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Zur letzten Ruhe in die „Baum-WG“

Nuthetal Zur letzten Ruhe in die „Baum-WG“

In einem Wald bei Nudow (Potsdam-Mittelmark) bietet die Friedwald GmbH eine individuelle Alternative zur klassischen Beisetzung. Seit der Eröffnung des Friedwaldes Nuthetal-Parforceheide im Sommer 2012 wurden 394 Bestattungen vorgenommen. Und die Gesellschaft hat 2139 Plätze an Interessierte als sogenannte Vorsorge verkauft.

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Das Försterehepaar Johanna und Knut Krause aus Potsdam betreut den Friedwald Nuthetal-Parforceheide bei Nudow.

Quelle: H. Helwig

Nuthetal. Sich schon zu Lebzeiten jenen Platz aussuchen können, an dem man begraben sein möchte – diesen Wunsch erfüllt die Friedwald GmbH aus Griesheim bei Darmstadt in einem Bestattungswald bei Nudow. „Immer mehr Menschen suchen nach einer letzten Ruhestätte inmitten der Natur“, sagt das Försterehepaar Johanna und Knut Krause aus Potsdam, das den Friedwald Nuthetal-Parforceheide seit seiner Eröffnung im Sommer 2012 betreut. Viele, die sich schon jetzt für eine Grabstelle unter einem Baum entschieden haben, würden in regelmäßigen Abständen mit ihrer Familie dorthin kommen, um ein Picknick abzuhalten oder einfach nur den Blick auf die Parforceheide zu genießen.

394 Beisetzungen wurden von der Försterin und dem Förster bisher im Nuthetaler Friedwald begleitet. 2139 Plätze hat die Friedwald GmbH bereits an Interessierte als sogenannte Vorsorge verkauft. Johanna und Knut Krause führen Familien, Partner, Freundeskreise sowie alleinstehenden Menschen in Gruppen oder nach individueller Absprache durch den Wald, erklären ihnen seine Zusammensetzung und beraten sie bei der Auswahl der gewünschten Baumart. Den Ablauf der Trauerfeier bestimmen die Familien beziehungsweise Angehörigen selbst. Dabei können sie in größerem Rahmen auf einem Andachtsplatz von dem Verstorbenen Abschied nehmen oder ihn im engsten Kreis gleich direkt am Baum bestatten. „Wir empfangen die Trauergemeinde auf dem Parkplatz an der Straße. Auf dem Weg zum Andachtsplatz oder zum Grab können die Hinterbliebenen die Urne selbst tragen und sie auch persönlich im Grab versenken. Das schafft eine besonders individuelle Atmosphäre“, sagt Knut Krause. Nach Absprache können Angehörige auch zuvor die Grabstelle eigenhändig ausheben.

Der Preis einer solchen Naturbestattung hängt vom Stammumfang und von der Eingruppierung des auserwählten Baumes ab. An einem Gemeinschaftsbaum mit einem gelben Band können sich maximal zehn auch einander wildfremde Menschen bestatten lassen. Die „Baum-WG“, wie Johanna Krause es nennt. An den Familien- beziehungsweise Freundschaftsbäumen mit dem blauen Band stehen ebenfalls maximal zehn Plätze zur Verfügung, wobei auch der Baum Eigentum der Familie oder des Freundeskreises wird. Zwei Ruhestätten sind am Partnerbaum mit rotem Band Standard. Weitere Plätze können erworben werden. Die Bäume sind mit sogenannten Ronden – kleinen Blechplättchen – und fortlaufenden Nummern gekennzeichnet. 555 Bäume wurden bislang „eingemessen“. Während bei den Gemeinschaftsbäumen lediglich die Namen und Daten der Verstorbenen auf kleinen schwarzen Täfelchen erfasst werden, können Besitzer der anderen Baumarten frei nach Wunsch diese Schildchen ganz weglassen oder selbst gestalten, beispielsweise mit einem Lieblingsspruch des Angehörigen. „Dadurch ist unser Friedwald fast auch ein poetischer Wald“, stellt Johanna Krause fest.

Aber nicht die Liebe zur Natur allein ist oft der Grund für die Wahl der individuellen Alternative gegenüber der klassischen Beisetzung, wissen Johanna und Knut Krause. In der heutigen mobilen Gesellschaft haben viele Familien kaum noch Zeit, sich um ein Grab ihrer Angehörigen zu kümmern, oder das Geld, die Ruhestätte von einem Friedhofsgärtner pflegen zu lassen. Manche möchten ihre Angehörigen auch nach dem Tod nicht zur Last fallen.

Im Friedwald übernimmt die Natur die Grabpflege. Grabschmuck an den Bäumen ist generell nicht erlaubt, und auch die Blätter, die zur Beisetzung die Grabstelle schmücken, werden anschließend entfernt. „Der Wald soll so natürlich wie vor der Bestattung aussehen“, erklärt Förster Krause.

Alljährlich im Herbst veranstaltet die Friedwald GmbH eine Pflanzaktion im Bestattungswald. Interessierte können 15 Jahre junge und drei Meter hohe Bäume pflanzen. Für Eltern, die ihr Kind verloren haben, kann solch ein Baum auch Symbolkraft haben. Sie sehen ihn wachsen, so wie sie ihr Kind wachsen sehen würden, meint Johanna Krause. Für solche Fälle bietet die Friedwald GmbH die „Sternschnuppenbäume“ an, von denen zwei auch in Nuthetal stehen. Auch wenn der Tod zum alltäglichen Leben von Johanna und Knut Krause dazugehört, gehen ihnen Kindesbeisetzungen besonders unter die Haut. „Dann lässt sich schon mal eine Träne nicht zurückhalten.“

Unabhängig von Konfessionen und frei von sozialen Zwängen

Die Friedwald-Beisetzungen finden jeweils an einem Freitag und einem Samstag statt.

Die Waldführungen erfolgen unter der Woche. Eine Anmeldung beziehungsweise eine individuelle Terminabsprache mit den Friedwaldförstern ist über die Zentrale in Griesheim erforderlich.

Für eine Friedwald-Bestattung muss sich der Interessierte für eine Einäscherung entscheiden.

Die Asche der Verstorbenen ruht in einer biologisch abbaubaren Urne.

Friedwald-Bestattungen sind unabhängig von Konfessionen und frei von sozialen Zwängen möglich. Trauerfeiern können auch mit geistlichem Beistand abgehalten werden.

Der Kontakt zur Friedwald GmbH kann unter Tel. 06155/84 81 00, per E-Mail unter info@friedwald.de oder im Internet unter www.friedwald.de hergestellt werden.

Von Heinz Helwig

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