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Fremdlinge aus der Eiszeit lassen grüßen

Künstler in Baitz Fremdlinge aus der Eiszeit lassen grüßen

Vor Jahrtausenden kamen sie aus Skandinavien zu uns: Die Findlinge als Überbleibsel der Eiszeit. Nun sind ihnen Künstler aus Schweden, Norwegen und Deutschland auf den Grund gegangen.

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Immer wieder umkreisen die Besucher das Geheimnis des metallenen Fremdkörpers.

Quelle: Uwe Klemens

Baitz. Vogelgezwitscher und Bienengesumm hatten die Besucher des Kunstprojektes „Erratiker“ wohl kaum gerechnet. Nach mehrjähriger Pause lud der in Baitz ansässige Verein „Kunstpflug“ am vergangenen Wochenende zu einem Ausflug in die Natur. Wie Künstler die vor Jahrtausenden als Gletscher-Überbleibsel aus Skandinavien in den Hohen Fläming gelangen Findlinge interpretierten, lautete das Thema. Vier Wochenenden lang stellen jeweils ein Künstler aus Skandinavien und Deutschland ihre Arbeiten vor. Die Schwedin Jenny Magnusson und der in Amerika geborene Franzose Benoit Maubrey, der seit 25 Jahren in Baitz lebt, machten an diesem Wochenende den Anfang.

Keine Spur von Findlingen – oder doch?

Vom Baitzer Kunsthof führt der Weg zunächst durch die sommerliche Fläminglandschaft. Die Fahrer der Mähdrescher, die gerade mit der Rapsernte begonnen haben, lassen sich von den kleinen Besuchergrüpplein nicht stören. Auch nicht von dem grün gestrichenen Baustellencontainer, den die Kunstmacher direkt am Europaradweg abgestellt haben und eher auf ein vergessenes Baustellenzubehör, als an ein Kunstobjekt denken lässt. Die Blick durch die Metalltür ins komplett schwarz gestrichene Innere des Containers offenbart ein kleines Arrangement. Ein Stapel zersägter Holzplatten, ein paar Arbeitsblöcke, ein altes Waschbecken aus weißem Porzellan verbergen sich hinter einer weißen Tafel und wirken, wie der Container selbst, wie Fremdkörper inmitten all des Gesumms und der gelben Blüten. Von Findlingen, die in der Fachsprache Erratiker heißen, keine Spur. Oder doch?

Der Container ist, wie die Findlinge vor langer Zeit, als Fremdkörper und eine Art technischer Findling zu sehen, erläutern Magnusson und Maubrey den wenigen Besuchern, die sich zur künstlerischen Findlingssuche auf den Weg gemacht haben. Auch von den vielen Radfahrern, die am Container neugierig einen Zwischenstopp einlegen, wollen etliche seinem Warum auf die Schliche kommen.

Geräusche hörbar machen

Der Aufwand, den Benoit Maubrey für dieses Projekt betrieben hat, ist enorm und bleibt dem Auge der Besucher dennoch verschlossen. Eine aufs Dach gelegte Solaranlage liefert Strom für vier Radioempfänger, die unterschiedliche Funkwellen in knarrende und knisternde Geräusche umwandeln und mittels unter dem Container versteckter Lautsprecher hörbar gemacht werden. Der Bruch zur Natürlichkeit der Umgebung könnte, abgesehen vom Geklapper der Mähdrescher, größer kaum sein.

Die Aufgabe, Assoziationen zum Thema Fremdling-Findling herzustellen, bleibt den Betrachtern und Zuhörern überlassen. Immer und immer wieder umkreisen diese die grüne Riesenkiste aus Metall oder versuchen, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Ähnliche Projekt-Kunst wird die Besucher an den Wochenenden 25. /26. Juli; 8./9. und 15./16. August erwarten. Die dann von Gustav Hellberg und Peter Ojstersek aus Schweden, sowie Unn Falström aus Norwegen und Susken Rosthal, Otmar Sattel und Jörg Schlinke aus Deutschland stammenden Arbeiten sind jeweils samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu erleben.

Im Endspurt für ihre Präsentation ist Maubreys Lebens- und Schaffenspartnerin Susken Rosenthal, in deren Werkstatt derzeit ein riesiger Lügenwürfel entsteht. Beklebt mit kolorierten Schwarzweißfotos vermittelt der in die Landschaft gestellte, fahrbare Koloss den Eindruck eines zerknautschten Spiegelwürfels. Dass der Blick darauf etwas anderes offenbart als die gespiegelte Landschaft ringsum soll den Betrachter verwirren und nachdenklich stimmen, hofft die Künstlerin. Zusammen mit Otmar Sattel, der sein Projekt am letzten Wochenende präsentieren wird, hat Rosenthal das „Erratiker-Projekt“ ersonnen.

Von Uwe Klemens

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