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Früherer Lehniner Stiftsvorsteher gestorben

Werner Nicklaus Früherer Lehniner Stiftsvorsteher gestorben

Pfarrer Werner Nicklaus, jahrzehntelang Vorsteher des Diakonissenhauses Luise-Henrietten-Stift in Lehnin, ist gestorben. An ihn erinnert Schwester Ruth Sommermeyer, die als frühere Oberin 24 Jahre mit Nicklaus die Geschicke des Stifts lenkte. Nicklaus war von 1966 bis 1992 Stiftsvorsteher und steuerte die kirchliche Einrichtung auch durch die schwierigen DDR-Jahre.

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Pfarrer Werner Nicklaus und Oberin Ruth Sommermeyer bildeten den Hausvorstand des Luise-Henrietten-Stifts in Lehnin.

Quelle: privat

Lehnin. Sie beide prägten über Jahrzehnte das Leben im Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift in Lehnin: Pfarrer Werner Nicklaus als Vorsteher und Oberin Schwester Ruth. Pastor Nicklaus ist nun am 17. Juli nach schwerer Krankheit im Alter von 89 Jahren in Lehnin verstorben. Am Freitag wurde er auf dem Waldfriedhof in dem Klosterstädtchen zu Grabe getragen. Bis zuletzt hatte ihn auch Ruth Sommermeyer, seine langjährige berufliche Weggefährtin, am Krankenbett besucht.

„Er war für mich ein sehr guter, sehr verlässlicher Mitstreiter“, erinnert sich die 84-Jährige. Von 1966 bis 1992 war Werner Nicklaus Stiftsvorsteher. Von 1968 an war Schwester Ruth als Oberin an seiner Seite. „Durch 24 Jahre hindurch hat dieses gute Miteinander gehalten. Ich konnte immer auf ihn zählen.“

Menschen sollten sich geborgen fühlen, das war Nicklaus wichtig

Doch nicht nur das machte Werner Nicklaus aus: „Er war ein fröhlicher, freundlicher und offener Mensch. Werner Nicklaus fand schnell Zugang zu den Menschen. Diese Fähigkeit braucht es auch für die Aufgabe eines Stiftsvorstehers. Seine Fröhlichkeit hat das Leben hier mit geprägt“, sagt Ruth Sommermeyer. Sein Anliegen sei gewesen, „dass sich die Menschen hier geborgen fühlen“. Umso wichtiger war dies in der DDR-Zeit, „in der wir es nicht so einfach hatten als kirchliche Einrichtung. Aber man brauchte uns für das Gesundheitswesen, als Pflegeeinrichtung“, erinnert sich die frühere Oberin.

Die frühere Oberin Schwester Ruth Sommermeyer erinnert an ihren langjährigen beruflichen Weggefährten Pfarrer Werner Nicklaus

Die frühere Oberin Schwester Ruth Sommermeyer erinnert an ihren langjährigen beruflichen Weggefährten Pfarrer Werner Nicklaus.

Quelle: Marion von Imhoff

Gerade das war es, was Werner Nicklaus auszeichnete. So nahm er Ärzte in das Kollegium des Stiftskrankenhauses auf, die wegen eines zuvor gestellten Ausreiseantrages ihr Arbeitsstelle im DDR-Gesundheitswesen verloren hatten. So konnten einige die Zeit überbrücken, bis sie in die Bundesrepublik übersiedeln konnten, wenn sie es überhaupt je durften.

Auszubildende aus der gesamten DDR

Jährlich dutzende Auszubildende kamen in das Diakonissenhaus „von Stralsund bis Görlitz“, so Ruth Sommermeyer, „weil das Stift etwas Spezielles war in der DDR“. Ein Drittel der Pflegeschüler „waren Leute, die woanders keine Ausbildung bekommen hatten, weil sie nicht die richtige Blutgruppe hatten, nicht in der FDJ waren“. Ein Chefarzt arbeitete damals im Stift, „weil er Christ war und hier auch Christ sein durfte“.

