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Flüchtlingsinitiative hat noch viel vor

Brück Flüchtlingsinitiative hat noch viel vor

Seit zwei Jahren gibt es die inzwischen schon preisgekrönte Flüchtlingsinitiative „Brück hilft!“. Gleichwohl registriert Koordinatorin Kathrin Piske häufig genug noch Berührungsängste. Deshalb sucht sie noch mehr Mitstreiter und einige Angebote werden ausdrücklich auch für Einheimische unterbreitet.

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Kathrin Piske

Quelle: Andreas Trunschke

Brück. Kathrin Piske kümmert sich um die Koordination der Flüchtlingsarbeit im Amt und ist von Anfang an bei „Brück hilft“ dabei“. Die Initiative wurde vor fast zwei Jahren gegründet.

Was hat „Brück hilft“ bisher erreicht?

Wir haben zum Beispiel beim Erlernen unserer Sprache, bei Behörden- und Arztterminen, bei Arbeits- und Wohnungssuche, bei Begegnungen mit Einheimischen geholfen. Außerdem bei ganz praktischen Dingen wie Mobilität und Kleidung. Die Integration ist zwar längst nicht geschafft. Große Konflikte sind in unserer Stadt indes ausgeblieben.

In den Nachrichten kommen die Asylbewerber nur noch gelegentlich vor. Hat sich die Arbeit von „Brück hilft“ erübrigt?

Keinesfalls. Berührungsängste gibt es nach wie vor. Vor allem reichen die staatlichen Institutionen allein nicht aus, um die Integration erfolgreich zu gestalten. Wie sehr „Brück hilft“ noch gebraucht wird, sieht man an dem, was wir machen.

Haben Sie dafür Beispiele?

Die schon genannten Hilfen gibt es ja noch immer. Darüber hinaus spielen und basteln Vera Kollinger und einige andere mit den Kindern. Silke Sapper bringt Mädchen und Frauen das Fahrradfahren bei. Sie lernen in den nächsten sechs Monaten außerdem die wichtigsten Verkehrsregeln und kleinere Reparaturen selbst zu erledigen. Karin Luther und Ruth Zeidler begleiten die Flüchtlinge zu Veranstaltungen in Borkwalde und Borkheide. Alex Schröder hat eine Laufgruppe ins Leben gerufen, die bei der Preußenmeile in Potsdam Ende Juni mit neun Teilnehmern aus fünf Nationen erstmals an den Start ging. Für den nächsten Start suchen wir noch Läuferinnen.

Gesucht werden auch Lese-Omis und -Opis?

Ja, unbedingt, wobei uns jüngere Menschen genauso als Lesepaten willkommen sind. Das Erlernen der Sprache reicht nicht. Wir müssen unseren neuen Mitbürgern auch unsere kulturelle Basis erschließen. Für uns alle sind Hänsel und Gretel, Rotkäppchen und Dornröschen selbstverständlich. Für Menschen aus anderen Kulturkreisen das nur leere Namenshüllen. Das Vorlesen von Märchen und anderen Kindergeschichten hilft daher nicht nur beim Verstehen der Sprache.

Wie gut können denn die Flüchtlinge inzwischen deutsch verstehen und sprechen?

Viele Kindern und mancher Erwachsene können das schon ziemlich gut. Bei manchen wird es dauern. Wenn ich an meine Russischkenntnisse denke, dann verstehe ich das. Bei einigen wenigen Erwachsenen würde ich mir aber auch mehr Engagement wünschen.

Fühl sich „Brück hilft“ eher alleingelassen oder anerkannt?

Ich denke, das Amt Brück weiß , was es an uns hat. Wir übernehmen auch Aufgaben, die eigentlich der Staat und seine Institutionen übernehmen müssten wie zum Beispiel Hilfe bei der Jobsuche oder Fahrten zum Arzt. Insgesamt sind wir aber zufrieden. „Brück hilft“ wird finanziell gefördert und wurde mehrfach ausgezeichnet. Erst kürzlich hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für ein Jahr die Miete für unsere Werkstatt und den Einbau einer Toilette mit der höchstmöglichen Summe gefördert.

Gelegentlich war zu lesen, dass „Brück hilft“ nicht nur Flüchtlingen helfen will, sondern auch Brückern. Was ist da dran?

Hauptsächlich konzentrieren wir uns auf die Flüchtlinge. Aber unsere Werkstatt steht allen offen. Auch unser neuestes Projekt richtet sich an Flüchtlinge und Einheimische. Musikpädagogin Anke Bolz und ihr iranischer Kollege Esmail Saedi laden ein, einmal in der Woche gemeinsam zu musizieren. Mittwoch, 17 Uhr, ist letzter Treff vor der Pause.

Ihre Mitstreiter haben viel Freizeit für die Neu-Brücker geopfert. Kommt etwas zurück?

Wir tun das ja auch für uns. Außerdem haben viele von uns persönliche Beziehungen aufgebaut und Freundschaften geschlossen. Ich denke auch an Spielenachmittage von Rentnern und jungen Flüchtlingen, die leider ausgelaufen sind.


Von Andreas Trunschk

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