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Freude am Haken

Tremsdorf eifert München und Neapel nach Freude am Haken

Beim Tremsdorfer Sommerkino am Samstagabend startet eine Aktion, die es Menschen leichter machen soll, direkt und respektvoll miteinander zu teilen. „Freude am Haken“ nennt sich die Geste der Solidarität, die ihre Vorbilder in München und Neapel hat.

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Gabi Sußdorf mit dem extra für solche Aktionen hergestellten Brett, an dem heute gespendete Kino-Karten an den Haken gehängt werden können.

Quelle: Jens Steglich

Tremsdorf. Tremsdorf erlebt am Samstag gleich zwei Premieren: Erstmals wird ab 18 Uhr zum Sommerkino eingeladen und der Kinobesucher kann den Gang in die in ein Lichtspieltheater verwandelte Feuerwehrscheune mit einer Geste der Solidarität verbinden. Wenn er Gutes tun will, kauft er zwei Kinokarten – eine für sich und eine für einen Unbekannten, für den der Kinobesuch zu teuer ist. Die zweite Karte wird an einen Haken an der Kinokasse gehängt  –  griffbereit für Menschen, die sich ohne die Geste den Kinoabend nicht geleistet hätten.

„Ich hoffe, dass die Berührungsängste schnell überwunden sind und keiner Scham empfindet, das Angebot anzunehmen“, sagt Gabi Sußdorf. Ihre Aktion in Tremsdorf, die es Menschen im Alltag leichter machen soll, direkt und respektvoll miteinander zu teilen, ist nicht auf den Kinoabend beschränkt. Gabi Sußdorf, die in der Alten Schule im Ort eine Seifenmanufaktur betreibt, wird die Offerte auf ihre Manufaktur ausweiten und will auch Mitstreiter, mit denen sie jedes Jahr zum Tag der offenen Höfe in der Nuthe-Nieplitz-Region einlädt, für die Idee begeistern. Bei ihr können Menschen, die etwas geben wollen, zum Beispiel zwei Seifen bezahlen und nur eine mitnehmen. Der Bon für die zweite Seife wird an den Haken gehängt. Dort könnte auch ein Bon für einen Workshop baumeln, der in der Alten Schule angeboten wird. Wer den Bon nimmt und einlöst, genießt ein Stück Normalität, die er sich sonst nicht leisten könnte, so die Idee. Ihr Projekt nennt die Manufakturbetreiberin „Freude am Haken“. Das Brett, an dem der Haken befestigt ist, wurde extra für solche Aktionen in einer Schreinerei der Justizvollzugsanstalt München hergestellt. In München werden die Hilfsgesten in abgewandelter Form bereits praktiziert – in Bäckereien, Eisdielen oder Cafés. „Brot am Haken“ heißt die Aktion in der bayrischen Landeshauptstadt. Von dort kennt Gabi Sußdorf die Idee, von der sie hofft, dass sie sich auch hierzulande verbreitet. In München sind es vor allem Bäcker, die sich beteiligen: Dort hängen Bons für Brot oder Brezeln am Haken. „,Brot am Haken’ lässt bedürftige Menschen wieder direkt an der Gemeinschaft teilhaben und ermöglicht ihnen einen Zugang zu Geschäften, an denen sie sonst vorbeigehen müssten“, heißt es in einer Mitteilung des Münchner Vereins „Brot am Haken“.

Gesten der Hilfsbereitschaft haben ein Vorbild in Neapel. Dort gibt es seit mehr als 100 Jahren die Tradition des „caffé sospeso“ – den aufgeschobenen Kaffee. Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich in Bars der italienischen Stadt der Brauch, außer den eigenen Kaffee einen weiteren zu bezahlen, der dann an einen Bedürftigen ausgeschenkt wird.

Sollten die gespendeten Bons in der Seifenmanufaktur nicht vom Haken genommen werden, will Gabi Sußdorf den Geldwert dafür für Obdachlose spenden und etwa der Potsdamer Tafel oder der gemeinnützigen GmbH Creso zur Verfügung stellen, die sich um Obdachlose kümmert. „Ich glaube aber, es wird Menschen geben, die das Angebot nutzen“, sagt sie. Zum Auftakt am Samstagabend sollen erst einmal „Kinobesuche“ am Haken hängen. Präsentiert werden beim ersten Sommerkino zwei Filme, die in Tremsdorf und Stücken gedreht wurden. Los geht es 18 Uhr mit dem Streifen „Spuk am Tor der Zeit“. Die Mittelalter-Szenen im Film sind auf dem Hof von Erich und Gertrud Schmidt in der Tremsdorfer Dorfstraße gedreht worden,weiß Angela Schneider vom Geschichtsverein. Beim zweiten Film „Spuk im Reich der Schatten“ spielt Matthias Schweighöfer mit. Für den Kinoabend gibt es auch schon etliche Anmeldungen von Leuten aus Stücken, die sich an die Dreharbeiten erinnern können und zum Teil als Statisten selbst mitspielten, erzählt Gabi Sußdorf. Drehorte in Stücken waren der Friedhof an der Kirche und das jetzige Landgasthaus zu Stücken.

Erstmals Sommerkino in Tremsdorf

Zum Sommerkino laden der neue Feuerwehr- und Dorfverein Tremsdorf und die Seifenmanufaktur ein.

Gezeigt werden am Samstag, dem 15. Juli, ab 18 Uhr in der Feuerwehrscheune die beiden letzten Filme aus der „Spuk-Reihe“ von Günter Meyer: „Spuk am Tor der Zeit“ mit Nina Hoger und Walther Plathe und „Spuk im Reich der Schatten“ mit Matthias Schweighöfer und Ilja Richter. Eine Kinokarte für Erwachsene kostet fünf Euro.

Durch den Sommerkino-Abend führt die frühere RBB-Redakteurin Sabine Preuschhof, die spannende Hintergrundgeschichten erzählen wird.

Zwischen den Filmen gibt es von Tremsdorfern zubereitetes Essen.

Von Jens Steglich

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