Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Fotografin zeigt Seniorenbilder aus halb Europa

Ausstellung in Berlin Fotografin zeigt Seniorenbilder aus halb Europa

Gabriele Kostas aus Bad Belzig hat 27 Porträts von alten Menschen geschaffen. Fotografiert hat sie in halb Europa. Die Ausstellung der gebürtigen Bad Belzigerin ist jetzt im Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem zu sehen – ein spannender Bogen.

Voriger Artikel
Tempo 30 kommt in Alt und Deutsch Bork
Nächster Artikel
Die schwierige Suche nach einem Drummer

Model Anton: So hat die Fotografin den Senior aus dem Hohen Fläming abgelichtet.

Quelle: Andreas Koska

Bad Belzig. Für Anton ist jemand alt, wenn er nicht mehr selbstständig essen kann und nicht mehr in der Lage ist, gut zu erzählen. Der 91-jährige isst am liebsten Eisbein und Rippchen mit Sauerkraut. Sein Schatz, den er besonders hütet, ist ein Foto, das ihn mit seiner inzwischen verstorbenen Frau zeigt. Das Foto hat eine Enkelin aufgenommen. Sein eigenes Bild ist seit kurzem Teil einer Ausstellung im Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem. Es ist eines von 27 Porträts, das Rentnern aus ganz Europa zeigt.

Aufgenommen hat sie Gabriele Kostas aus Bad Belzig. Sie hat Senioren in Georgien, Russland, Griechenland, Slowenien, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Österreich, Deutschland und Schweden aufgenommen hat. Eineinhalb Jahre reiste sie für über den Kontinent. „Es ist ein wichtige Dokumentation des gegenwärtigen Alltagslebens der Alten und sorgt für ein Verständnis der europäischen Kultur“, sagt die Museumsdirektorin Elisabeth Tietmeyer bei der Eröffnung der Ausstellung, die den Titel „Europas neue Alte“ trägt.

Gabriele Kostas

Die 61-jährige Fotografin Gabriele Kostas wohnt in Bad Belzig.

Sie ist ausgebildete Musikerin, Mitglied der Bad Belziger Kantorei, Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin.

In mehreren Büchern sind Bücher von ihr veröffentlicht, etwa „Das Haus der Kempowskis“ oder einem Reiseführer zu den Gärten von Venedig.

Kostas ist mit Janos Frecot verheiratet, der die wissenschaftliche Begleitung der Ausstellung übernommen hatte.

Die mit großen Einfühlungsvermögen und viel Engagement entstandenen Aufnahmen, wie Kostas betonte, sollten keine Werbebilder sein und nicht die Randexistenzen zeigen, sondern den Blick auf ganz normale Ruheständler lenken. Und das ist gelungen. Die Fotografin entdeckte spannende Lebensläufe und stellte fest, dass der Gemütszustand nicht von der Menge der Falten abhängig ist.

Anton, alle abgebildeten erscheinen nur mit Vornamen in den erklärenden Ausstellungstexten, hat ein hehres Ziel. Er möchte 95 Jahre alt werden und ist in seinem Seniorenheim im Bad Belziger Klinkengrund glücklich. Als Flüchtling ist er nach Mützdorf gekommen, wo er lange lebte.

Die 82-jährige Ellen wohnte bis vor kurzem im Reißigerhaus in Bad Belzig. Hier hatte sie der Fotografin Modell gestanden. Vor knapp 20 Jahren war die Westfälin ins Land Brandenburg gezogen, hier leben drei ihrer vier Kinder. Sie konnten nur wenige Sachen aus ihrem Haus mitbringen, ein 80 Jahre alter Teppich war dabei. Reisen, die Gesundheit, Liebe, Aktivität und Kreativität sind ihr neben der Familie besonders wichtig.

Reinhold Mählis ist der dritte in der Schau, der aus dem Fläming stammt. Der 82-Jährige schaute bei der Vernissage in dem Berliner Museum vorbei ist. mit ihm sein Sohn Jörg. Beide sind Schmiede. So wie es aussieht, bleibt auch dessen Sohn Dominic dem Betrieb treu. Die schmiede besteht seit 1903 in Bergholz.

Fotografin Gabriele Kostas und ihr Model Reinhold Mählis aus Bergholz bei Bad Belzig bei der  Vernissage in Berlin

Fotografin Gabriele Kostas und ihr Model Reinhold Mählis aus Bergholz bei Bad Belzig bei der Vernissage in Berlin

Quelle: Andreas Koska

„Janos Frecot und seine Frau Gabriele Kostas sind seit Jahren unsere Kunden“, berichtet Reinhold Mählis. Vier- oder fünf Mal sei die Fotografin da gewesen, hätte ihn bei der Arbeit aufgenommen. An den Ruhestand mag er nicht denken, auch am Tag der Ausstellung hat er gearbeitet. „Vater kommt ins Museum“, sagt Jörg Mählis und lacht. „Die Fotos sind ansprechend“, sagt er nicht ohne Stolz. Insgesamt sechs Bilder aus der Bergholzer Schmiede kann man auf der Stelltafel bewundern.

„Es sind Bilder aus dem Alltag“, sagt Dagmar Sotschek. Die Lehrerin wohnt in Berlin-Wannsee und besitzt ein Haus in Kranepuhl, kennt Reinhold Mählis seit den 70-er Jahren. Damals hatte sie mit Schulklassen den Fläming bereist.

So unterschiedlich die Länder, so unterschiedlich die Menschen und deren Blick auf das Alter. Während der 73-jährige Schwede Ingemar mit seiner Harley unterwegs ist, zieht es sein Altersgenosse Manuel aus Portugal vor, mit dem Trecker den Acker zu bearbeiten. Freizeit ist dem Portugiesen egal. Wer sich in die Geschichten vertieft und dabei die unaufdringlichen Fotos auf sich wirken lässt, erkennt bald, dass zwar die Fotos im Museum hängen, aber die abgebildeten Menschen längst noch nicht dahin gehören.

info: „Europas neue Alte“, bis zum 26. Januar 2017 im Museum Europäischer Kulturen, Arnimstraße 25, 14195 Berlin, am U-Bahnhof Dahlem-Dorf.

Von Andreas Koska

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg