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Potsdam-Mittelmark Frischgepresstes und Fallobst
Lokales Potsdam-Mittelmark Frischgepresstes und Fallobst
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17:49 26.05.2017
Liebeserklärungen an die Heimat: In einer Bühne in Obstkisten-Optik spielt die Band im Freien. Quelle: Franziska Appelt
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Ferch

Auf der Wiese, auf der die Gartenstühle stehen, blüht Löwenzahn und Klee. Es riecht nach Kaffee und Erdbeerkuchen. Unter einer 100-jährigen Linde, auf einem 200 Jahre alten Obstbauernhof in einem Dorf, das vor 700 Jahren entstand, spielt seit 25 Jahren die Fercher Obstkistenbühne. Das laute Zwitschern der Amsel wird unterbrochen vom Ohrwurm: „Ferch, Ferch, Ferch – am Schwielowsee. Wenn ich ganz weit weg bin, träum ich noch von deiner schönen Fee“, der von der Sage über die Entstehung von dem Ort am Wasser berichtet.

Wolfgang Protze (66) begleitet seinen Gesang auf der Gitarre. Sein erstes Instrument hatte nur eine Saite. Seine Mutter, eine Schulsekretärin, fand diese beim Aufräumen auf dem Dachboden des Schulgebäudes. Damit begann der in Sachsen aufgewachsene Musiker sich das Gitarrenspiel selber beizubringen.

Jeder Titel ist eine Liebeserklärung

1970 gründete er die Songgruppe Spartakus und trat bis zur Wende regelmäßig mit seiner Frau Ingrid (67) im Potsdamer Café Rendez-vous am Platz der Einheit auf. Das erfolgreichste Projekt des Ehepaars wurde die Fercher Obstkistenbühne, das Märkische Holzpantinen-Musik-Literatur-Theater im Grünen. Seit 1992 machen sie gemeinsam mit dem Saxophonisten Gerald Blasing und Winfried Regel am Keyboard auf und in einer Bühne in Obstkisten-Optik heimatkolorierte Musik. Sense, und Dreschflegel dienen als Deko: „Alles Geräte, die wir in Großvaters Schuppen gefunden haben“, sagt die 67-Jährige.

Jedes Programm – ob am Abend vor dem Kamin oder als Familienkonzert - ist einzigartig und bedient die Genres Folklore, Klassik, Jazz und Balladen. Jeder Titel ist eine Liebeserklärungen an die Heimat, Ferch und den Schwielowsee. „Ich identifiziere mich sehr mit dem, was hier passiert“, sagt Liedermacher Protze.

Eigentlich wollten die Musiker Lehrer werden

So entstanden drei Song-Rubriken, denen man bei den Auftritten des Quartetts lauschen kann: Frischgepresstes sind neue Ideen, die dem Ehepaar auf Streifzügen durch die Heimat, bei Vorträgen über die eiszeitliche Vergangenheit von Ferch oder beim Lesen der Gedichte Fontanes kamen. Richtige Evergreens (Immergrünes) sind Klassiker wie der Wiesensteg-Reggae, die Stachelbeerballade, die Heidemarie oder die Schulhofliebe, die sogar im Klett-Musikbuch steht. Aber natürlich produziert eine Band, die seit 25 Jahren Lieder schreibt auch Fallobst: „Diese Lieder können wir selbst kaum noch hören“, gibt der Liedermacher zu. Umso wichtiger ist es ihm, stetig an den Liedern herumzubasteln, um sie frisch zu halten. Ein neues Album, um das Fercher Kulturgut zu sichern, wünscht sich das Ehepaar aktuell.

Open-Air beim Konzert der Fercher Obstkistenbühne Quelle: Franziska Appelt

Eigentlich wollten die Protzes Lehrer werden. Er studierte Mathe und Physik, sie Russisch und Englisch in Potsdam. „Musik war mein Hobby“, sagt der 66-Jährige. Doch nachdem er einen Chanson-Wettbewerb gewann, durfte er 1978 seine erste Platte „Amiga“ produzieren und wendete sich schlussendlich ganz der Musik zu. Ingrid folgte seinem Beispiel und beendete nach dem zweiten Kind Mitte der 80er-Jahre ihre Hochschulkarriere.

1992 erhielt sie für ihre Gedichte den Ehm-Welk-Literaturpreis und stand sogar dem Deutschen Schriftstellerverband vor. Die Dichterin plant bereits eine Fortsetzung ihres „Schwielowsee-Tage-Buch(t)“. Mit einer sehr guten Einstufung erhielt sie in der DDR ihre Spielerlaubnis: „Das machte mich stolzer als die Promotion in Anglistik“, sagt die Sängerin, die die Lieder mit dem Akkordeon begleitet. Das Bedienen des Handzuginstruments erlernte die damals Zehnjährige in Ferch, wo sie auch aufwuchs. „Im Puppenwagen habe ich mein Akkordeon zur Übungsstunde gefahren und im Winter haben meine Eltern den Lehrer mit Eiern bezahlt“, erinnert sich die Fercherin.

„Ein Nachmittag auf der Bühne ist unsere Lebenszeit“

Vor 26 Jahren zog sie mit Mann Wolfgang zurück zu Ingrids Eltern, die Obstbauern waren. Genau wie sie war das Musikerpaar von nun an vom Wetter abhängig, denn ihre Shows finden draußen zwischen Johannisbeeren und Vogelscheuche statt. „Als ich den Hof sah, dachte ich sofort an ein Amphitheater“, beschreibt Wolfgang Protze seine ersten Eindrücke, die schließlich zu den beliebten Wochenend-Aufführungen mit handgemachter Musik führten. „Ein Nachmittag auf der Bühne ist unsere Lebenszeit“, sagt der Wahl-Fercher.

Er liebt es, das Publikum in die Show einzubeziehen. Jeder Gast erhält ein Kinderschuhmodell mit hölzerner Sohle und Lederaufschlag, um im Takt zu den Liedern zu klatschen. „Klappern für Einsteiger“, nennt Ingrid Protze die ersten Takte der märkischen Percussionsinstrumente. Die Holzpantinen sind eng mit der preußischen Geschichte und den hiesigen Obstbauern verbunden und echte Unikate. „Es sind unsere letzten Paar Schuhe. Wir habe sie extra anfertigen lassen“, sagt Ingrid Protze.

Info: Das nächste Konzert findet am Sonnabend, 1. Juli, um 20 Uhr unter dem Thema „Was Fontane nicht erlaufen“ statt.

Musik mit Heimatkolorit

Im Juli startet die Obstkistenbühne wieder in die Konzertreihen:

Abendkonzerte (Beginn um 20 Uhr): „Bella Schwielowsee“ (15. und 29. Juli)

Familienkonzerte (Beginn um 15 Uhr): „Ahoi, Piraten“ (2., 16., 30. Juli)

Kaminkonzerte (Beginn um 15.30 Uhr): „Herbstkonzerte“ (28. Oktober und 11. November), „Schneegeflimmer“ (2., 3., 9. und 10. Dezember)

Der Eintritt kostet je nach Konzert 12 bis 23 Euro.

Reservierung unter: 033209/7 14 40 oder info@fercherobstkistenbuehne.de

Von Franziska Appelt

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