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Potsdam-Mittelmark Freie Kanoniere schlagen den Europameister
Lokales Potsdam-Mittelmark Freie Kanoniere schlagen den Europameister
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11:52 13.06.2016
Doppelsieg: Werner Höfchen (l.) und Detlef Komm mit ihrer Kanone „Phoeni“. . Quelle: Jens Steglich
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Beelitz

Wenn ehemalige Todfeinde friedlich vereint in einen Wettstreit ziehen, kann Großes dabei herauskommen. Zum Beispiel ein doppelter Pokalsieg und ein Volltreffer beim Spaßschießen. Die Freien Kanoniere Beelitz haben am Samstag beim 17. Beelitzer Vorderlader-Kanonenschießen zur eigenen Verblüffung alles abgeräumt. Mit 33 von 50 möglichen Punkten gewannen sie den Gesamtwettkampf, zu dem 21 Artilleriemannschaften aus allen Ecken Deutschlands antraten, ließen dabei auch den amtierenden Europameister Mike Sommer aus Nürnberg hinter sich und gewannen außerdem die internen Spargelstadt-Meisterschaften.

Und nach dem Wertungsschießen, zu dem die Kanoniere von Beelitz auf den Truppenübungsplatz Lehnin reisten, streckten sie zum Gaudi der Zuschauer mit einer Kugel die Schrankwand nieder, die danach als Zielscheibe diente. Werner Höfchen und Detlef Komm – die Freien Kanoniere, von denen hier die Rede ist – feuerten mit „Phoeni“ ihre Ladung ab, dem Nachbau einer Kanone aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Höfchen trug dabei die Uniform eines Sergeant Majors der Nordstaaten-Armee, Komm trat in Südstaaten-Uniform an.

Auf dem Truppenübungsplatz Lehnin wurde scharf geschossen: Dieser Preuße aus Potsdam hat seine Ladung gerade abgefeuert. Quelle: Jens Steglich

Die versöhnten Bürgerkriegssoldaten hatte vorher niemand auf dem Zettel. Sie selbst wunderten sich ebenso, als der Kommentator die Platzierungen von hinten nach vorn bekanntgab und die Freien Kanoniere bei Platz zwei immer noch nicht genannt waren. „Hat der uns vergessen“, fragte Höfchen. Nein, hatte er nicht. Nach der Verkündung des Pokalsiegers hallten Zuschauer-Rufe wie diese über den Platz: „Werner, die Sparkasse hat noch offen!“ So ein Sieg bedeutet auch: Am Abend im Biwak auf der Beelitzer Festwiese sind mehrere Runden Bier fällig. „Und Likörchen auch noch“, so Detlef Komm, der stöhnte: „Stadtmeister und Gesamtsieger – das muss nicht unbedingt sein. Ein Titel hätte gereicht.“

Einen Doppelsieger aus der Spargelstadt gab es in der Geschichte des Beelitzer Kanonenschießens vorher erst einmal. Die Kollegen des Beelitzer Carneval-Clubs hatten das mal geschafft.

Europameister Mike Sommer (Mitte) trat mit dem „Kanonen-Gschwaddl Mittelfranken“ und einer Napoleon-Kanone an. Mit im Bild: Stefan Frank (l.) aus Mittelfranken und Josef Schilling aus Oberfranken, wie er betonte. Die Artilleriemannschaft aus Franken kam mit 31 Punkten auf Platz drei ein. 2015 sind sie Europameister beim „Wertungsschießen auf 200 Meter Entfernung mit Visier“ geworden. Nächstes Wochenende wollen sie ihren Titel verteidigen. Quelle: Jens Steglich

Sonst kamen die besten Kanoniere von auswärts. Vorjahressieger Achim Müller mit seiner Piratenmannschaft aus Geltow schaffte es mit 32 Punkten auf Platz zwei. Europameister Mike Sommer mit dem „Kanonen-Gschwaddl Mittelfranken“ traf auf der 100 Meter entfernten und einen Quadratmeter großen Zielscheibe 31 Ringe – Rang drei. „Gschwaddl“ heißt übersetzt „ungestümer Haufen“, sagte Stefan Frank, der zum „Gschwaddl“ gehört. Nächstes Wochenende wollen sie ihren Europameister-Titel in Sondershausen (Thüringen) verteidigen. Nach Beelitz kamen die Kanoniere aus Franken mit einer Napoleon-Kanone.

Beelitzer Kanonenschießen

Das Beelitzer Vorderlader-Kanonenschießen wird mit einer kurzen Unterbrechung seit 1996 veranstaltet.

Angefangen hat alles 1994, als sich der Beelitzer Carneval-Club (BCC) eine Kanone anschaffte, sagte BCC-Ehrenpräsident Gerd Nöthe. „Den Floh hat uns damals der Carneval-Club aus unserer Partnerstadt Ratingen ins Ohr gesetzt.“ Die Beelitzer Kanone, die „Donnerschlag“ getauft wurde, war mit Aktien finanziert worden. Die Namen der Aktionäre sind in der Kanone eingraviert.

Aus Beelitz treten der BCC, die diesjährigen Sieger – die Freien Kanoniere – und Bernd Marien an. Die Stadtmeisterschaften sind also ein Dreikampf.

Beim Gesamtwettkampf waren 21 Artilleriemannschaften aus sieben Bundesländern dabei, darunter etwa Lothar Breitner aus Düsseldorf, der mit einem Nachbau eines schwedischen Feldgeschützes von 1750 und zwei Frauen an seiner Seite anreiste.

Auf dem Gefechtsfeld geht es laut, aber friedlich zu. Die Preußen aus Potsdam zum Beispiel zielten neben kurfürstlich-sächsischen Festungskanonieren von der Schützengesellschaft Friedersdorf.

Die Sieger aus Beelitz sind Newcomer. Erst 2012 kauften sie ihre Kanone und tauften sie „Phoeni“. Der Name steht für die Redewendung „Wie Phönix aus der Asche“. Das Gerät gehörte einem Freizeitkanonier aus Seddin, der 2012 verstarb. „Wir wollten, dass die Kanone in der Region bleibt“, sagte Höfchen. Jetzt ist sie sogar ein Titelträger. Um beim scharfen Schießen dabei zu sein, mussten die Beelitzer den Schwarzpulverschein machen, ein Lehrgang für Freizeit-Kanoniere. „Unser Lehrer ist heute Vorletzter geworden“, so Höfchen.

Von Jens Steglich

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