Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Fichtenwalde für zwei Stunden ohne Wasser

Gartenbewässerung: Enormer Wasserverbrauch führte zu Engpass Fichtenwalde für zwei Stunden ohne Wasser

Die Trockenheit hat in Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark) zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung geführt. In dem Beelitzer Ortsteil floss am Freitagabend kein Wasser mehr aus dem Hahn, weil der Verbrauch an dem Tag ungekannte Höhen erreichte und der Speicherbehälter deshalb so gut wie leer war.

Voriger Artikel
„Den Ehrenkodex gibt es nicht“
Nächster Artikel
A2 bei Wollin nach Unfall stundenlang dicht

Wasser ist kostbar und in manchen Gegenden knapp.

Quelle: Foto: Dpa

Fichtenwalde/Potsdam. Die anhaltende Trockenheit hat erste Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. In Fichtenwalde floss am vergangenen Freitagabend zwei Stunden kein Wasser mehr aus den Hähnen, weil der Verbrauch an dem Tag bisher ungekannte Höhen erreicht hatte. In dem Beelitzer Ortsteil stieg der Wasserverbrauch auf 140 bis 160 Kubikmeter pro Stunde. Zum Vergleich: An normalen Sommertagen nahmen die Fichtenwalder in der Vergangenheit 50 bis 60 Kubikmeter pro Stunde ab.

Weil im Ort, in dem etwa 2850 Menschen leben, das Grundwasser sehr tief liegt, haben viele Gartenbesitzer keine eigenen Brunnen. Sie bewässern Wiesen, Bäume und Blumen mit Leitungswasser. Das müssen sie wegen der Trockenperiode jüngst besonders intensiv getan haben. Das Wasserwerk kam mit der Förderung von Nachschub nicht mehr nach. „Durch die lang anhaltenden Spitzenentnahmen war der Vorrat im Reinwasserbehälter, der 650 Kubikmeter Wasser speichert, nahezu aufgebraucht“, sagte Ortsvorsteher Thilo Köhn. Um ein Trockenlaufen zu verhindern, hätten sich die Pumpen automatisch abgeschaltet. Der zuständige Zweckverband „Nieplitz“ hat unterdessen den Wasserdruck vorübergehend gedrosselt. So soll eine erneute Unterbrechung der Wasserversorgung verhindert werden.

Auch bei der Mittelmärkischen Wasser- und Abwasser GmbH (MWA), die unter anderem die Teltower Region versorgt, wurde an den warmen Tagen nahezu eine Verdoppelung des Wasserverbrauchs registriert. „Die lange Trockenheit ist deutlich spürbar. Wir können trotzdem ausreichend Wasser zur Verfügung stellen“, sagte Torsten Könnemann von der MWA. Es sei noch Luft nach oben. „Wir waren an den letzten Tagen in den Wasserwerken in Kleinmachnow und Teltow bei einer Kapazitätsauslastung von gut 80 Prozent.“ Auch Stefan Klotz, Sprecher der Potsdamer Stadtwerke, versicherte, dass die Wasserversorgung in der Landeshauptstadt weiter gewährleistet sein wird.

Die Versorgung der Bevölkerung sei kein Thema, so Könnemann. „Es ist die Gartenbewässerung, die zusätzlich hinzukommt.“ Die Gefahr, dass die Wasservorkommen knapp werden könnten, sieht er aktuell nicht. „Wir nutzen nicht den oberen Grundwasserleiter. In der Region Teltow nutzen wir oft den dritten und vierten Grundwasserleiter in größerer Tiefe. Die können nicht beeinflusst werden durch Trockenphasen, wie wir sie gerade haben.“

Laut Ursel Behrens, Leiterin der Potsdamer Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes, gehört Brandenburg zu den regenärmsten Gebieten Deutschlands. Nur in der Magdeburger Gegend im Schatten des Harzes fällt noch weniger Regen. Im April und Mai registrierten die Meteorologen in Potsdam und Umgebung noch dazu deutlich weniger Niederschlag als üblich. Im April seien es etwa 40 Prozent der normalen Menge gewesen, im Mai 30 Prozent. Das langjährige Mittel liegt im Mai bei 60 Litern pro Quadratmeter. Im Juni setzte sich die Trockenheit fort: In Potsdam und Umgebung hat es nur am 2. Juni geregnet – etwa drei Liter pro Quadratmeter. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Behrens. Im Park Sanssouci wird derzeit Tag und Nacht bewässert, damit der Altbestand keinen Schaden nimmt, so Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Die Bäume geraten zunehmend unter Stress. Auch der Schädlingsbefall nimmt durch die Wärme zu“, sagte er. Bei der Potsdamer Firma Dreßler GmbH gehen momentan im Schnitt täglich vier Anfragen nach Gartenbrunnen ein. Das sei aber immer so: „Im Sommer, wenn es heiß und trocken ist, werden die Leute wach und fragen nach einem Angebot für einen Brunnen“, so Bernhard Dreßler.

Fichtenwaldes Ortschef Thilo Köhn wendete sich derweil mit einer dringenden Bitte an die Fichtenwalder: „Gehen Sie bitte mit dem Trinkwasser sorgsam um! Der Rasen muss jetzt nicht unbedingt gewässert werden, er wird sich wieder erholen. Es ist in unser aller Interesse!“ Langfristig, sagte er, helfe in Fichtenwalde nur ein Ausbau des Wasserwerks. Die Einwohnerzahl steigt wieder und langfristige Wetterprognosen sprechen für eine Zunahme längerer Trockenphasen, so Köhn.

Zumindest was die nächsten Tage betrifft, kann der Wetterdienst keine Entwarnung geben. „Es ist derzeit nichts in Sicht, was eine durchgreifende Entlastung bringen könnte“, sagte Behrens.

Von Jens Steglich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg