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Potsdam-Mittelmark Förderkreis will Kirchturmhaube wieder aufsetzen
Lokales Potsdam-Mittelmark Förderkreis will Kirchturmhaube wieder aufsetzen
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15:15 21.02.2018
Blick von der Empore der Radeweger Kirche: Das Innere wirkt aufgrund seiner Ausmalung und bunten Fenster sehr warm.   Quelle: Christine Lummert
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Radewege

 Da stimmt was nicht an der Radeweger Kirche. Der zufällige Besucher wundert sich über den relativ mächtigen Bau mit stattlichem Turm, zu dem das kümmerliche Dach auf dessen Spitze so gar nicht passen will. Der Eindruck täuscht nicht und hinter dem Tor zum Kirchhof steht die Antwort in Form eines Modells. Eine sogenannte Schweifhaube ist in kleinem Maßstab zu sehen, genau wie sie einst auf der im spätgotischen Stil erbauten Kirche thronte. Dafür setzt sich der „Kirchdach Förderkreis der Dorfkirche Radewege“ ein.

Um 1400 wird die Hauptbauphase für den dreijochigen Saalbau vermutet, an dessen Westseite der Turm in das Kirchenschiff eingebunden ist. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang zum urkundlich für das Jahr 1409 belegten Erwerb des Dorfes durch die Brandenburger Altstadt, die mit den zu leistenden Abgaben der Radeweger Einwohner die Stadtkasse auffüllte. Zugleich war mit diesem Recht auch das Patronat über die Dorfkirche auf die Altstadt übergegangen und damit ebenso die Pflicht sich um die Bauerhaltung zu kümmern.

Die Kirche in der Radeweger Ortsmitte. Quelle: Christine Lummert

Schon seit dieser Zeit war der Pfarrer der Brandenburger St. Gotthardtkirche für die Seelsorge in Radewege zuständig. Zusammen mit Brielow gehörte Radewege als eine Filialkirchengemeinde bis 1897 St. Gotthardt an. Dann bekamen die beiden Orte am Beetzsee eine eigene Pfarrstelle zugesprochen, die ihren Sitz in Brielow hatte.

Schon kurz zuvor, im Jahr 1895 fanden in der Dorfkirche umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt, die das Bild des Gotteshauses, vor allem im Innenraum und in der Ausstattung heute noch prägen. So wurde zum Beispiel das Portal auf der Westseite eingefügt und eine zeitgenössische Ausmalung des Kircheninneren, angelehnt an mittelalterliche Vorstellungen, in Auftrag gegeben. Eine neue Orgel wurde gebaut, das gesamte Gestühl erneuert und ein steinerner Altar errichtet. Wirtschaftlich ging es den großen Bauern und Ziegeleibesitzern in Radewege während dieser Ära der Gründerzeit so gut, dass sie es sich leisten konnten, verschiedene Ausstattungsgegenstände für die Kirche zu stiften.

Kontakt und Ansprechpartner

Der Förderkreis „Kirchdach e.V.“ sitzt in der Dorfstraße 1 in 14778 Beetzsee, OT Radewege. Er ist erreichbar unter 033836/40422 und Kirchdach@web.de

Wer für die Besichtigung den Schlüssel organisieren möchte, setzt sich mit Gerald Tauber unter 033836/20614 in Verbindung.

Die Gebrüder Karl und Adolf Jordan gaben eine neue Taufe in Auftrag, der Messing-Kronleuchter, der noch heute zu besonderen Anlässen erstrahlt, wurde von Albert Hauser gestiftet. Die besonders augenfälligen farbigen Chorfenster hinter dem Altar, in denen eine segnende Christus-Figur von den Aposteln Petrus und Paulus flankiert wird, wurden vom Ziegeleibesitzer Julius Karl Michaelis der Kirche zum Schmuck übergeben.

Diese Tradition wurde in den vergangenen Jahren von Mitgliedern des Kirchdach-Förderkreises wiederaufgenommen. So gesellen sich jetzt auf dem Altar zu den beiden Messingleuchtern von Bauer Wilhelm Hauser aus dem Jahr 1895, die zwei Leuchter im barocken Stil, die Vereinsmitglied Steffen Wilkening gestiftet hat.

Gerald Tauber (links), Gerda Arndt und Jürgen Pinnig aus dem Vorstand des Radeweger Förderkreises Kirchdach Quelle: Christine Lummert

An den Menschen, die jetzt rund um den Radeweger Kirchturm zu Hause sind, liegt es nun sich um ihr Gotteshaus zu kümmern. Der im Jahr 2000 gegründete Förderkreis hat hier schon viele wichtige Schritte gemacht. „Unser erstes Projekt war der Einbau einer Metallgittertür zur besseren Belüftung des Innenraums, unter anderem wegen der Orgel“, erinnert sich Vorstandsmitglied Jürgen Pinnig zurück.

Einmal angefangen, ging es stetig weiter und das war auch dringend nötig. Im Jahr 2002 mussten die beiden historischen Glocken stumm bleiben, weil die Eichenjoche der Aufhängung dringend Erneuerung brauchten. Die Radeweger Bronzeglocken begleiten das Leben im Dorf schon über Jahrhunderte. Die größere, 450 Kilo schwere Glocke wurde 1587 in einer Gießerei in Havelberg hergestellt. Die Kleinere, sie wiegt 250 Kilo, ist älter.

Auf der 1462 entstandenen Glocke sind in Latein die ersten Worte des Ave Maria verzeichnet. Zusammen mit der Replik der Madonnenfigur mit Kind über der Sakramentnische hinter Kanzel – das restaurierte Original ist im Brandenburger Dommuseum zu sehen – deutet vieles darauf hin, dass die Radeweger Kirche vor der Reformation der Jungfrau Maria geweiht war. 9000 Euro wurden investiert und dabei gleich eine Läuteautomatik eingebaut.

Das Modell der Schweifhaube, die einst den Turm der Radeweger Kirche schmückte und wieder schmücken soll. Quelle: Christine Lummert

Nach der Restaurierung der Orgel wurde der Kirchhof verschönert, bevor es an einen richtig dicken Brocken ging. Das Dach sollte neu gedeckt und die tragende Balkenkonstruktion saniert werden. „Zuerst haben wir Helfer zusammengetrommelt und Unmengen von Schutt vom Dachboden der Kirche räumen müssen“, erklärt Pinnig. Ein großer Teil hatte sich nach dem Blitzeinschlag in den Turm im Jahr 1973 angehäuft. Die jetzt noch viel geliebte alte Schweifhaube ist dabei im Zuge der Löscharbeiten abgebrochen worden und der Schutt ist einfach oben im Dachgestühl liegen geblieben.

Der Einsatz hat eine der Grundlagen zur erfolgreichen Sanierung geschaffen. Parallel zur handfesten Betätigung waren es natürlich die vielen vom Förderkreis organisierten Veranstaltungen, die einen Teil des Geldes für die anstehenden Arbeiten einbrachten. Etwa 40000 Euro aus verschiedenen Quellen kamen zusammen und jetzt ist das Dach wieder in Schuss. Sogar eine neue Turmuhr zeigt den Dorfbewohnern dank des Engagements der Förderkreis-Mitgleider wieder an, was die Stunde geschlagen hat. Nur eines fehlt immer noch und bleibt weiter im Fokus der Radeweger Kirchenfreunde. Die Schweifhaube soll in Zukunft dem Gotteshaus wieder die alte Silhouette verleihen und weithin rund um den Beetzsee sichtbar sein.

Von Christine Lummert

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