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Fläming: DSL-Engpass bleibt auf letzter Meile

Breitbandausbau läuft auf Hochtouren Fläming: DSL-Engpass bleibt auf letzter Meile

Auf Hochtouren läuft bis Jahresende der Breitband DSL-Ausbau im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Rahmen des Fördenprogramms „Glasfaser 2020“. Doch bleiben trotz der Investitionssumme von rund 95 Millionen Euro noch unterversorgte Gebiete. Bürger und Firmen sind verärgert.

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Auch durch solche Leerohre für Glasfaserkabel – hier im Querschnitt – soll bald die ganze Region mit Highspeed-Internet versorgt sein.

Quelle: dpa-Zentralbild

Bad Belzig. Spätestens zum Ende des Jahres können Internetnutzer in den meisten Orten des Landkreises mit Datenturbo durch die digitale Welt surfen. Dann soll die Verbesserung des DSL-Breitbandnetzes in Potsdam-Mittelmark abgeschlossen sein. Im gesamten Land Brandenburg lässt das Ministerium für Wirtschaft und Energie derzeit moderne Datenleitungen neu verlegen.

Im Westen des Kreises bis hinauf zum Havelland erhielt das Unternehmen DNS-Net den Zuschlag. In den übrigen Kommunen gewann die Telekom AG die Ausschreibung. Überall schließen unter Zeitdruck arbeitende Bautrupps derzeit mehrere Hundert der grauen Verzweiger-Kästen an neu verlegte Glasfaserleitungen an. Der geforderte Mindeststandard liegt bei einer Netzgeschwindigkeit von sechs Megabite pro Sekunde (Mbit/s).

Neuverlegung moderner Leitungen

Über das Förderprogramm „Brandenburg Glasfaser 2020“ fließen knapp 95 Millionen Euro aus Töpfen der Europäischen Union für regionale Entwicklung (Efre) in den Netzausbau. So sollen auch Gegenden, die für Anbieter wenig lukrativ sind, fürs schnelle Internet erschlossen werden.

Christopher Pooch bedient in Wiesenburg das Fiberwheel, das im DSL-Ausbau speziell zur Röhrenkabelverlegung eingesetzt wird

Christopher Pooch bedient in Wiesenburg das Fiberwheel, das im DSL-Ausbau speziell zur Röhrenkabelverlegung eingesetzt wird.

Quelle: Dirk Fröhlich

Dennoch wird es auch nach Abschluss des 2014 gestarteten Projektes noch Bürger geben, für die ein schneller Online-Zugang weiter ein Traum bleibt. „Das Problem ist noch immer die letzte Meile“, bestätigt Martin Rätz. „Denn je weiter ein Hausanschluss vom letzten Kabelverteilerkasten entfernt ist, desto stärker sinkt die technisch erreichbare Internetgeschwindigkeit“, erklärt der Breitbandbeauftragte der Kreisverwaltung in Bad Belzig. Denn selbst wenn der Verzweiger-Kasten künftig über das schnelle Glasfasernetz gespeist wird: Die Verbindung zwischen Verzweiger und Haushalten erfolgt oft immer noch per Kupferkabel.

Weiterhin Engpässe möglich

Diese bremsen die Daten aber durch ihren physikalischen Widerstand aus. Selbst neueste Vectoring-Technologien zur Signalverstärkung im Kupferkabel haben ihre Grenzen. Und so kommt es, dass kleine Dörfer wie Niebel oder Niebelhorst im Gebiet der Stadt Treuenbrietzen oder die Region Götzer Berge auch weiterhin nur über langsame Datenleitungen an die digitale Welt angebunden sein werden. Selbst an den Rändern von Gewerbegebieten wie in Borkheide und in Stahnsdorf könne es weiterhin Leistungsengpässe geben. Doch gerade dort sitzen oft Firmen, die ohne schnelles Internet gar nicht mehr konkurrenzfähig sind.

So schicke ein Software-Unternehmer aus Teltow seine Dateien heute noch auf USB-Sticks per Post zu Kunden nach Kanada. „Für diese wertet er zur Kartierung von Gasfernleitungen Satellitenbilder aus“, erzählt Rätz. Doch auch in ländlichen Räumen, wie dem Fläming sind in Dörfern verteilte Werkstätten und angestammte Handwerksbetriebe heute auf eine schnelle Datenübertragung angewiesen. Von Lütte aus pflegt ein Computerexperte im Auftrag von Reisekonzernen Buchungssysteme für Wohnmobile in Übersee.

