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Flüchtlingskinder lernen in Treuenbrietzen

Willkommensklasse am Start Flüchtlingskinder lernen in Treuenbrietzen

Am Montag ging an der Albert-Schweitzer-Grundschule Treuenbrietzen die erste „Willkommensklasse“ für Flüchtlingskinder der Region mit einer kleinen Feier an den Start. Eine weitere könnte in Wiesenburg folgen. In Bad Belzig und weiteren Schulen im Landkreis gibt es bereits gute Erfahrungen mit der Integration der zumeist hoch motivierten neuen Schüler.

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Gabriele Lucia Stark (li.) und Carmen Hennige-Schulz begrüßten am Montag die Willkommensklasse in Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Vier Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres gab es in der Albert-Schweitzer-Grundschule Treuenbrietzen am Montagmorgen wieder große Zuckertüten. Gepackt und verteilt worden waren sie von Gabriele Lucia Stark. Die Pädagogin begrüßte mit der bunten Überraschung einige ihrer 15 neuen Schüler aus Albanien, Tschetschenien und weiteren Ländern. Diese Kinder von Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien, die aktuell im Brücker Übergangswohnheim einquartiert sind, lernen ab sofort in einer speziellen Willkommensklasse. Weil in der Brücker Grundschule Platzmangel herrscht, nahmen die Treuenbrietzener die Kinder auf.

„Auch für uns ist das alles noch komplettes Neuland“, sagt Schulleiter Kersten Höhne. Insgesamt erwartet er bis zu 23 Schüler aus dem Brücker Wohnheim. Der Schulleiter hat im Kollegium sowie auch in den Elterngremien „allgemein große Offenheit und Hilfsbereitschaft“ zu dem Projekt registriert. Die Bildungsstätte habe als Pilotschule zum Thema Inklusion bereits ähnliche neue Herausforderungen gemeistert und will diese Erfahrungen nun mit nutzen.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Zunächst gehe es darum, den Kindern unterschiedlichen Alters die deutsche Sprache zu vermitteln. Das erfolge zunächst spielerisch. „Wir unterrichten aber Mathe und alles andere sofort nur in deutscher Sprache“, erklärt Gabriele Lucia Stark das Konzept. Ziel der Willkommensklassen ist es, die Jungen und Mädchen schnellstmöglich — je nach Leistungsstand — in Regelklassen zu integrieren. „Das kann schon nach einem halben Jahr gelingen, oder auch länger dauern“, sagt Kersten Höhne. „Die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zu uns“, weiß ihre Lehrerin. Sie hat bereits in einer Willkommensklasse in Stahnsdorf hospitiert und ist auch privat in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Daher habe sich die ausgebildete Musikpädagogin sehr gezielt auf die vom Staatlichen Schulamt neu eingerichtete Stelle in Treuenbrietzen beworben. Ihr zur Seite steht Carmen Hennige-Schulz. Die freiberufliche Nachhilfelehrerin ist vom Landkreis Potsdam-Mittelmark für das im Fläming erste Projekt dieser Art engagiert worden. Auch für Schulsozialarbeiterin Diana Bölke konnten aus Kontingenten zur Flüchtlingshilfe zusätzliche Einsatzstunden finanziert werden, erzählt der Schulleiter.

Anspruch auf schulische Förderung

Der umgangssprachliche Begriff „Willkommensklassen“ steht für die Beschulung von Kindern aus Asylbewerber- und Flüchtlingsfamilien. In den Schulen gibt es Willkommensklassen ebenso wie Gruppen oder Teilungsstunden in der Regelklasse, je nach individuellem Bedarf der Kinder und Jugendlichen.

Einzugliedernde Schüler haben Anspruch auf schulische Förderung. Die Förderung ist in der Regel auf zwei bis drei Jahre begrenzt., teilt Antje Grabley vom Bildungsministerium mit.

Mit Stichtag 1. September gab es im Schuljahr 2015/16 landesweit 4278 einzugliedernde Kinder und Jugendliche, davon 291 im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

In den allermeisten Fällen handelt es sich nach Ministeriumsangaben um jüngere Kinder, die überwiegend die Grundschulen und dort insbesondere die 1. und 2. Klassen besuchen.

Steigen die Schülerzahlen – zum Beispiel durch Flüchtlingskinder – erhalten die Schulen zusätzliche Lehrerstunden.

Zum ersten Schultag in der Wahlheimat haben am Montag auch einige Eltern ihre Kinder begleitet, um die neue Umgebung zu erkunden. „Das ist ein großer Tag für uns“, sagt Artan Agolli. Er begleitete seinen achtjährigen Sohn Mathew. Daheim in Albanien hatte er die dritte Klasse besucht. „Wir sind mit meiner Frau und unseren zwei Kindern seit vier Monaten in Deutschland“, erzählt der Familienvater. Seine zwölfjährige Tochter besucht bereits die Brücker Schule.

Artan Agolli     begleitete seinen achtjährigen Sohn Mathew zum ersten Schultag in neuer Umgebung

Artan Agolli begleitete seinen achtjährigen Sohn Mathew zum ersten Schultag in neuer Umgebung.

Quelle: Thomas Wachs

Gute Erfahrungen mit Willkommensklassen und der Integration von Flüchtlingskindern gibt es im Landkreis Potsdam-Mittelmark bereits in Bad Belzig, Teltow und Stahnsdorf, berichtet Heike Noll. „Die Kinder sind zumeist stark motiviert, sie wollen einfach lernen und saugen alles förmlich auf“, erzählt die für Grundschulen der Region zuständige Schulrätin des staatlichen Schulamtes in Brandenburg an der Havel. Das zeige sich auch nach den ersten Monaten der Integration von Kindern aus dem dortigen Wohnheim in der Bad Belziger Grundschule.

Mit der weiter wachsenden Zahl von Asylbewerbern, die Potsdam-Mittelmark zu bewältigen hat, steige auch der Bedarf für Willkommensklassen im Fläming. Vorbereitende Gespräche gab es bereits in der Wiesenburger Grundschule, bestätigt Heike Noll. An den weiterführenden Schulen der Region gelinge die Integration der Zuzügler aus diversen Ländern bislang noch direkt in Regelklassen, erzählt die Schulrätin.

Manche haben noch nie eine Schule besucht

„Freilich gibt es auch Einzelfälle, wo Kinder und auch Jugendliche zu uns kommen, die noch nie zuvor eine Schule besucht hatten und Analphabeten sind“, sagt Heike Noll. „Für sie müssen dann gesonderte Projekte greifen, die Experten noch erarbeiten müssen“, erklärt die Schulrätin. Um den zusätzlichen Bedarf an Lehrern und Betreuern zu decken, reaktiviert das Schulamt derzeit unter anderem auch Lehrer, „die gerade in den Ruhestand gegangen sind und sich vorstellen können, für das Integrationsprojekt mitzuwirken“, so Noll.

Finanziert werden Hilfsangebote auch über das schon vor Jahren von der Bundesregierung aufgelegte Bildungs- und Teilhabepaket. Es hilft allgemein Kindern und Jugendliche aus sozial schwachen Familien unter anderem bei der Kostenübernahme für Ausflüge und Klassenfahrten, persönlichen Schulbedarf sowie außerschulische Lernförderung und Mittagsverpflegung.

Von Thomas Wachs

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