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Festumzug sorgt wieder für Aufregung

Ärger wegen SA-Bild in Werder (Havel) Festumzug sorgt wieder für Aufregung

Die Nazi-Zeit hat das 20. Jahrhundert geprägt. Sie aus einer historischen Darstellung einfach wegzulassen, ist für die Stadt Werder und das Festkomitee zur 700-Jahr-Feier keine Option. Die Linken kritisierten in der vergangenen Woche die Art und Weise des geplanten Bildes im Festumzug. Die Stadt Werder wehrt sich nun ausführlich gegen diese Vorwürfe.

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Unzählige Kostüme zu entwerfen, war eine der Aufgaben für das Festkomitee und die ehrenamtlichen Helfer.

Quelle: Stadt Werder (Havel)

Werder. Jede Menge Aufsehen erregte in der vergangenen Woche die Kritik an dem geplanten historischen Festumzug durch Werder anlässlich der 700-Jahr-Feier am 16. Juli. Die Linken-Fraktion beanstandete eines der insgesamt 55 Bilder, die bei diesem Umzug gezeigt werden sollen. Anhand dieser Bilder wird auf alle Zeitabschnitte der Zeit eingegangen und somit auch auf die Nazi-Zeit. Wie berichtet, protestierte die Linke gegen eine geplante Szene, die einen „SA-Mann im Auto“ zeigt. „Im Rahmen eines Festumzuges in dieser Form dem menschenverachtenden Regime eine Plattform in unserer Stadt Werder zu bieten, ist unserer Meinung nach nicht zielführend“, schrieb Ortsvorsitzende Renate Vehlow in einem Brief an die Bürgermeisterin und die Organisatoren. Die Stadt wehrte sich nun ausführlich gegen diese Vorwürfe.

Eine „ungeheuerliche Unterstellung“ nennt es der 1. Beigeordnete, Christian Große (CDU). Ohne mit den ehrenamtlich Tätigen oder dem Festkomitee zu reden, sei eine Mitteilung an die Medien und auch in der Stadt verteilt worden, in der die Tatsachen verdreht und auf den Kopf gestellt wurden. Der Stadt gehe es beispielsweise darum abzubilden, dass in der Nazi-Zeit aus der Fliegerschule in Werder junge Piloten zu verbrecherischen Kampfeinsätzen geschickt wurden, von denen sie häufig nicht wiederkehrten, heißt es in einem Statement der Verwaltung. Ebenso soll an die Verfolgung und Ermordung Andersdenkender und der Juden erinnert werden. Nicht zuletzt soll auch beleuchtet werden, wie der Krieg nach Deutschland zurückkehrte, Werder selbst aber durch glückliche Umstände vor Zerstörung bewahrt wurde. „Dazu sollen junge Flugschüler, ein kalt blickender Nazi im dunklen Fahrzeug und Heimatvertriebene auftreten“, heißt es weiter. Ein „SA-Mann“ sei nicht zu sehen.

Viele Gedanken über die Gestaltung gemacht

Die Hintergründe erklärt ein Text in einem Heft, das auch an die Zuschauer des Festumzuges verteilt wird. Alle gezeigten Bilder seien nur im Kontext zu den vorgetragenen Texten zu verstehen – das gelte nicht nur für das Hitler-Regime, so Christian Große weiter. „Sonst könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass wir Folterinstrumente aus dem Mittelalter oder die Kampfaufträge der Freien Deutschen Jugend (FDJ) verherrlichen wollen.“ In den Chronik-Bänden „700 Jahre Werder (Havel)“ sei der historische Standpunkt der Autoren, die auch für den Umzug verantwortlich sind, problemlos nachvollziehbar.

Das Festkomitee und auch die Arbeitsgruppe Festumzug hätten sich lange darüber Gedanken gemacht, wie die Nazi-Ära am besten dargestellt werden könnte. Auch die Linken-Fraktion hätte mehr als ein Jahr lang Zeit gehabt, sich daran zu beteiligen. „Jetzt ein paar Tage vor dem Festumzug vorzuschlagen, wir sollten die Stolpersteinverlegung zur Darstellung dieses Zeitabschnittes nutzen, ist blanker Populismus“, sagt der 1. Beigeordnete. „Vor allem aber ist es respektlos gegenüber den ehrenamtlich tätigen Werderanern und den 600 Menschen, die sich auf den Umzug vorbereiten und sich darauf freuen“, so Christian Große weiter.

Festumzug steht quasi in den Startlöchern

Inzwischen sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen, die Kostüme bestellt oder fertig genäht, die Requisiten gebastelt, die Tänze und Lieder einstudiert und die Oldtimer poliert. Zuletzt hatte der Einsatz von Pferden beim Festumzug für Diskussionen gesorgt. Die „Pferdeschutz-Initiative 2015“ appellierte daran, auf die Vierbeiner zu verzichten, um ihnen den Stress zu ersparen. Die Stadt hält auch in diesem Fall an den Plänen fest.

Von Luise Fröhlich

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