Nicht überall mehr Leistung

Etwa 3100 Verzweigerkästen für DSL-Leistungen im Land Brandenburg waren bislang noch mit weniger als sechs Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt. Nicht alle von ihnen werden im Förderprogramm „Glasfaser 2020“ aufgerüstet.

Privatleute können bei den Breitband-Beauftragten der Landkreise abfragen, ob Verzweiger in ihrer Nähe dabei sind. Ansprechpartner für Potsdam-Mittelmark ist Martin Rätz:  0 33841 /91537.

Auf der Homepage des Breitbandatlasses können Verbraucher ihren Bedarf an Breitband-Internet melden unter www.breitbandatlas-brandenburg.de.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg rät Kunden, beim DSL-Vertrag auf ein Mindest-Datenvolumen zu achten. Die Formulierung „bis zu“ diene den Anbietern häufig als Schlupfloch, wenn das Internet zu langsam ist.

Die Lösung für hohes Tempo mit mehr als 100 Mbit/s auf der Datenleitung sind Glasfaserkabel bis an die Haustür und direkt ins Büro. Diese Technik gilt als ausbaufähig und damit zukunftssicher. „Allerdings steigen die Anforderungen innerhalb kürzester Zeit im Quadrat“, weiß Rätz. „Galten vor wenigen Jahren noch zwei Mbit als DSL-Versorgung, brauchen heute schon viele Schüler 25 bis 50 Mbit“, erklärt der Wirtschaftsförderer. Für ihn gehört ein leistungsfähiges Breitbandnetz heute zur Grundversorgung „wie Wasser, Strom und Telefon”.

Verlegung kostet 15 Euro – pro Meter

Dennoch spiele die Wirtschaftlichkeit nicht nur für die Dienstleister eine Rolle. „Mit Steuergeld auch in jede noch so abgelegene Siedlung Glasfaserkabel zu verlegen, ist nicht angemessen“, sagt Rätz. Schließlich kostet die Verlegung schon auf freiem Feld etwa 15 Euro pro Meter. „Dort müssen andere Lösungen wie Funkstrecken oder LTE-Netze genutzt werden“, sagt der Breitbandexperte.

Aus seiner Sicht kommt das Förderprogramm „Glasfaser 2020“ fünf Jahre zu spät. Zudem fallen Kommunen durch das Raster, die in der Förderperiode um 2009 bereits Geld erhalten haben. Dazu zählen Orte wie Reppinichen, Schmerwitz und Benken in der Gemeinde Wiesenburg/Mark. Dort wurde eine Kombination aus Funk- und Festnetztechnologie gebaut, die von Kunden aber nicht ausreichend angenommen wird. Sie fordern technisch stabile Kabelverbindungen.

Haushalte ohne zeitgemäßen Anschluss

Dabei laufe beispielsweise das vor Jahren im Kreis gestartete Modellprojekt „Schnell@PM“ zum Beispiel in Bensdorf mit 80 bis 100 Kunden stabil per Richtfunk mit bis zu 100 Mbit/s. Problem sei der Preis. Denn sobald eine DSL-Erschließung per Kabelnetz folgt, bieten Großkonzerne oft günstiger Konditionen. Ein weiteres Problem im aktuellen Glasfaser-Förderprojekt, das „mit heißer Nadel gestrickt worden ist“, sei zudem der enge Zeitplan, der jetzt kaum Korrekturen in der Planung möglich mache, kritisiert Martin Rätz. Doch werden nach seiner Schätzung etwa 98 Prozent der Haushalte im Kreis ab 2016 „mindestens sechs Megabit pro Sekunde zur Verfügung haben.“

Rätz will nun Orte sammeln, die nach Abschluss des Projektes ohne zeitgemäßen DSL-Anschluss bleiben. Chancen für neue Förderprojekte ergäben sich aus aktuellen Beschlüssen des Bundestages. Gerade hat er ein neues Programm beschlossen. Jetzt können Kommunen neu aktiv werden und als Bauherr und Betreiber neuer Ortsnetze auftreten. Bund und Länder übernehmen bis zu 90 Prozent der Kosten, damit auch die letzten Engpässe beseitigt werden.

Von Thomas Wachs

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