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Festakt für das gerettete Gotteshaus

Garrey Festakt für das gerettete Gotteshaus

Die noch vor wenigen Jahren vom Einsturz bedrohte Dorfkirche zu Garrey lebt wieder. Am Sonntag konnte der Abschluss der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten gefeiert werden. Die Gästeschar war weitaus größer als die Einwohnerzahl des Flämingdorfes.

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Überfüllt war die sanierte und damit nun vor dem Verfall gerettete Dorfkirche zu Garrey zum Festgottesdienst.

Quelle: Andreas Trunschke

Garrey. Die schmuck hergerichtete Kirche zu Garrey platzt aus allen Nähten. Rund 150 Menschen drängen sich am Sonntagnachmittag in dem nur 70 Sitzplätze umfassenden Gotteshaus des Dorfes mit gut 80 Einwohnern. Einzelne stehen draußen, weil sie drinnen keinen Platz mehr finden. Sie alle wollen dabei sein, wenn der Abschluss der umfassende Sanierung und Restaurierung der Kirche aus dem 14. Jahrhundert nun gefeiert wird. Das war nicht selbstverständlich. „Wer die Kirche heute sieht, der sagt, das sieht doch alles gut aus. Doch hätte er die Kirche einmal vor vier Jahren sehen sollen“, sagt Pfarrer Daniel Geißler. „Schaut euch diesen Ort an. Im Amt Niemegk, in Brandenburg, in ganz Deutschland erzählt man sich von Garrey. Allein schaffen wir nichts, doch wenn sich mehrere zusammentun, schaffen wir viel“, erklärt der Geistliche in seiner Predigt.

Vor sechs Jahren drohte noch der Einsturz

Ende 2011 stand die malerisch auf dem Dorfanger stehende Kirche noch vor dem Einsturz. Im Dach waren 45 Prozent der Hölzer verloren. Der Turm schien kaum noch zu retten. Der Westgiebel wölbte sich nach außen. Jorinde Bugenhagen von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark fragte sich damals, „wie hält sich eigentlich die Empore samt Orgel noch oben?“ Als Theda von Wedel-Schunk vom Förderkreis „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ damals wie vielerorts auch in dem Flämingdorf ein Schild „Offene Kirche“ anbringen wollte, musste sie das lassen, weil die Kirche nicht zu betreten war. Zur Feierstunde nach dem Festgottesdienst am Sonntag übergab sie das Schild daher nun an Pfarrer Daniel Geißler.

Theda von Wedel-Schunk vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg übergibt ein neues Schild „Offene Kirche“ an Pfarrer Daniel Geißler

Theda von Wedel-Schunk vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg übergibt ein neues Schild „Offene Kirche“ an Pfarrer Daniel Geißler.

Quelle: Andreas Trunschke

Die Rettung des Gotteshaus begann mit einem Gespräch zwischen dem Ortsvorsteher Andreas Grünthal und dem nach der Wende in seinen Heimatort zurückgekommenen Wolfgang Lubitzsch. Der „Freundeskreis der Kirche Garrey“ entstand. Gemeinsam wollte man die Rettung der Kirche wagen. Als erstes konnte mit Unterstützung der Unteren Denkmalschutzbehörde ein Konzept erarbeitet werden. Eine der dabei zu klärenden Fragen war die nach dem Jahr, in das die Kirche zurückversetzt werden sollte. Immerhin gab es in ihrer Geschichte mehrfach deutliche bauliche Veränderungen. So musste bereits nach 100 Jahren die Kirche vergrößert werden.

Restauriert im Zustand von 1900

Letztlich entschieden sich die Akteure und Experten für das Jahr 1900, in dem die Kirche letztmalig restauriert worden war. Über den damaligen Zustand standen ausreichend Informationen zur Verfügung. Bereits im September 2015 wurde die Garreyer Kirche von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba) zur Kirche des Monats gekürt. Der Leitspruch der Stiftung passt gut zum Garreyer Engagement: „Die Kirchen eines Ortes sind Gottes-Häuser für die Christen, Kultur-Häuser für Touristen und Heimat-Zeichen für die Einwohner.“

Schmuck sanierte Kirche zu Garrey

Schmuck sanierte Kirche zu Garrey: Stabilisiert und neu verfugt wurde der Westgiebel und der Turm neu aufgemauert.

