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Gesichter der Glindower Ziegeleiarbeiter

Foto-Ausstellung in Werder Gesichter der Glindower Ziegeleiarbeiter

Mit einer spektakulären Ausstellung in der Stadtgalerie Werder stellt sich die Photographen-Lounge Potsdam dem Trend des inflationären Umgangs mit dem Foto entgegen. Das Foto wird als einzigartiges Kunstwerk verstanden. Die acht Fotografen pflegen ganz unterschiedliche Stile – dennoch ergibt sich eine beeindruckende Gesamtschau.

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Arbeiter in der Glindower Ziegelei – fotografiert von Monika Schulz-Fieguth.

Quelle: Edith Mende

Werder. Heute, da keine Wurst verzehrt wird, ohne dass jemand sie zuvor auf dem Grill abgelichtet hätte, kein Tag ohne Selfie endet, ist das Fotografieren zum selbstverständlichen Alltag vieler Menschen geworden. Fotografieren kann jeder. Die Stadtgalerie Werder stellt sich mit ihrer Ausstellung von Arbeiten der Photographen-Lounge Potsdam dem Trend des inflationären Umgangs mit dem Foto entgegen. Hier trennt sich auf wunderbare Weise die alltägliche Spreu vom besonderen Weizen. Und der heißt Kunst der Fotografie.

Die Photographen-Lounge Potsdam, das sind Monika Schulz-Fieguth, Anita Reinsch, Peter Frenkel, Eberhard Klöppel, Manfred Kriegelstein, Siegfried Lachmann, Wilfried Müller und Walter Wawra. Acht Könner mit der Kamera und bei der Bildbearbeitung. Seit zehn Jahren treffen sie sich regelmäßig, um sich auszutauschen, aneinander zu messen, voneinander zu lernen.

Dennoch geht jeder seinen eigenen Projekten nach, hat seinen eigenen Stil entwickelt. Es ist die vierte Gemeinschaftsausstellung des Oktetts.

Monika Schulz-Fieguth zeigt in Werder Bilder, die in der Glindower Ziegel-Manufaktur entstanden. Sie lässt den Betrachter in die verschwitzten Gesichter der Arbeiter blicken, die hier noch kräftig zupacken müssen. Aber auch in die Gänge des alten Ringofens, in denen die frisch gebrannten Steine in warmen Rottönen leuchten.

Andrang bei der Ausstellungseröffnung.

Andrang bei der Ausstellungseröffnung.

Quelle: Edith Mende

Von Anita Reinsch findet man unter dem Titel „Tage am Meer“ Schwarz-Weiß-Fotos, die beinahe wie Grafiken anmuten. Sand, vom Wind gebeugte Grasbüschel, Boote, Vögel über dem Wasser. Alles wirkt so zart, wie mit einer feinen Feder gezeichnet. Eine Atmosphäre tiefer Ruhe liegt über diesen wunderschönen Bildern.

„Auf den Hund gekommen“nennt Peter Frenkel seine Schwarz-Weiß-Fotos aus den 80er und 90er Jahren. Damals hielt er den Verfall alter Potsdamer Häuser fest. Auf eine verlassene Gärtnerei stieß er in Sachsen. Hier mischen sich in die Morbidität der toten Dinge Pflanzen, die sich das Terrain zurückerobern. Drei berührend schöne farbige Landschaften ergänzen Frenkels Ausstellungspart.

Auf seinen Reisen stieß Eberhard Klöppel immer wieder auf „Lebende Statuen“ ernster wie fröhlicher Natur. Diesen Menschen, die in Touristenzentren oder in Einkaufsmeilen größerer Städte stundenlang kostümiert und geschminkt an einem Platz ausharren und mitunter wirklich versteinert scheinen, widmete er eine Serie von Schwarz-Weiß-Fotos.

Manfred Kriegelstein fotografiert seit 16 Jahren in alten, verlassenen Militär-Liegenschaften. Zu den bröckelnden künstlerischen Hinterlassenschaften der einstigen Soldaten gesellten sich mit der Zeit neue Grafitti von Sprayern. Diese reizvolle Mischung aus Verblassendem und frischen Farben und Motiven hielt Kriegelstein unter dem Titel „Deserted Art“ fest.

Sanssouci bei Nacht ist das Thema, mit dem Siegfried Lachmann sich in Werder präsentiert. Nur dort, wo das Licht der Scheinwerfer hingelangt, heben sich Fassadenstrukturen der Schlösser aus der Dunkelheit ab. Auch die Gesichter der Statuen trifft lediglich partiell ein schwacher Schein, lässt sie lebendig werden. Geheimnisvoll und sogar schön empfindet man die Industrieanlage, die Wilfried Müller vor allem bei Dunkelheit auf Island fotografierte.

Das geothermische Kraftwerk Svartseng – Foto von Wilfried Müller.

Das geothermische Kraftwerk Svartseng – Foto von Wilfried Müller.

Quelle: Edith Mende

Es ist das geothermische Kraftwerk Svartseng, das dort viele Haushalte mit warmem Wasser versorgt und auch Strom erzeugt. Vielleicht hat den früheren Physiklehrer die Technik angezogen. Verblüffend diese Harmonie des Ensembles.

Altes Holz, von Wind und Wetter geschliffen und zermürbt oder von Menschenhand bearbeitet hat Walter Wawra zu einer Fotoserie genutzt. Die unterschiedlichen Strukturen der Holzfasern lassen staunen, die Farbtöne reichen vom erdigen Braun über Grün bis zu Rot und Blau.

Als hätte in Maler mit feinem Pinsel Hand angelegt. Hätte man das auch ohne den Fotografen entdeckt, fragt man sich.

Hinweis: Die Ausstellung in der Stadtgalerie Werder, Uferstraße 10, ist bis zum 28. Juni donnerstags, samstags und sonntags zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet.

Von Edith Mende

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