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Frau gesteht Überfall auf Post in Michendorf

Prozessauftakt am Potsdamer Landgericht Frau gesteht Überfall auf Post in Michendorf

Als Sandra B. nach vorn in den Laden geht, wird sie schon erwartet. Doch es ist kein Kunde, der da vor ihr in der Postagentur in Michendorf steht. Die 35-Jährige blickt direkt in den Lauf eines Revolvers. Ein böses Déjà-vu, denn der kleine Laden wird nicht zum ersten Mal überfallen. Und dennoch ist am 23. Februar 2015 alles anders: Der Räuber ist eine schmächtige Frau.

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Sandra B. hat gestanden, eine Postfiliale überfallen zu haben.

Quelle: Bergmann

Michendorf. Neulich, an einem Montagabend, ist die Panik plötzlich zurück. Es sind noch zwei Minuten bis Ladenschluss. Sandra B. (35) und ihre Mutter Veronika S. (55) machen so langsam klar Schiff in der kleinen Postagentur an der Potsdamer Straße in Michendorf. Draußen ist es dunkel und es hat zu schneien begonnen. Da stoppt ein Auto vor dem Laden. Ein Mann steigt aus, zieht sich die Kapuze tief ins Gesicht – und Sandra B. gehen die Nerven durch: „Überfall! Überfall!“ Sie schreit, stürzt zu den Rollläden, will sich verbarrikadieren... Veronika S. kann ihre Tochter beruhigen. Sie kennt den Mann, der sich da vor dem Schnee wegduckt. Ein Überfall, das weiß sie sicher, wird das nicht – nicht an diesem Abend.

Vier Mal schon hat es die Michendorfer Postagentur getroffen. „Warum immer wir?“, fragt Veronika S. „Es gibt doch viel größere Ämter, die viel mehr haben.“ Warum – das kann auch Colpan K. nicht beantworten. Die aus der Türkei stammende Berlinerin (48) hat die Michendorfer Post zuletzt überfallen: Am 23. Februar 2015 erbeutet sie mit einer Sturmhaube maskiert und mit einem Revolver bewaffnet 432,49 Euro Bargeld und 4760,75 Euro in Paket- und Briefmarken. Bei einem zweiten Überfall in Berlin im März 2015 wird sie gefasst, sitzt seither im Frauengefängnis in Lichtenberg.

Gleich zu Beginn des Prozesses gibt die Angeklagte alles zu

Seit Dienstag muss sich Colpan K. vor dem Landgericht in Potsdam wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Gleich zu Beginn des Prozesses legt sie ein Geständnis ab. Demnach ist die zierliche Frau, die unter dem rosa Kopftuch und der dicken Strickjacke zu verschwinden scheint, nicht nur Täterin, sondern selbst Opfer.

Als ihr Taxi-Betrieb 2014 den Bach runter geht, borgt sich Colpan K. 10000 Euro von einem Bekannten. Monat für Monat soll sie 500 Euro abstottern. Das geht ein halbes Jahr lang gut. Anfang 2015 will der Gläubiger den Rest des Darlehens auf einen Schlag zurück: 7000 Euro. Colpan K. kann nicht zahlen, will an den Raten festhalten – der Bekannte lässt sich darauf nicht ein. Er beginnt, sie mit Anrufen und SMS zu terrorisieren. Mehrmals steht er bei ihr im Taxi-Laden, erniedrigt sie vor den Kunden. Das alles, kann Colpan K. aushalten. „Ich hab keine Angst“ – das habe sie dem Mann immer wieder gesagt. Der droht schließlich, ihrer Tochter wehzutun. Jederzeit, sagt er, könne ihr etwas passieren. Sie würde vergewaltigt werden oder umgebracht, und Colpan K. würde nicht wissen, „in welchem Puff sie arbeitet“.

Vor dem Überfall klaut sie PM-Nummernschilder in Michendorf

Da Colpan K. nicht zahlen konnte, sollte sie einen Auftrag erledigen. Drei Tage vor dem Überfall fährt der Mann mit ihr nach Michendorf und kundschaftet die Gegend aus. Am Tag vor dem Überfall gibt er ihr die Waffe. Ein Spielzeug, soll der Mann gesagt haben. Dann gibt er ihr Anweisungen, was sie anziehen, wo sie parken, was sie im Laden sagen soll. Er sagt auch, dass sie die Nummernschilder an ihrem Taxi, mit dem sie zu dem Überfall fährt, austauschen muss. Colpan K. folgt all diesen Anweisungen. Sie zieht sich eine dicke Motorradjacke an, stielt von einem Auto in Michendorf die PM-Nummernschilder und fordert in der Post, dass auch der Tresor geöffnet wird. „Ich war in einem Tunnel“, sagt sie. „Das einzige, an das ich dachte, war meine Tochter zu retten.“

Bei Sandra B. und Veronika S. bittet Colpan K. im Gerichtssaal unter Tränen um Entschuldigung. Auch die beiden Frauen weinen. „Sie sehen nicht, wie die Opfer leiden“, sagt Veronika S. „Niemand sieht das. Nicht die Täter, die uns wegnehmen, was wir uns erarbeitet haben. Nicht die Kunden, die ihre Späße mit uns machen, das Portemonnaie ziehen und ,Geld her’ sagen.“ Wenn es dunkel wird, erzählt Veronika S., kommt die Angst. „Dann sag ich mir: Es lagen immer vier Jahre zwischen den Überfällen, immer vier Jahre, vier Jahre...“

Der Prozess wird am 26. Januar fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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