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Feuerwehrfamilie verliert durch Brand alles

Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark) Feuerwehrfamilie verliert durch Brand alles

In Fichtenwalde sind Menschen, die normalerweise anderen helfen, selbst in Not geraten: Eine vierköpfige Familie, die komplett bei der Feuerwehr aktiv ist, hat durch einen Brand alles verloren. Das Unglück löste im Heimatort eine Welle der Hilfsbreitschaft aus. Die Feuerwehr hat ein Spendenkonto eingerichtet.

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Alexander und Nicole S. stehen geschockt vor ihrem Haus in Fichtenwalde. Der Innenraum des Hauses wurde vom Feuer total zerstört.

Quelle: Julian Stähle

Fichtenwalde. Normalerweise sind sie es, die ausrücken, um Menschen zu retten und Hilfe zu leisten. Jetzt brauchen sie selbst Hilfe. In Fichtenwalde hat eine vierköpfige Familie, in der allesamt in der Feuerwehr aktiv sind, durch einen Brand alles verloren. Sie waren gerade bei Verwandten im Ort zu Besuch, als das Feuer aus bisher ungeklärter Ursache ausbrach. Das Eigenheim ist nach dem Brand unbewohnbar. Was im Haus nicht verbrannte, ist durch den Rauch unbrauchbar geworden.

„Im Moment ist da nur Leere“, sagt der Familienvater Alexander S. „Wir hoffen, dass wir wenigstens wichtige Andenken retten können – unsere Eheringe zum Beispiel.“ Der 34-Jährige gehört mit seiner Frau Nicole (32) seit Jahren zur Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Fichtenwalde. Ihre beiden Kinder, sechs und sieben Jahre alt, sind Mitglied in der Jugendwehr. Das Ehepaar ist es gewohnt, im Notfall für andere zur Stelle zu sein und Brände zu löschen. Selbst Opfer eines Brandes zu werden, ist für sie ein Schock. „Wenn man zum Einsatz fährt, macht man seine Arbeit. Wenn man sein eigenes Heim verliert, ist man ein Mensch wie jeder andere“, sagt die 32-Jährige, die in Fichtenwalde die Kinder- und Jugendfeuerwehr betreut. „Vor allem die Ungewissheit, wie es jetzt weiter geht, ist das Schlimme. Wir hatten noch nie einen Versicherungsfall“, sagt sie.

Innen wurde fast alles zerstört

Innen wurde fast alles zerstört.

Quelle: Julian Stähle

„Die Anteilnahme ist unglaublich“

Das Unglück hat unter den Kameraden der Feuerwehr und in ganz Fichtenwalde eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. „Die Anteilnahme ist unglaublich. Da kamen Leute vorbei und haben mir einfach Geld in die Hand gedrückt, obwohl sie selbst nicht viel haben. Innerhalb von 24 Stunden haben wir auch Spielzeug und Kleidung für die Kinder bekommen“, sagt Alexander S.

Die Kameraden der Fichtenwalder Feuerwehr haben für seine Familie eine Spendenaktion gestartet, „um schnell und unbürokratische zu helfen“, so Ortswehrführer Sebastian Klammt. Wer Sachspenden wie Kleidung, Schuhe oder Bettwäsche geben will, kann die Feuerwehr über die Facebook-Seite kontaktieren. Patrick Mühlhans hatte den Hilferuf gelesen und kam spontan zum Brandort: „Ich habe ein Haus geerbt. Es sind noch einige Kleidungsstücke im Haus. Meine Freundin hat einen Kleiderschrank. Und Hundeleinen habe ich auch noch“, sagt er.

Der Innenraum des Hauses wurde total zerstört

Der Innenraum des Hauses wurde total zerstört.

Quelle: Julian Stähle

Zur Familie S. gehören zwei Hunde. Die Vierbeiner waren als einzige im Haus, als der Brand ausbrach. Der Familienvater war selbst hingeeilt und konnte noch die Tür öffnen, um die Hunde herauszulassen. Es sind dann die eigenen Kameraden, die den Brand löschen. Ein Nachbar hatte das Feuer am Samstagabend bemerkt und die Feuerwehr und die Familie informiert. Die Brandbekämpfer sind fünf Minuten nach Alarmierung da und haben es mit einem „ausgedehnten Zimmerbrand im Bereich des Wohnzimmers und der Küche zu tun. Wir gehen von einem technischen Defekt aus, wollen der Polizei aber nicht vorgreifen“, so Klammt.

Dichter Rauch drang am späten Samstagabend aus dem Haus der Familie S

Dichter Rauch drang am späten Samstagabend aus dem Haus der Familie S.

Quelle: Julian Stähle

Nach elf Minuten Feuer unter Kontrolle

Elf Minuten nach Eintreffen war das Feuer unter Kontrolle, sagt Einsatzleiter Martin Ließ. Schneller ging es nicht. Trotzdem ist das Holzhaus wohl nicht zu retten. „Man muss davon ausgehen, dass sie ein neues Haus brauchen“, sagt Klammt: „Wir werden sie unterstützen, damit sie so schnell wie möglich in ein neues Zuhause einziehen können.“ Der Spendenaufruf macht derweil weiter die Runde. „Auch meine Volleyballmannschaft gibt 200 Euro“, so Martin Ließ. „Fichtenwalde wird zusammenstehen und helfen“, sagt Ortsvorsteher Tilo Köhn. Unterstützung kommt auch von der Stadt Beelitz. „Wir werden die Schulausrüstung für die Kinder übernehmen, um das Leid zu lindern“, so der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth: Ranzen, Hefte, Stifte – was auch immer gebraucht werde. „Sie kümmern sich um die Sicherheit der Menschen, da ist es selbstverständlich, dass wir jetzt ihnen helfen“, so Knuth am Telefon. Er ist im Urlaub und sagt vom Gardasee aus weitere Hilfe zu:„Wenn der Bedarf besteht, werden wir auch eine Wohnung zur Verfügung stellen.“ Die junge Familie kann erst einmal bei den Eltern in Fichtenwalde wohnen: „Wir halten jetzt zusammen und sind froh, dass wir uns haben.“

Spendenaufruf der Freiwilligen Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Fichtenwalde hatte zu Montagabend auch zu einer Sachspenden-Aktion am Feuerwehrdepot aufgerufen. „Es war absolut überwältigend, was da alles zusammengekommen ist“, sagt Ortswehrführer Sebastian Klammt. „Was jetzt noch hilfreich ist, sind Geldspenden, um die Zeit, bis die Versicherung zahlt, zu überbrücken“, sagt er.

Geldspenden sind über das Konto des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Fichtenwalde bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse möglich: IBAN: DE15 1605 0000 3526 0044 11; Stichwort: Kameraden in Not.

Von Jens Steglich

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