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Fläminger Pils fließt bald aus Niemegk

Braukunst Fläminger Pils fließt bald aus Niemegk

Die Rohstoffe für sein Fläminger Bier sollen mehr und mehr vor der eigenen Haustür wachsen. Erstmals hat der Niemegker Gertränke-Händler und -Produzent Bodo Höhne die Braugerste direkt auf seinem eigenen Feld angebaut. Obwohl die Ernte-Premiere noch keinen Spitzenwert einfuhr, macht sie ihm Mut für neue Experimente.

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Dann kann es ja mit der Bierproduktion beginnen: Stolz auf die erste eigene Braugerste ist Bodo Höhne mit seinen Söhnen.

Quelle: Stefan Specht

Niemegk. Es ist ein Experiment mit relativ sicherem Ausgang: Der Getränke-Händler- und Produzent Bodo Höhne ist gerade dabei, Niemegker Bier zu brauen. Dafür hatte er in diesem Sommer auf 3,5 Hektar seines Ackers erstmals selbst Braugerste angebaut. Im kommenden Frühjahr will er das daraus entstandene Bier verkaufen. Das Bierbrauen selbst ist für den Niemegker nichts Neues, doch bislang musste er alle Zutaten kaufen. Die Gerste kam beispielsweise aus Oehna in Teltow-Fläming. Nun will Höhne nach und nach viele Zutaten selbst anbauen.

Den Anfang machte in diesem Jahr die Braugerste. Die 3,5 Hektar Niemegker Boden haben elf Tonnen Getreide gegeben. „Einige Fachleute hatten bis zu 30 Tonnen prognostiziert“, sagt Bodo Höhne. Doch auch die geringere Menge will erst einmal fachgerecht verarbeitet werden. „Bierbrauen ist ein hochkomplexer Vorgang“, betont Höhne. Ein guter Teil der Arbeit ist bereits geschehen.

So wurde die Gerste Ende Juli geerntet. Anschließend kam das Getreide zur nächstgelegenen Mälzerei nach Landsberg in Sachsen-Anhalt. In 50-Kilo-Säcken holte Bodo Höhne mit seinen Mitarbeitern das Malz dort ab und brachte es zur Brauerei. Dabei stellte es sich als kompliziert heraus, eine geeignete Brauerei für die Menge zu finden. „Wir haben zu wenig Malz für die großen Brauereien und zu viel für die kleinen. Mittlere Brauereien gibt es aber so gut wie gar nicht mehr“, berichtet der Niemegker. In der Brauerei in Landsberg dann wurde Höhnes Malz bereits zu 80 Hektoliter Bier verarbeiten. Als Teil des Brauprozesses ist derzeit Ruhe für das Getränk angesagt.

Viel Hitze beim Brauen

Beim Bierbrauen werden die Zutaten miteinander vermischt, teilweise thermisch behandelt und durch Enzyme chemisch verändert.

Dabei passiert Folgendes: Aus Getreide – vorwiegend Gerste – wird Malz hergestellt und dieses wird geschrotet.

Der eigentliche Brauprozess beginnt mit dem Maischen. Dabei wird Wasser auf etwa 40 Grad erwärmt und das geschrotete Malz hinzugefügt. Die so entstandene Maische wird unter ständigem Rühren erhitzt, je nach Verfahren bis 53 Grad – der Eiweißrast.

Danach wird bei etwa 60 bis 63 Grad und bei 70 bis 73 Grad inkubiert: Dabei setzen Enzyme des Malzes die Malzstärke in Malzzucker um.

Daraufhin wird die Maische im „Läuterbottich“ geläutert: Der Malztreber wird von der Würze getrennt. Durch Nachgüsse mit heißem Wasser wird die Würze aus dem Treber gespült und, als Vorderwürze, anschließend in der Kochpfanne mit Hopfen gekocht. Dieser Sud wird aus der Würzepfanne in einen Whirlpool oder durch einen Filter gepumpt, um das geronnene Eiweiß und andere Schwebstoffe von der Ausschlagwürze zu trennen.

Zuletzt wird die Flüssigkeit in einem Kühler auf die optimale Gärtemperatur abgekühlt und je nach Biersorte wird eine Kultur der passenden Hefe zugesetzt.

Nach der Hauptgärung, die etwa eine Woche dauert, muss das Jungbier noch etwa vier bis sechs Wochen nachgären und lagern.

Beim Niemegker Oktoberfest am kommenden Wochenende wird es das Bier allerdings noch nicht geben. Erst im kommenden Frühjahr soll das Fläminger Pils im familieneigenen Getränkehandel geben.

Auf die Idee zu diesem Experiment mit eigenen Bierzutaten war Bodo Höhne schon vor einiger Zeit gekommen. Wie berichtet, hatte er vor zwei Jahren damit begonnen, Wein anzubauen. „Da war das Thema Bier nicht weit weg“, erzählt Ehefrau Astrid Höhne. „Zumal Niemegk ja eine sehr lange und reiche Bierbrautradition hat.“ Der Wein hat den vergangenen Winter allerdings nicht überlebt.

Doch neue Pflanzen stehen bereits. „Wir experimentieren viel und lernen immer dazu“, sagt Astrid Höhne. So auch bei der Braugerste. Die 800 Hektoliter ergeben rund 200 Paletten Bier. Zu wenig, um den Jahresbedarf zu decken. „Nächstes Jahr wollen wir mehr anbauen“, sagt Bodo Höhne. Schon in den kommenden ein bis zwei Jahren soll dann der eigene Hopfen folgen. Der Niemegker Boden sei gut für diese sensible Pflanze geeignet, wurde Bodo Höhne versichert.

Und auch sonst hat sich einiges beim umtriebigen Getränkehändler getan. Neue Produkte sollen zum Lutherjahr 2017 kommen. Die Exporte seiner Brause erstrecken sich bereits bis Bayern und nun gebe es gar erste Anfragen aus den USA. „Wir sind gerade dabei, einen Vertriebspartner für Übersee zu finden. Details kann ich aber erst verraten, wenn alles in trockenen Tüchern ist“, berichtet Bodo Höhne.

Vielleicht werden seine Söhne in den USA dann ja kleine Stars. Sie sind auf den Etiketten der Brauseflaschen zu sehen und damit so etwas wie das Gesicht der roten und grünen Brause aus dem Fläming.

Von Stefan Specht

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