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Flüchtlinge sollen in Michendorfer Hotel ziehen

Hotel-Betreiber fühlt sich übergangen Flüchtlinge sollen in Michendorfer Hotel ziehen

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark will im Michendorfer Sensconvent-Hotel in den kommenden Wochen eine Flüchtlingsunterkunft einrichten. Bis zu 250 Asylsuchende sollen dort einziehen. Einen entsprechenden Vertrag schloss der Kreis mit dem Immobilien-Eigentümer ab. Doch der jetzige Hotel-Betreiber ist nach eigenen Angaben dabei übergangen worden.

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Trotz laufenden Betriebs soll das Sensconvent-Hotel nun für viereinhalb Jahre eine Flüchtlingsunterkunft werden.

Quelle: Christel Köster

Michendorf. Wirrwarr um eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Michendorf. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark will im Sensconvent-Hotel in der Potsdamer Straße Flüchtlinge einquartieren, der derzeitige Hotel-Betreiber aber wusste nach eigenen Angaben bis jetzt nichts über die Pläne und fühlt sich übergangen. Wie Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert am Montagnachmittag mitteilte, sollen in dem Michendorfer Hotel bis zu 250 Asylbewerber untergebracht werden. Ein entsprechender Vertrag sei mit dem Eigentümer der Immobilie abgeschlossen worden. Doch den derzeitigen Hotel-Betreiber hat der Eigentümer offenbar nicht informiert. „Wir sind übergangen worden. Ich höre das erste Mal davon“, sagte Karsten Dreger, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, der ­Sensconvent-Hotel Michendorf GmbH. Sie hatte das Hotel im April 2012 nach Jahren des Leerstandes wieder eröffnet. „Man kann über eine Immobilie erst fest verfügen, wenn die Rechtsgrundlagen geklärt sind. Die sind aber nicht geklärt“, sagte Dreger, der hinzufügte: „Das ist fast schon Wild-West-Manier.“ Bisher liege keine Kündigung des Mietvertrags vor, gegen die er zudem rechtlich vorgehen würde.

„Für uns ist entscheidend, dass wir einen Vertrag mit der Firma haben, die nach unseren Informationen Eigentümerin des Hotels ist. Das Innenverhältnis zwischen den anderen Beteiligten kann und muss der Kreis auch nicht kennen“, sagte Schwinzert. Mit dem Angebot sei das Unternehmen, das die Immobilie besitzt, auf den Landkreis zugekommen. Nach Kreisangaben soll es die Firma „Benini Intermediation & Consulting“ gewesen sein. Firmeninhaber Carlo G. C. Benini widerspricht: „Wir sind nicht Eigentümer des Hotels, wir waren nur Berater in den Verhandlungen zwischen Kreis und Eigentümer.“ Letzteres soll die Objektgesellschaft Brandenburg 1 mbH mit Sitz in Köln sein. Zwischen ihr und dem Kreis wurde laut Benini der Vertrag abgeschlossen.

Er hat eine Laufzeit von viereinhalb Jahren. Das gesamte Hotel soll als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Es hat 125 Zimmer. Einen genauen Zeitpunkt für den Einzug der ersten Flüchtlinge gebe es noch nicht, so Schwinzert. „Wir hoffen, dass sich die Michendorfer in dieser neuen Situation so herzlich um die Asylsuchenden bemühen, wie es bereits im Sommer der Fall war.“ Seinerzeit hatte der Landkreis vorübergehend eine Notunterkunft in der Sporthalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums eingerichtet. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres Ende August 2015 zogen die Turnhallen-Insassen nach Brück in sogenannte Low-Cost-Häuser um.

Flüchtlinge im Kreis Potsdam-Mittelmark

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark muss im Land Brandenburg die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Derzeit rechnet der Kreis für 2015 noch mit gut 2000 Asylbewerbern, es könnten am Ende aber auch 2500 werden.

In die erst frisch eingerichteten Wohncontaine r am Neuseddiner Breitenbachplatz sind am Freitag die ersten zehn Flüchtlinge eingezogen, am Montag sind drei Familien angekommen, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. In Neuseddin sollen bis zu 175 Asylsuchende für ein Jahr eine Bleibe in den Wohncontainern finden und danach am gleichen Standort in das ehemalige Ambulatorium umziehen, das derzeit saniert wird.

Flüchtlingsheime hat der Kreis zudem in Bad Belzig, Schäpe, Beelitz-Heilstätten, Brück und Götz sowie jeweils zwei in Teltow und Stahnsdorf eingerichtet.

Es gibt zudem zwei nur vorübergehend nutzbare Notunterkünfte in Hohenspringe und Kuhlowitz. Mit einer früheren Berufsschule in der Teltower Warthestraße soll in den nächsten Tagen eine weitere Notunterkunft bezogen werden.

Die nun geplante Einquartierung von bis zu 250 Flüchtlingen im Sensconvent-Hotel bezeichnete Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) als große Herausforderung für die Gemeinde. „Wir hoffen, dass wir sie stemmen können und arbeiten intensiv daran, die nötige Infrastruktur zu schaffen“, sagte er. Es geht dabei zum Beispiel um die Schaffung von Willkommensklassen und von Eltern-Kind-Gruppen. Mirbach geht bei der hohen Anzahl von Flüchtlingen davon aus, dass auch viele Kinder dabei sein werden. In den Kitas und Schulen der Gemeinde gebe es derzeit aber keine freien Kapazitäten. „Wenn alle Klassen voll sind und es kommen Kinder hinzu, wird es schwierig“, sagte er. Und: „Ich hoffe, dass mit den neuen Plänen zur Flüchtlingsunterbringung das Vorhaben, an der Rettungswache Leichtbauhallen für Asylbewerber aufzustellen, zurückgestellt wird.“ Der Kreis prüft noch, ob dies an dem Standort möglich ist. Die Flächen an der Rettungswache, die der Kreis vor Monaten in Michendorf neu eröffnet hatte, befinden sich im Landschaftsschutzgebiet (LSG). Um Leichtbauhallen aufstellen zu können, müsste das Areal aus dem LSG ausgegliedert werden.

 

Von Jens Steglich

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