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Forsteigentümer warten auf ihr Geld

Waldumbau-Förderung Forsteigentümer warten auf ihr Geld

Private Waldbesitzer sind für den ökologischen Waldumbau auf ihren Flächen in Vorkasse gegangen. Viele der Forsteigentümer vor allem im Landkreis Potsdam-Mittelmark haben vom vereinbarten Förderzuschuss für 2016 indes noch keinen Cent gesehen. „Waldbesitzer werden hier zum Spielball behördlicher Willkür“, sagt der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt.

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Der Waldumbau ist mitunter sogar Bestandteil von Schulprojekten: Hier pflanzen zwei Schülerinnen junge Buchen in einem märkischen Kiefernwald.
 

Quelle: ZB

Mittelmark.  Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) verkündete im Dezember vergangenen Jahres noch stolz, dass 2016 für den ökologischen Waldumbau in Brandenburg 7,5 Millionen Euro Fördermittel für Waldbesitzer bewilligt wurden. Mit dem Geld sollen private Waldbesitzer mit ins Boot geholt werden für das große Projekt, Kiefer-Monokulturen in ökologisch stabilere Mischwälder zu verwandeln. Doch viele Waldbesitzer vor allem im Landkreis Potsdam-Mittelmark haben von den bewilligten Fördermillionen bis heute keinen Cent gesehen. Dabei hielten sie sich an alle Regeln und Vorgaben und finanzierten den Waldumbau auf ihren Forstflächen aus eigener Tasche vor.

Einen Strich durch die Rechnung macht die neue Forderung aus einer EU-Richtlinie, wonach für geförderte Wälder kein sogenannter Eigenjagdbezirk (siehe Info-Kasten) vorhanden sein darf und dieser Umstand auch nachzuweisen ist. Letzteres ist das Problem. Es reicht eben nicht die Erklärung der Waldbesitzer, keinen Eigenjagdbezirk zu haben. Die Bewilligungsbehörde schaltet zusätzlich die Unteren Jagdbehörden ein, um das zu überprüfen. Doch nicht alle spielen mit. Die Untere Jagdbehörde Potsdam-Mittelmarks sieht bei der Bereitstellung der Angaben über private Waldbesitzer ein Datenschutzproblem. „Wir sind gar nicht Dateneigner. Das wären hier zum Beispiel die Jagdgenossenschaften“, hieß es am Donnerstag in der mittelmärkischen Jagdbehörde. Von dort gingen deshalb keine Nachweise über Eigenjagdbezirke heraus. Stattdessen geht die Empfehlung ans Land, das Verfahren zu ändern und die Jagdgenossenschaften einzubeziehen.

Die Hängepartie sorgt unter Waldbesitzern und Förstern für Unruhe. Karl Tempel, dem ein Wald zwischen Fichtenwalde und Borkwalde gehört, regt vor allem auf, „dass hier mitten in einem laufenden Spiel plötzlich die Regeln geändert wurden“. Verabredet war: „Ich gehe in Vorkasse, muss die Finanzierung des Waldumbaus belegen und bekomme dann den Förderzuschuss.“ 3,7 Hektar Kiefernwald baute Tempel in einen Mischwald um, zahlte dafür 11 000 Euro und hängt nun in der Luft, weil der einkalkulierte Zuschuss nicht zurückgeflossen ist. „So teilt man seiner Familie mit: Die Weihnachtsgeschenke müssen dieses Jahr ausfallen, weil ich ökologischen Waldumbau gemacht habe“, sagt er und fügt dem ironischen Unterton einen ernsten hinzu: „Das zerstört Vertrauen in die Behörden und es trifft vor allem die kleinen Waldbesitzer.“ Für sie „ist es eine mittlere Katastrophe“, für Monate auf den Kosten sitzen zu bleiben. Dabei sei bei Besitzern kleiner Wälder eine Eigenjagd ohnehin nicht möglich. Die Einrichtung eines Eigenjagdbezirks ist auf Antrag erst ab einer Waldgröße von 75 Hektar möglich.

„Waldbesitzer und Waldumbau werden hier zum Spielball behördlicher Bürokratie“, sagt der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt. Der Waldumbau sei ein gesamtgesellschaftliches Thema und eine Leistung, die über das normale Bewirtschaften des Waldes hinausgehe. „Ich sehe die Gefahr, dass Waldbesitzer, die an dieser gesellschaftlichen Aufgabe mitwirken wollen, verprellt werden“, so Schmitt.

„Die Antragsteller stehen zwischen Baum und Borke, das ist unschön“, räumt Lars Boge ein, Leiter der Bewilligungsbehörde Forst. „Es ist jetzt im Verfahren festgeschrieben. Wir müssen uns bei der Fachbehörde rückversichern, und das ist hier die Untere Jagdbehörde“, sagt er und fügt doch hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass das Problem gelöst werden kann, und zwar zeitnah.“

Waldumbau und Richtlinie zum Eigenjagdbezirk

Beim Waldumbau werden Fördermittel u. a. für das Pflanzen von Bäumen, für die Bodenbearbeitung und den Zaunbau gewährt.

Schutzzäune sind nötig, damit Jungbäume nicht zum Futter etwa für Rehe werden und die Förderung umsonst war.

Wildschutzzäune werden aber nur noch gefördert, wenn die Forstfläche kein Eigenjagdbezirk ist. Jagt der Waldbesitzer selbst, hat er dafür zu sorgen, dass der Wildbestand so gering gehalten wird, dass kein Schutzzaun nötig ist.

Mit dem Umbau von Kiefern- in Mischwälder wird die Bodenqualität durch den Laubabfall im Herbst verbessert. Zudem verbessert sich die Grundwasserneubildung, weil im Winter mehr Feuchtigkeit bis zum Boden gelangt. Monokulturen gelten als anfälliger bei Sturm und Schädlingsbefall.

 

Von Jens Steglich

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