Quelle: AndreasTrunschke

Schließlich erstrahlt die Kirche nach 22 bewilligten und weit mehr gestellten Förderanträgen sowie 510 000 Euro bis auf den letzten Cent in Hülle, Dach, Turm, Inneneinrichtung und Außenbereich investiertes Geld später nun in neuem Glanz. Architekt Klaus Schmidt verweist dabei auch auf ein auffälliges Detail: „Die alten, grauen Betonziegel wurden durch mehrfarbige Dachbiber ersetzt.“ Man hatte alte Kirchenbiber gefunden und die neuen nach diesen modelliert und gebrannt. „Das gibt dem Dach eine ungewohnte Lebhaftigkeit“, so Schmidt.

Zusammenhalt im Dorf als Erfolgsrezept

Ortsvorsteher Andreas Grünthal betont das Zusammenwirken von Kirchengemeinde und vielen anderen Aktiven im Ort: „Die Rettung der Kirche war ein gemeinsames Anliegen vieler. Wir mussten etwas tun.“ So sollen neben der eigentlichen Rettung der Kirche auch junge Menschen im Ort gehalten oder gar neu für das Dorf gewonnen werden.

Für viele Engagierte ist Garrey zu einem Modell geworden, das über den Ort hinaus strahlt. Motor und guter Geist des ganzen Gelingens war Lubitzsch. Da sind sich alle Gäste der Kircheneröffnung einig. Superintendent Siegfried-Thomas Wisch charakterisiert den Garreyer so: „Er hat wundervolle Ideen, kann Netzwerke schaffen, ist kommunikativ und lässt nicht locker.“ Pfarrer Geißler greift gar auf DDR-Propaganda zurück: „Von Lubitzsch lernen, heißt siegen lernen.“

Orgelmotor muss noch bezahlt werden

Garrey hat, wie es Niemegks Amtsdirektor Thomas Hemmerling ausdrückte, „die Kirche im Dorf gelassen.“ Doch noch gibt es einiges zu tun. Der alte Motor der Orgel war zu schwach, weshalb die Orgelbaufirma Schuke aus Potsdam zur Eröffnung einen ausreichend starken Motor einbaute. Der muss jetzt noch bezahlt werden.

So wie viele mitgeholfen haben, die Kirche zu erhalten, so soll sie künftig nicht nur für Gottesdienste genutzt werden. Für 2017 sind noch vier Veranstaltungen geplant. Am 11. Juni kommt beispielsweise der Bad Belziger Schauspieler Frank Grünert mit seinem Stück über den „Sagenhaften Luther“ ins Dorf. Am 2. Juli liest Pfarrer Geißler bei Wein und Fladenbrot über die Tischreden von Martin Luther.

Wolfgang Lubitzsch war Motor der Kirchensanierung in Garrey

Wolfgang Lubitzsch war Motor der Kirchensanierung in Garrey.

Quelle: Andreas Trunschke

INTERVIEW

Wolfgang Lubitzsch gilt als Hauptinitiator für die Rettung der Dorfkirche in Garrey, die nun abgeschlossen ist.

Woher kamen Ihr Engagement und Ihr Mut für die Sanierung einer einsturzgefährdeten Kirche?

Es waren viel mehr als nur ich, die für die Sanierung sorgten. Für mich war ein großer Antrieb mein Großvater Franz Benke, dessen Grabstein man auf dem Garreyer Friedhof an der Kirche sieht. Er hatte sich aus Anlass der Geburt seiner ersten Tochter für die Kirchensanierung im Jahr 1900 stark gemacht. Ein anderes Motiv kommt aus meinem Interesse für Fotografie. Eines Tages haben meine Frau und ich uns zwei Stunden lang in die Kirche gesetzt, sie auf uns wirken lassen und viele Details fotografiert. Hinterher wussten wir: Mit der Kirche muss sich etwas ändern.

Wie bekommt man ein so komplexes Vorhaben hin?

Ich habe als Ingenieur Jahrzehnte lang große Projekte gemanagt. Mir war klar, dass man da keine halben Sachen machen kann, sondern das Vorhaben mit elender Verbissenheit zu Ende führen muss.

Wie gelingt es, ein ganzes Dorf zum Mitmachen zu bringen?

Der springende Punkt war eine strategische Überlegung im Ort: Was müssen wir tun, damit in 20 Jahren mindestens noch genauso viele Einwohner in Garrey leben? Die Kirche war dabei für uns das zentrale Projekt. Acht bis zehn von uns haben das Projekt stetig vorangetrieben, viele andere griffen immer mal wieder zu.

Kirche gerettet, und jetzt?

Tatsächlich bin ich etwas erschöpft und möchte eine Weile nichts machen. Auf mich wartet außerdem ein großer Vier-Seiten-Hof, der Pflege braucht.

Von Andreas Trunschke

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