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Potsdam-Mittelmark Friseure sind Seelsorger und Geheimnisträger
Lokales Potsdam-Mittelmark Friseure sind Seelsorger und Geheimnisträger
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18:42 09.02.2018
Mutter und Tochter im gemeinsamen Friseursalon: Martina Lehmann (r.) und Janine Fischer feiern dieses Jahr ein Dreier-Jubiläum. Quelle: Jens Steglich
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Bergholz-Rehbrücke

Früher, sagt Martina Lehmann, wurde mehr geredet und länger gewartet. Das längere Warten könnte an der Dauerwelle gelegen haben, die gerade modern war. Vielleicht hatten die Leute damals aber auch einfach mehr Zeit. Als Martina Lehmann ins Friseurhandwerk einstieg, trugen die älteren Herren Fassonschnitt, die jungen Männer lange Haare und manche Frau kam in den Salon und bestellte eine Angela-Davis-Frisur. Wer die Haare wie die US-amerikanische Bürgerrechtlerin tragen wollte, musste wirklich mehr Zeit mitbringen. „Wir haben uns die Finger krumm gewickelt“, erzählt die Saarmunderin. Zusammen mit ihrer Tochter führt sie einen Salon in Bergholz-Rehbrücke. Dieses Jahr feiern die beiden Frauen ein Dreier-Jubiläum: Die Mutter ist seit 40 Jahren Friseurin, die Tochter seit 20 Jahren, und seit zehn Jahren haben beide einen gemeinsamen Friseursalon in der Arthur-Scheunert-Allee.

Die Mutter hatte die Tochter noch gewarnt: „Mensch Mädel, überleg dir das gut. Es ist ein schwerer Job.“ Geholfen hat das nicht. „Ich hatte schon als 15-Jährige im Hinterkopf: Ich will mit meiner Mutter einen eigenen Salon haben“, sagt Janine Fischer, die Tochter. Das Ziel verfolgt sie akribisch. Wie die Mutter 20 Jahre vorher lernt sie die „handgelegte Wasserwelle“, eine Trendfrisur aus den 1920er Jahren, „die ein guter Friseur können muss“. Nach der Lehre beim Potsdamer Coiffeur Ritt sammelt sie drei Jahre Berufserfahrung, macht ihren Meister in Freiburg und arbeitet danach ein Jahr als fahrende Friseurin, um 2008 mit der Mutter die Chance zu nutzen, den Traum zu verwirklichen. In Bergholz-Rehbrücke werden Geschäftsräume frei. Die beiden Frauen greifen zu und haben es nicht bereut. „Es war genau richtig. Ich freue mich jeden Tag, hierherzufahren“, schwärmt die Tochter. Heute sind es nicht mehr die Angela-Davis-Frisuren, sondern die Bräute, die am meisten Arbeit machen. Brautfrisuren gelten als Herausforderung, weil die Ansprüche fürs Haar am Tag, an dem der Bund fürs Leben geschlossen wird, besonders hoch sind. Deshalb sind die Bräute heutzutage auch die kompliziertesten Kunden, sagen Friseure, Kosmetiker und Brautkleidverkäufer. Dauerwelle trägt inzwischen nur noch die Ü-70-Generation. Dafür kommt manchmal die Jugend mit dem Smartphone in den Salon, um ein Video bei Youtube zu zeigen und das mit dem Wunsch zu verbinden: „So eine Frisur will ich haben.“

Die Trends in der jungen Generation wechseln inzwischen halbjährlich. Mutter und Tochter sind regelmäßig bei Abendworkshops dabei, „um nicht dumm dazustehen, wenn jemand sagt: ’Ich will Granny-Hair’“. Graues Haar war im vergangenen Jahr bei der Jugend der Trend, erzählt Janine Fischer.

Im Friseursalon geht es freilich nicht nur um Haare. Friseure sind mehr als Haarschneider. Sie sind gut informierte Geheimnisträger und manchmal auch so etwas wie Seelsorger. „Wir teilen Freud und Leid mit den Kunden“, sagt Martina Lehmann. Manche ihrer Kundinnen kennt sie besser als deren Ehemänner. „Das, was gesprochen wird, bleibt aber im Salon und wird nicht weitergetratscht“, sagt sie. Die Verbindung zwischen Friseurin und Stammkunden geht oft weit über Geschäftsbeziehungen hinaus und endet manchmal erst mit dem Tod, wie bei einer Kundin, der Martina Lehmann schon in ihrer Ausbildungszeit Ende der 1970er Jahre die Haare geschnitten hat. Zum Schluss fuhr sie zu ihr nach Hause, um die Frisur in die gewohnte Form zu bringen. Das Wort Treue ist da kein leeres Wort. Das gilt auch für Fahrten ins Pflegeheim, nachdem eine Kundin einen Schlaganfall erlitten hatte. „Sie saß im Rollstuhl und konnte nicht mehr sprechen. Aber ihre Augen haben geleuchtet, wenn ich kam und ihr die Haare machte.“

Das Team vom Salon „Ihr Friseur“

Das Dreier-Jubiläum wird am 17. März zwischen 12 und 16 Uhr im Salon „Ihr Friseur“ in der Arthur-Scheunert-Allee 87 b in Bergholz-Rehbrücke gefeiert.

Zum Team gehören neben Martina Lehmann und Janine Fischer auch Richard und „Stoffel“, die gute Seele des Salons, die eigentlich Marion Stoof heißt.

Richard kam mit 14 Jahren in den Salon und wollte ein Praktikum machen. Die Chefinnen haben ihm die Aufgabe gestellt: „Verbessere deine Noten, dann kannst du hier lernen.

Zum Geburtstag von Martina Lehmann zeigte er einmal strahlend sein Zeugnis mit den deutlich besseren Noten vor und wurde schließlich als Azubi genommen. „Meine Mutter sagt immer, Richard ist ihr drittes Kind“, sagt Tochter Janine.

Von Jens Steglich

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