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Forellenanlage muss evakuiert werden

Treuenbrietzen Forellenanlage muss evakuiert werden

Weil der Nieplitzdamm zu brechen droht, wird die Fischzucht in Treuenbrietzen evakuiert. Mehrere Tonnen Forellen siedelt Betreiber Michael Müller seit Donnerstag um. Nächste Woche läuft seine Frist ab. Denn die Sicherheit der Anwohner in der Steinmühlenstraße geht vor. Ob Müller jemals an den Standort zurückkehrt, ist ungewiss.

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Mitarbeiter der Fischzucht bringen die Forellen mit einem Transporter von Treuenbrietzen nach Niemegk.

Quelle: Victoria Barnack

Treuenbrietzen. An Tag 8 nach Sturm Xavier ist die Lage am Nieplitzdamm weiterhin dramatisch. Der 600 Jahre alte Wall droht zu brechen. Um die umliegenden Grundstücke vor Hochwasser zu schützen, drängt die Stadt Treuenbrietzen auf einen Bescheid der Wasserbehörde des Kreises. Wenn das Wasser, das normalerweise den Damm entlang fließt, umgeleitet wird, bedeutet das wohl das Aus für die Forellenzuchtanlage in der Steinmühlenstraße. „Für mich steht meine Existenz auf dem Spiel“, sagt Michael Müller, der die Anlage mit Frischwasser aus dem Nieplitzdamm seit 22 Jahren betreibt.

Während des Sturms am Donnerstag vor einer Woche rissen entwurzelte Bäume riesige Löcher, in den von Mönchen errichteten Damm. Die Feuerwehr und der Katastrophenschutz flickten den Damm zunächst. „Die Situation hat sich nach unseren Eingriffen allerdings nicht verbessert“, erklärt Treuenbrietzens Bauamtsleiter Christoph Höhne. Durch die Maßnahmen sei der Damm sogar noch poröser geworden. Am Mittwoch fand ein Vor-Ort-Termin statt, an dem neben Müller und Höhne auch die untere Wasserbehörde des Landkreises teilnahm. Das Fazit: Die Gefahr für die Anwohner ist weiterhin hoch.

10 Tonnen Forellen schwimmen normalerweise in der Anlage, die mit Frischwasser vom Nieplitzdamm gespeist wird

10 Tonnen Forellen schwimmen normalerweise in der Anlage, die mit Frischwasser vom Nieplitzdamm gespeist wird.

Quelle: Victoria Barnack

„Wir haben dem Betreiber der Forellenzuchtanlage deshalb eine Frist unterbreitet, um so viele Fische wie möglich rauszuholen“, erklärt Höhne, während Michael Müller bereits seit mehreren Tagen einen Notbetrieb fahren muss. Denn schon vor dem Termin am Mittwoch wurden erhebliche Wassermengen umgeleitet. „Nur die Hälfte der Wassermenge, die ich normalerweise bekomme, erreicht meine Anlage“, erklärt der Betreiber.

Am Donnerstag fuhr bei Müller deshalb der erste Fischtransport vom Hof. Zehn Tonnen Forellen schwimmen in seinen Becken üblicherweise. Nur ein Viertel davon soll nach dem Ablauf der Frist noch in Treuenbrietzen sein, der Rest kommt in eine andere Anlage nach Niemegk-Werdermühle.

Die Stadt bietet dem Unternehmer nun ein Notprogramm an. Bei einem Dammbruch könnte sie Wasser von einem nahen Graben in die Forellenzuchtanlage pumpen lassen. „Eine Lösung von Dauer ist das allerdings nicht“, sagt Müller vor allem wegen der damit verbundenen finanziellen Belastung. Er ist zwar dankbar für die Bemühungen der Stadt, „aber ich sehe nicht einmal eine 50-prozentige Chance, dass ich mit der Anlage hier bleiben kann“, sagt er. Die technische Machbarkeit und die Finanzierung seien dabei die „Knackpunkte“.

Aus diesem Graben könnte im Notfall Wasser in die Forellenzuchtanlage gepumpt werden

Aus diesem Graben könnte im Notfall Wasser in die Forellenzuchtanlage gepumpt werden.

Quelle: Victoria Barnack

Müllers Kunden schätzen seine Forellen vor allem für die preisgünstige aber hohe Qualität aus regionaler Erzeugung. Das Alternativangebot der Stadt, in Treuenbrietzen einen Fischgeschäft zu eröffnen, kommt für Müller deshalb nicht infrage. „Toten Fisch kriegen die Leute überall“, sagt er, „zu mir kommen sie, weil der Fisch frisch ist.“

Die Anlage am Nieplitzdamm gehört zur Binnenfischerei Potsdam mit Sitz in Niemegk, die Müller gemeinsam mit einem Partner führt. Die selbst gezüchteten Forellen, teilweise in exotischen Arten, werden vom Standort in der Steinmühlenstraße auf die anderen vier Anlagen des Betriebs verteilt. Mit der Zukunft der Satzfischproduktion am Nieplitzdamm entscheidet sich also auch die Zukunft der gesamten Binnenfischerei.

Um sie zu sichern, will Müller in den nächsten Tagen ein Sanierungskonzept mit dem Fischerei-Institut in Potsdam erarbeiten. Darin sollen die Grundlagen für den Weiterbetrieb des Standortes erörtert und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. „Was dabei rauskommt und wie lange das dauert? Keine Ahnung“, sagt Müller, der den Betrieb mit sechs Standorten seit 37 Jahren erfolgreich leitet, „so etwas habe auch ich noch nie gemacht.“

Von Victoria Barnack

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