „unter Einbeziehung von Kopf, Herz, Hand und Fuß“, so dass die Kleinen leichter Deutsch lernen und die Schulkinder ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse während der Ferien nicht vergessen. „Die Verständigungssprache wird Deutsch“, erzählt Sarah Apelt, die gerade Kindheitspädagogik studiert. Deutlich hätten sich bereits die Deutschkenntnisse durch den Morgenkreis verbessert. Mädchen erzählen schon, wie es ihnen geht. Die 23-jährige Kleinmachnowerin lernt „selbst viel über andere Kulturen“, aber das Schönste sei, zu erleben, „wie glücklich die Kinder hier sind“. Zickenkrieg im Buddelkasten gibt’s aber auch.

Im Stahnsdorfer Heim gibt es bislang keine Spielmöglichkeiten. Ein Kinderzimmer wird jetzt eingerichtet, die Außenanlagen sind noch in Planung.

Umso glücklicher sind nun die Eltern, die ihre Kinder selbst ins Camp bringen und wieder abholen. „Ihre Mädchen hätten sich positiv verändert. Abends würden sie was essen und nur noch müde ins Bett fallen“, erzählt die Koordinatorin. Von Montag bis Freitag sind die Kinder von 10 bis 15 zwei Wochen lang in dem großen Garten. Dort werden sie von vier Studentinnen der Pädagogik und Sozialpädagogik sowie drei Praktikantinnen und einer Abiturientin betreut. Sie erhalten mittags eine warme Mahlzeit, die mit ihnen gemeinsam zubereitet wird. Es gibt Obst und Gemüse für zwischendurch und stilles Wasser. Früchtetee lehnen sie ab. „Das kennen sie nicht“, so Welsch. Dafür lieben sie den Sand und das Wasser bei der Hitze. Ausflüge in den Teltower Streichelzoo oder ins Freibad Kiebitzberge, das Tickets spendiert, zählen zum Programm. Das zweite Camp im August in den Jungen vorbehalten. Für sie werden auch männliche Betreuer da sein. Die richten sich schon darauf ein, dass die Knaben mehr Fußball spielen und toben wollen. Später einmal soll es gemischte Camps auch mit deutschen Ferienkindern geben.

Das Projekt wird aus Mitteln der Kunstauktion der Evangelischen Kirche Brandenburgische Oberlausitz (5000 Euro) finanziert. Außerdem kommen Spenden etwa von Selgros, der Bäckerei Fahland, dem Gemüseladen von Mustafa Ahmetcik, den Schreib- und Spielwaren von Steffi Draheim und privaten Spendern.

Christen kümmern sich

An jedem Sonntag von 14 bis 17 Uhr betreibt die evangelische Kirchengemeinde Kleinmachnow im alten Schulhaus das „Begegnungscafé“, zu dem Flüchtlinge aus den Heimen in Teltow und Stahnsdorf gern kommen.

Rund 25 Ehrenamtliche kümmern sich darum, dass es dort bei Kaffee und Kuchen zu Gesprächen kommt; sonntags sind bis zu vier Christen vor Ort.

Außerdem organisieren Gemeindeglieder ehrenamtliche Deutschkurse.

Kontakt: fluechtlingshilfe@ev-kirche-kleinmachnow.de

Von Claudia Krause

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