Das Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift in Lehnin

Das Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift in Lehnin

Quelle: Heiko Hesse

Als Vorsteher war Werner Nicklaus verantwortlich für die Arbeit im Krankenhaus, Altenpflegeheim, im Kindergarten und in der Schwesternschule. Fast jeden Werktag hat er mit den Krankenpflegeschülern für die zu pflegenden Schützlinge gesungen. Mehrere Chöre hat Werner Nicklaus geleitet: „Er hat auf all diese Dinge geachtet, auf das, was die Kranken brauchen außer Tabletten“, so sagt es Schwester Ruth.

Vierjähriges Warten auf eine Baugenehmigung

Auch den Erhalt und die Erweiterung der Stiftsgebäude fiel in seine Zeit. Vier Jahre wartete Nicklaus auf die Baugenehmigung für ein neues Schwesternhaus. Es waren die 70er Jahre. „Und plötzlich hielten wir die Baugenehmigung in den Händen... Das hat uns gezeigt, dass Gott uns beschenkt“.

Wäre dem Hausvorstand nicht der Erhalt des Diakonissenhauses gelungen, „hätten wir zur Wende eine Ruine gehabt, auf die wir nichts hätten aufbauen können. Die Dächer wurden immer saniert. Werner Nicklaus hat all das gelenkt am Steuer des Schiffes, damit es voran und vorwärts geht“, sagt Ruth Sommermeyer.

Aufgewachsen im Pfarrhaus in Birkenwerder

Werner Nicklaus wuchs als ältestes von sechs Kindern im Pfarrhaus in Birkenwerder im heutigen Landkreis Oberhavel auf. Geboren wurde er am 4. Mai 1927. Als Jugendlicher musste er in den Krieg ziehen und geriet in russische Gefangenschaft. Eine traumatische Zeit für den noch nicht einmal 20-Jährigen. „Wir litten an keinen Schikanen, aber unter ständigem Hunger“, sagte Nicklaus später einmal im Rückblick auf jene schweren Jahre.

Abgemagert auf 45 Kilogramm wurde er schließlich aus der Gefangenschaft entlassen. Er machte ein Notabitur und begann von 1947 bis 1952 – zunächst an der Humboldt-Universität in Berlin, später in Greifswald – Theologie zu studieren. Direkt nach seiner Einführung in den Beruf des Pastors übernahm Werner Nicklaus von 1953 bis 1966 den Pfarrsprengel Pritzerbe. Von dort wechselte er nach Lehnin.

Der Vater zweier Söhne und einer Tochter prägte das Leben im Henrietten-Stift während der 26 Jahre seines Wirkens als Vorstand wesentlich. Auch in den Jahrzehnten seines Ruhestandes war er im Stift präsent und nicht wegzudenken.

Das Diakonissenhaus Luise-Henrietten-Stift

1911 gründete die Evangelische Landeskirche auf dem Gelände des Zisterzienser Klosters Lehnin das Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift. Von 1966 bis 1992 leitete Pfarrer Werner Nicklaus als Hausvorstand gemeinsam mit Oberin Ruth Sommermeyer das Stift. Rund 330 Mitarbeiter zählte die kirchliche Einrichtung damals.

Nachfolger von Werner Nicklaus wurde Pfarrer Dieter Paul, der mittlerweile im Ruhestand ist.

Seit Januar 2004 gehört das Luise-Henrietten-Stift zum Evangelischen Diakonissenhaus Berlin, Teltow, Lehnin mit rund 2300 Mitarbeitern. Heute bestehen am Lehniner Standort ein Krankenhaus, ein Altenhilfezentrum und Hospiz. Das Schwesternhaus ist Heimat der Evangelischen Ordensschwestern. Hinzu kommt das „Zentrum Kloster Lehnin“ für Übernachtungen und Tagungen.

 

Von Marion von Imhoff

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