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Potsdam-Mittelmark Fichtenwalder fürchten um Ortscharakter
Lokales Potsdam-Mittelmark Fichtenwalder fürchten um Ortscharakter
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10:10 07.06.2016
Auf diesem Grundstück in der Wilmersdorfer Straße steht kein Baum mehr. Quelle: Jens Steglich
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Fichtenwalde

 Das Grundstück in der Wilmersdorfer Straße sieht aus als wäre ein Tornado durchgezogen. Kein Baum steht mehr. Der Kahlschlag ist Menschenwerk und sorgt für große Unruhe. Die Fichtenwalder, die mit dem Titel Waldgemeinde werben, fürchten um den Ortscharakter und Schuld daran soll ausgerechnet die Forstbehörde sein – die Hüterin der Wälder.

„Komplette Abholzungen häufen sich. Es betrifft ganz Fichtenwalde“, sagt Winfried Ludwig, Vorsitzender der Bürgerinitiative Waldkleeblatt, die gegen das Aufstellen von Windrädern im Wald kämpft. Mitten im Heimatort gibt es nun ein neues Schlachtfeld im Ringen um die Bewahrung des Grüns.

Kahl sind weitere Areale in der Wilmersdorfer Straße, in der Eiben- und Eichenstraße. Es läuft immer nach gleichem Muster ab – legal und doch mit verheerenden Folgen für Fichtenwalde, wo Bäume zum Selbstverständnis gehören, seit der Ort 1908 erschaffen wurde. Es gilt nicht umsonst eine der schärfsten Baumschutzsatzungen. Paradox: Der Schutz greift in den Fällen erst, wenn die Bäume weg sind. Experten sprechen von einer Gesetzeslücke. „Wir haben im Ort Innen- und Außenbereich. Der Forstbehörde ist das aber egal: Sie beurteilt ein Grundstück anhand der Bewaldung“, sagt der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth. Wenn der Revierförster das Areal als Wald einstuft, gilt dort das Waldgesetz und keine Baumschutzsatzung. Erteilt die Forstbehörde dann Bauherren die Genehmigung, den Wald in Bauland umzuwandeln, können sie das gesamte Grundstück roden, ohne gegen Regeln zu verstoßen. Die Baumschutzsatzung gilt erst nach Vollzug der Umwandlung.

Baumschutz

Gilt auf Grundstücken, die bebaut werden sollen, die Baumschutzsatzung, besprechen Mitarbeiter der Beelitzer Stadtverwaltung mit Bauherren vor Ort, welche Bäume trotz Hausbaus stehen bleiben. In der Regel ist das mindestens ein Baum je 100 Quadratmeter.

Für die kritisierten Rodungen bei einer Umwandlung von Wald in Bauland müssen die Bauherren im Verhältnis 1 :1 Bäume im Naturraum „Mittlere Mark“ nachpflanzen, davon hat der Ort Fichtenwalde aber nichts.

„Wir versuchen den Waldcharakter zu erhalten und dann kommt die Forstbehörde und sagt: Bei einer Waldumwandlung könnt ihr alles abholzen“, schimpft Fichtenwaldes Ortsvorsteher Tilo Köhn. Er warnt vor einem Dominoeffekt und meint nicht nur die Gefahr, das andere Bauherren dem Beispiel folgen. „Ein Kahlschlag hat forstwirtschaftliche Wirkungen auf Nachbargrundstücke. Dort stehen Bäume plötzlich frei und haben bei Sturm keinen Halt mehr“, sagt Köhn. Solche Bäume müssen notgefällt werden, weil die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist.

Für Köhn steht die Seele des Ortes auf dem Spiel: „Es dauert 80 Jahre, bis ein Baum groß ist. Es dauert nur eine Minute, bis er gefällt ist.“ Eigentlich müsste die Forstbehörde ein Interesse haben, Bäume zu erhalten. „Im Ort gibt es indes das Gerücht, dass sie Bauherren empfiehlt, bei Waldumwandlungen alles abzuholzen“, so Köhn. Holger Hendtke, Leiter der zuständigen Oberförsterei Potsdam, weist das zurück: „Wir empfehlen so etwas nicht. Das ist mir nicht bekannt und ich glaube auch nicht, dass es so passiert ist.“ Laut Köhn hatten in der Wilmersdorfer Straße Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Vorfeld mit Bauherren geredet. „Sie hatten sich auch schon geeinigt, welche Bäume stehen bleiben. Nach dem Gespräch der Bauherren mit der Forstbehörde sind doch alle gefällt worden“, so Köhn. „Wir erteilen Genehmigungen zur Umwandlung von Wald, keine Kahlschlaggenehmigung“, erwidert Hendtke. Er sieht für die Kommune die Möglichkeit, im Baugenehmigungsverfahren Einfluss auf Bauherren zu nehmen. Für Ludwig von der Bürgerinitiative wird umgekehrt ein Schuh daraus: Die Forstbehörde sollte ihre Genehmigung mit der Auflage verbinden, Bäume stehen zu lassen. Er fordert von ihr Sensibilität für die Besonderheit des Ortes: „Der Waldcharakter muss erhalten bleiben, sonst ist Fichtenwalde nicht mehr Fichtenwalde.“

Von Jens Steglich

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