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Potsdam-Mittelmark „Feuchtigkeitsschäden in fast allen Gebäuden“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Feuchtigkeitsschäden in fast allen Gebäuden“
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00:16 31.10.2017
Pfarrer Matthias Blume, Vorstand des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff
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Lehnin

Matthias Blume ist Pfarrer und Vorstand des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin, äußert sich im MAZ-Interview zum hohen Sanierungsbedarf im früheren Kloster Lehnin und zur Zukunft des Standortes. Das Diakonissenhaus ist mit 360 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Lehnin. Dort hält sich hartnäckig noch ein Name, den es so nicht mehr gibt.

Das Diakonissenhaus hat 2003 in Lehnin die klösterliche Gebäudesubstanz mit dem früheren Luise-Henrietten-Stift übernommen. Ist es mehr Lust oder Last?

Es ist ein einmaliger Schatz, der uns anvertraut wurde. Unsere Verantwortung ist es, diesen Ort zu erhalten, zu entwickeln und der nächsten Generation zu übergeben. Wir sind immer bemüht, nachhaltige Nutzungen für die Gebäude zu finden. Der Erhalt der historischen Substanz ist teuer und gestaltet sich aufwändig. Ohne die Hilfe Dritter, ohne Hilfe des Landkreises, des Landes Brandenburg, der Europäischen Union und von Stiftungen geht es nicht. Der nächste Kraftakt wird es sein, eine wirksame Regenentwässerung des Areals zu bauen. Das ist eine große Herausforderung angesichts der Zahl der Gebäude hier, zumal wir uns im Bereich eines Bodendenkmals befinden. Aber um sie zu sichern, müssen wir dafür sorgen, dass sie trockene Füße bekommen.

Wie schlimm sind die Feuchtigkeitsschäden?

Es betrifft fast alle Gebäude. Das Schulhaus war total vernässt, ebenso das Alte Krankenhaus, das nun im Untergeschoss für Praxen ausgebaut ist. Das Elisabethhaus wird im Zuge der geplanten Sanierung trockengelegt. Stark betroffen ist auch das Altenhilfezentrum Lothar-Kreyssig-Haus. Dort haben wir teilweise große Schäden.

Gibt es auch Schäden in den Kliniken?

In den Kliniken selbst gibt es keine Schäden, da das Gebäude auf Pfählen errichtet wurde und wirksam abgedichtet worden ist. Probleme gibt es im Umfeld des Klinikgebäudes, wo Straßen und Wege sowie der Unterbau erneuert werden müssen.

Was passiert jetzt?

Das Diakonissenhaus hat einen Plan zur Entwässerung von einem Büro aus Luckenwalde erarbeiten lassen. Wir müssen Regenentwässerungen verlegen und dazu auch Derzeit sprechen wir mit den zuständigen Fachbehörden insbesondere des Landkreises und schauen intern, wie wir ihn in den nächsten fünf bis sechs Jahren umsetzen werden.

Wie teuer wird das?

Die Kosten dafür werden auf 2 bis 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Müssen schon Teile des Altenhilfezentrums wegen der Wasserschäden gesperrt werden? Gibt es Schimmel?

Nein, gesperrt werden musste nichts. Es gibt Schäden durch aufsteigende Nässe. Die Abdichtungen wurden bei der Errichtung des Gebäudes nicht fachgerecht ausgeführt. Aber das ist angesichts der verstrichenen Jahre keine Frage der Gewährleistung mehr.

Wie viel steckt das Diakonissenhaus in den Unterhalt der Gebäude jedes Jahr?

Das ist eine gute Frage. Ich weiß nicht, ob es sich rückwirkend ermitteln lässt. Seit 2004 waren es sicherlich mehrere Millionen Euro.

Wie sieht es mit der Klosterkirche aus?

Die Kirche ist im Eigentum des Diakonissenhauses. Sie wird von der St. Marien-Klosterkirchengemeinde Lehnin und der Evangelischen Kirchengemeinde Luise-Henrietten-Stift Lehnin gemeinsam für Gottesdienste, Konzerte und weitere Veranstaltungen genutzt. Diese beiden Gemeinden sind auch je zur Hälfte für Unterhaltung verantwortlich.

Gibt es auch Schäden an der Kirche?

Die Kirche ist von der Regenwasserproblematik ebenso betroffen wie die anderen Gebäude. Konkret stehen jetzt erst mal Arbeiten am Dach der Klosterkirche in überschaubarem Umfang an – dort müssen Schneezäune repariert werden.

Kommen wir auf die Kliniken zu sprechen. Die Patientenzahlen für die Geriatrische Rehabilitation sind von 850 im Jahr 2015 auf 1041 im vorigen Jahr gestiegen. Das ist ein Plus von 22 Prozent. Bauen Sie jetzt an?

Wir waren in 2016 deutlich besser belegt als im Jahr 2015. An eine Erweiterung der Klinik wird deshalb nicht gedacht. Durch den Bund ist der Neubau der geriatrischen Rehabilitationsklinik mit 70 Betten gefördert worden. Auf dieser Basis ist dann zwischen dem Haus und den Kassen eine Vereinbarung geschlossen worden, die genau diese Bettenzahl ausweist. Die Herausforderung besteht derzeit darin, das neben der Geriatrischen Rehaklinik bestehende Akut-Krankenhaus so anzupassen, dass es dem Bedarf einer sich verändernden Gesellschaft gerecht wird. So wurden die Plätze auf der Palliativstation von zehn auf 15 erweitert oder im Bereich der Inneren Medizin Betten für eine akutgeriatrische Versorgung geschaffen. An der Gesamtbettenzahl der Kliniken hat sich nichts geändert.

Stichwort Gästewesen: Urlaub im Kloster ist hip. Welches Entwicklungspotential sehen Sie dort noch?

Wir haben pro Jahr derzeit 7500 Übernachtungen. Wir wollen jetzt das Elisabethhaus sanieren und mit drei Einzelzimmern, 13 Doppelzimmern mit insgesamt 29 Betten ausstatten. Der vielen Lehniner bekannte Festsaal wird saniert und zusätzlich werden zwei Seminarräume sowie ein Empfangsbereich für Gäste entstehen. Die Baugenehmigung liegt vor. Wir haben Leader-Fördermittel beantragt. In Aussicht gestellt sind auch Mittel aus dem Kulturministerium und des Landkreises Potsdam-Mittelmark. 2,9 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt. Die Bauzeit wird ein reichliches Jahr betragen.

Was bieten Sie den Klostergästen?

Spezielle Angebote für Gäste des Klosters haben wir nicht. Sie gibt es aber durch das, was hier stattfindet: Morgen- und Mittagsandachten, gottesdienstliches Leben, Kirchenmusik, Veranstaltungen der beiden Kirchengemeinden, Angebote der Spiritualitätsarbeit der Evangelischen Kirche.

Wie sieht es mit der Verköstigung aus?

Verköstigt werden die Gäste in der Cafeteria des Krankenhauses. Diese Lösung ist nicht für alle Seiten zufriedenstellend, ändern können wir es derzeit nicht.

Das Gelände hier heißt bei den Lehninern noch Stift.

Manche Begriffe halten sich lang im kollektiven Bewusstsein. Man muss dazu sagen, dass die Namen „Luise-Henrietten-Stift Lehnin“ und „Evangelisches Diakonissenhaus Berlin-Teltow“ im Jahr 2004 aufgehört haben zu existieren. Unser Haus heißt seitdem „Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin“. Der alte Namen wird als Ausdruck des Respekts etwa in der Bezeichnung des Luise-Henrietten-Hospiz Lehnin oder der Evangelischen Kirchengemeinde Luise-Henrietten-Stift Lehnin fortgeführt.

Welchen Namen versuchen Sie zu etablieren?

Wir sprechen vom ehemaligen Zisterzienserkloster, intern vom Stammgelände Lehnin. Es ist ein wichtiger Standort des Evangelischen Diakonissenhauses. Wir betrachten es als ein Zentrum für kirchlich-diakonische Arbeit an dem der Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg, die beiden Kirchengemeinden, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit der Seelsorgeausbildung und der Spiritualitätsarbeit und das Diakonissenhaus mit vielen Arbeitszweigen zu Hauses sind.

Der bisherige Leiter des Gästewesens, Mark Thurley, ist jetzt beim Tourismusverein Kloster Lehnin angestellt. Haben Sie seine Position neu besetzen können?

Ja, die Stelle ist nachbesetzt mit Andrea Tügge. Sie war vorher in der Verwaltung der Altenhilfe tätig. Wir hoffen da auf personelle Stabilität.


Von Marion von Imhoff

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