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Fit dank Gartenarbeit und Hausbesuchen

MAZ zu Hause in ... Groß Kreutz Fit dank Gartenarbeit und Hausbesuchen

In der „Villa Michelet“ in Groß Kreutz sprudeln Jeannette Röslers Jungbrunnen und ihre Familiengeschichte. Die 74-jährige Ärztin ist eigentlich schon seit Jahren im Ruhestand, kann und will es aber nicht lassen und schrubbt hunderte Kilometer zwischen Glindow und Schmergow für Hausbesuche bei ihren Patienten. Fit hält sie auch der traditionsreiche Garten.

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Jeannette Rösler hat immer wieder neue Ideen, sich in ihrem großen Garten gestalterisch zu verwirklichen.

Quelle: Mandy Mamedow

Groß Kreutz. Die „Villa Michelet“ wird heute wohl nur noch wenigen in Groß Kreutz ein Begriff sein, dabei gehört sie einer Vollblut-Groß Kreutzerin, in deren Garten Theodor Fontane auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg – hätte es damals schon Jeannette Rösler gegeben – sicher Station gemacht hätte. Denn zu berichten gibt es so manche Geschichte vom gepflegten Grundstück in der Brandenburger Straße und seiner agilen Bewohnerin.

Noch mit 74 Jahren ist die leidenschaftliche Ärztin berufstätig. Rund 500 Kilometer fährt sie im Monat für Hausbesuche. Statt offiziell 48 Dienststunden arbeitet sie rund 100 Stunden im Monat. Unterwegs ist sie dabei sozusagen überall zwischen Glindow und Schmergow. „Für die Menschen ist es schwer, wenn man aufhört. Nicht alle kommen leicht bis nach Groß Kreutz oder finden schnell einen anderen Arzt. Zudem kenne ich meine Patienten schon seit vielen Jahren“, erzählt Jeannette Rösler. „Und“, fügt sie hinzu „das hält mich fit.“

Zunächst als Ärztin in Kyritz tätig

Einen Arzt wegen etwas Ernsthaftem hat sie selbst noch nicht gebraucht, und für kleinere Wehwehchen ist ihre Tochter zuständig. Die ist auch Ärztin – schon fast eine Familientradition. Röslers Vater war Arzt und praktizierte im Haus. Als er aus dem Krieg nicht mehr heimkehrte und die Mutter wieder heiratete, gab es in der neuen Familie auch wieder einen Arzt. Und so war es für Tochter Jeannette schnell klar, ebenso diesen Weg einzuschlagen.

Von 1962 bis 1968 studierte sie an der Humboldt-Universität Berlin Medizin, arbeitete dann als Ärztin in Kyritz und später in der Stadt Brandenburg, bevor sie 1988 nach Groß Kreutz wechselte. Gleich nach der Wende hat sie dann im eigenen Haus eine Praxis eingerichtet, die sie bis 2009 betrieb. Dort, wo sie früher Patienten empfing, ist heute die Küche, modern und doch mit dem Charme des alten Hauses von 1878, das im Laufe seiner Geschichte so manches erlebte. Röslers heutiges Wohnzimmer beherbergte einst den staatlichen Kindergarten von Groß Kreutz. Rund 25 Kinder spielten und lärmten hier zwischen 1963 und 1988. Den Spielplatz im Außenbereich hat Rösler später bepflanzt und in einen Wintergarten mit vorgelagerter Terrasse verwandelt.

Name der Villa stammt von den hugenottischen Vorfahren

Fit hält sie nicht nur ihre berufliche Leidenschaft, sondern vor allem auch ihr Garten und ihre nicht versiegenden Ideen. Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Grundstück tummeln sich neben heimischen auch exotische Pflanzen aus verschiedenen Ländern. Diese bringt sie zumeist als Samen von Reisen mit oder bekommt sie geschenkt, unter anderem von Patienten. Die packen auch manchmal mit an, wenn beispielsweise im Herbst das Laub zu beseitigen ist.

Spannend wird es, wenn Jeannette Rösler etwas weiter aus der Familiengeschichte erzählt und noch dazu einen kleinen Einblick gewährt in eine Miniatur-Foto-Ausstellung, aufgehängt an der Innentür der ausgedienten Gartentoilette, einem Backsteinhäuschen mit Spitzdach. Dieses ist inzwischen liebevoll als kleines Gartendenkmal wieder hergerichtet. Zu sehen sind feingerahmte Bilder aus längst vergangenen Tagen, als das Haus bekannt war als „Villa Michelet“, dem Namen von Röslers hugenottischen Vorfahren, und eine Groß Kreutzer Postkarte zierte. Auf dieser Postkarte aus den 1930er Jahren ist auch ein Tennisplatz zu sehen.

Mehr als 45 Dienstjahre absolviert

Jeannette Rösler ist Ur-Groß Kreutzerin und Fachärztin für Allgemeinmedizin mit mehr als 45 Dienstjahren. Die 74-Jährige ist als Angestellte noch berufstätig mit rund 100 Arbeitsstunden pro Monat für Hausbesuche.

Ihr Garten ist ihre Leidenschaft und einmal jährlich Anlaufpunkt für mehrere hundert Besucher im Rahmen der Initiative „Offene Gärten Berlin-Brandenburg“.

„Als mein Großvater 1928 starb, hinterließ er neben Frau und vier Kindern auch jede Menge Schulden“, erzählt Jeannette Rösler. Ihre Mutter wandelte das Haus aus wirtschaftlichen Gründen in eine Pension um und legte einen Tennisplatz an. Der alte Nutzgarten wurde Freizeitoase für Berliner Wochenendausflügler und für die Röslers eine Einnahmequelle. Mittlerweile wachsen auf dem ehemaligen Tennisplatz Gräser, Moose und Farne. Doch das Wegesystem jener Tage ist auch heute noch das, auf dem sich Jeannette Rösler in beinahe jeder freien Minute trittsicher bewegt und auf dem sie einmal im Jahr zu den „Offenen Gärten“ bis zu 400 Gäste durch das parkähnliche Grundstück führt.

Von Mandy Mamedow

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