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Fläming-Quellen versiegen schneller denn je

Wiesenburg Fläming-Quellen versiegen schneller denn je

Die Wiesenburger Mineralbrunnen-GmbH hat Mietvertrag mit der Gehring/Bunte-Gruppe gekündigt. Damit steht das Aus für die Tetrapak-Abfüllung wie schon die Flaschenproduktion quasi fest. Zuletzt hatte ein Dutzend Mitarbeiter auf den Erhalt dieser Jobs gehofft. Die Zukunft des Standortes ist ungewiss.

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Eine letzte Mitarbeiterrunde bei den Fläming-Quellen. Das Aus für die Tetrapakproduktion kam schneller als gedacht.

Quelle: Dirk Fröhlich

Wiesenburg. Offenbar noch schneller als gedacht werden die einst sprudelnden Fläming-Quellen nun versiegen. Auch das Ende der Tetrapakproduktion scheint jetzt gekommen. Denn die Wiesenburger Mineralbrunnen-GmbH, Sitz Baruth/Mark - so der Name des jetzigen Eigentümers des Areals – stellt dem eigentlich angestammten Gehring-Bunte-Gruppe wohl überraschend schnell den Stuhl vor die Tür. Das Bielefelder Unternehmen hatte sich auf seinem einstigen Grund und Boden zumindest vorübergehend eingemietet, um dort unter anderem das renommierte Babywasser der Marke „Carat“ in den 0,5-Liter-Kartons abfüllen zu können. Ein Dutzend Arbeitsplätze – früher waren es 60, zuletzt 30 – hätte so wohl noch eine Weil lang Bestand.

Doch mit einem Schreiben vom 20. Februar sei die Kündigung des Vertrages zum 28. Februar eingegangen, wird berichtet. Bis Ende diesen Monats soll dem Vernehmen nach die Produktionsstätte, die jetzt zur Schaeff-Gruppe (Altmühltaler und Baruther Urstromquelle) gehört, geräumt sein. Ob und wie die Halle und die Brunnen in Zukunft weiter genutzt werden sollen, ist derzeit völlig. Geschäftsführer Günter Kutschera lässt Anfragen der MAZ dazu unbeantwortet. Ebenso nennt er keinen Grund für das plötzliche Ende des Mietverhältnisses.

In seiner Regie war bereits wenige Wochen nach Erwerb des neuen Vermögens die PET-Flaschen-Strecke still gelegt worden. Mitte Januar zeichnete sich das Aus für die ersten knapp 20 Kollegen ab. Zwar gibt es im Hohen Fläming besonders reines Wasser, das seit 22 Jahren gefördert und vermarktet worden ist. Allerdings war die Produktion mit den hiesigen relativ alten Anlagen nicht mehr rentabel, und es hätte erheblicher Investitionen bedurft, wie die früheren Besitzer im Nachhinein eingeräumt haben.

Klage wegen Betrug erwogen

Die Nahrungs-Gewerkschaft erwägt eine Klage wegen arglistiger Täuschung gegen die beiden Getränkehersteller – Gehring/Bunte (Christinen) und Schaeff (Altmühltaler).

Nicht nur, dass die unternehmerische Entscheidung zum Nachteil der Mitarbeiter gefällt worden sei. Die Leute fühlen sich betrogen.

Am 4. Januar hatten sich die Kollegen bereit erklärt, in zwei Unternehmen weiter zu arbeiten. Schon einen Tag später war dem Betriebsrat die geplante Stilllegung der PET-Flaschen-Produktion angekündigt worden. Er geht davon aus, dass sie länger geplant war. Denn wider die Praxis war kein Material mehr bestellt worden.

Auch die Aufteilung der 30-köpfigen Belegschaft kommt dem Betrieb entgegen. Damit ist die Bildung eines Betriebsrates nicht mehr obligatorisch.

Ob von ihren Nachfolgern trotzdem ehrliche Versuche unternommen wurden, beispielsweise die Belieferung der Handelskette „Kaufland“ fortzusetzen, oder die Marktbereinigung sogar die ausschließliche Strategie der Schaeff-Gruppe war, wird womöglich später juristisch geklärt werden müssen. Dies wird nach Ansicht der Gewerkschaft Nahrung, Genuss Gaststätten von Bedeutung, wenn es um die Klärung der Ansprüche der ehemaligen Beschäftigten geht.

Mit solchen Erfahrungen im Hinterkopf neigt die nunmehr komplett freigestellte Belegschaft nicht zu Optimismus. Dabei hat die Gehring-Bunte-Gruppe immer wieder erklärt, dass sie im Hohen Fläming auf der Suche nach einem Alternativstandort sei. Zwei Grundstücke nahe dem Bahnhof am Park Wiesenburg sind laut Bürgermeister Marko Beckendorf (die Linke) in Augenschein genommen worden.

Im Gewerbegebiet Seedoche werden wohl ebenfalls Bohrungen erwogen. Noch ist laut Bauverwaltung im Rathaus Bad Belzig aber nichts spruchreif. Obendrein, so die lokalen Behörden, müsste bei der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark erst einmal geprüft werden, ob noch Rechte zur Wassergewinnung, die ähnlich der Gewährung des Bodenschatzabbaus vergeben werden, überhaupt frei sind.

Von René Gaffron

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