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Der Mann für alle Füße

Potsdam-Land Der Mann für alle Füße

Er baut Schuhe für ein besseres Leben, fertigt Schuheinlagen für bekannte Sportler und versorgte sogar einen berühmten Affen mit Fußbekleidung. Der Orthopädie-Schuhmacher Frank Kunz, von dem die Rede ist, feiert in Nudow 20-jähriges Bestehen seiner Firma. Die Jubiläumsfeier macht er kurzerhand zu einem Benefiz-Fest.

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Ein Blick in die Werkstatt: Chef Frank Kunz (r.) und seine Mitarbeiter Philipp Löffler, Nicole Hribar und Susann Schmahlfeldt (v.l.).

Quelle: Jens Steglich

Nuthetal/Potsdam. „Wir rennen in Fitnessstudios und tun sonst etwas für den Körper, die Füße aber vergessen wir oft“, sagt Frank Kunz. Dabei müssen uns die Füße ein Leben lang tragen. „Sie haben deshalb Besseres verdient.“ Der Orthopädie-Schuhmacher, der Geschäfte in Babelsberg und Bergholz-Rehbrücke führt, hat für moderne Schuhe, die es heute oft zu kaufen gibt, nicht viel übrig. Billige Fußbekleidung nennt er gern mal Scheuerlappen, die man sich um die Füße wickelt. Schuhe eben, die weder Vorder- noch Hinterkappe haben und den Füßen keine Führung geben. Das Thema ist durchaus ernst: Wer schlechte Schuhe trägt, kann später ein Fall für den Orthopädie-Schuhmacher werden. „Wir haben jetzt die Kundschaft, die in Jugendzeiten in High-Heels herumgelaufen ist“, sagt er.

Sein Handwerk lernte er vor 36 Jahren freilich auch für andere Fälle – für Menschen, denen zum Beispiel Zehen fehlen oder der ganze Vorderfuß. Es gehört zum Ehrgeiz von Handwerkern wie ihn, Schuhe zu bauen, die Menschen mit Handicaps wieder den Gang vor die Haustür wagen lässt. So ein orthopädischer Schuh kann viel Wert sein. Er kann sogar die müden Lebensgeister wieder wecken, weil er den Schritt in ein neues Leben ermöglicht, wenn normale Schuhe versagen, weil sie nicht an den Stumpf passen, der etwa beim Diabetes-Kranken nach der Operation vom Fuß übrig geblieben ist.

In der Werkstatt von Frank Kunz gibt es eine Wand, die voller Ansichtskarten hängt – Karten von Menschen, die ihn grüßen und Danke sagen. Der Orthopädie-Schuhmacher hat nach erfüllter Mission immer eine Bitte an die Kunden: „Schickt mir eine Urlaubskarte.“ Den weitesten Weg legten Karten aus New York oder Neuseeland zurück. Nicht alle Kartenschreiber brauchten Schuhe, die alles abverlangten, was er und seine Mitarbeiter gelernt haben. Zum Alltagsgeschäft gehören auch Einlagen oder Bandagen. Kunz stellt zum Beispiel Schuheinlagen für prominente Sportler her, deren Füße in Ordnung sind, aber eine optimal angepasste Fassung brauchen, um zu Höchstform aufzulaufen. So lässt Tennisspielerin Sabine Lisicki bei ihm Schuheinlagen anfertigen. Auch Fußballschuhe von Spielerinnen von Turbine Potsdam haben Einlagen aus dem Hause Kunz. Sogar ein berühmter Schimpanse trug Schuhe aus seiner Werkstatt. „Das ZDF rief an, ob wir für einen Affen Schuhe bauen können“, erzählt Kunz. „Das war mal was anderes, weil beim Affen die Zehen außen sind“, sagt er. Der Affe hieß Charly – der Held aus der ZDF-Serie.

Frank Kunz lernt den Beruf 1980, geht vier Jahre auf Wanderschaft, macht sich am 1. Dezember 1995 in Babelsberg selbstständig und eröffnet 2000 sein Geschäft in Rehbrücke. Er hat einen 16-Stunden-Arbeitstag und ist trotzdem glücklich. „Ich habe mein Herz an meine Frau und meinen Beruf verloren“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn es mir gut geht, soll es auch anderen gut gehen.“ Alle zwei Jahre lädt Kunz zum Tag der offenen Tür nach Rehbrücke ein und spendet die Einnahmen. Auch die Fete zum 20-jährigen Bestehen der Firma am heutigen Samstag in Nudow wird zum Benefiz-Fest. Seine Gäste hat er um eine Spende gebeten. Das Geld ist für den Kinder-Hospizdienst der Hoffbauer-Stiftung auf Hermannswerder bestimmt, der auch eine Trauergruppe für Kinder hat, die nahe Angehörige verloren haben.

Biografisches

Frank Kunz wurde 1963 im sächsischen Annaberg-Buchholz geboren.

Der 53-jährige wohnt seit 1978 in Potsdam. In Babelsberg eröffnete er 1995 sein erstes Geschäft.

Seit 2000 hat er ein zweites Geschäft in Bergholz-Rehbrücke, wo er einige Jahre auch Fußballtrainer der C-Jugend des SV 05 Rehbrücke war. In Rehbrücke lädt er alle zwei Jahre zum Tag der offenen Tür ein und spendet die Einnahmen für einen guten Zweck.

Das 20-jährige Bestehen seiner am 1. Dezember 1995 gegründeten Firma wird etwas verspätet am heutigen Samstag in Nudow gefeiert, weil Kunz wollte, dass die Band „Die Schilehrer“, die er beim Skifahren in Tirol kennenlernte, mit dabei ist.

Die Bandmitglieder arbeiten im Winter wirklich als Skilehrer und konnten im Dezember nicht. Die Spenden der Gäste gehen an den Kinderhospizdienst auf Hermannswerder und an den Amputiertentreffpunkt Berlin-Brandenburg.

 

Von Jens Steglich

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