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Fundsachen kommen unter den Hammer

Bad Belzig Fundsachen kommen unter den Hammer

Sporttasche im Bus vergessen, Jacke im Kinosessel liegen gelassen: Wer Glück hat, findet seine verloren gegangenen Sachen im Bad Belziger Fundbüro wieder. Viele Dinge werden allerdings gar nicht erst abgeholt. Sie landen am Ende bei der Versteigerung. Dabei ist den Mitarbeitern auch schon so manch skurriles Stück gebracht worden.

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Anika Feuerherdt vom Fundbüro präsentiert die Fahrräder, die versteigert werden sollen.

Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten! Am Dienstag versteigert das Fundbüro Dinge, die jemand und nie abgeholt hat. Darunter sind einige Jacken, Uhren. ein Paar Inlineskates und einige Fahrräder. Acht Stück kommen unter den Hammer. Bis es soweit ist, werden die Sachen im Bürgerbüro am Marktplatz aufbewahrt.

Abgegeben wird alles, was die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, der Stein-Therme oder des Hofgarten-Kinos verwaist in Bussen, Umkleidekabinen oder auf Plüschsesseln finden. Und auch wer beim Bummel durch die Stadt auf einen herrenlosen Schal, eine vergessene Jacke oder einen einzelnen Handschuh stößt, kann diese beim Fundbüro abgeben. „Die meisten Sachen bekommen wir allerdings von den Verkehrsbetrieben“, erzählt Bürger- und Fundbüro-Mitarbeiterin Monika Jehserick. „Denn oft vergessen Schüler zum Beispiel ihre Sporttaschen im Bus.“ Im Amtsblatt werden zwar monatlich alle Fundsachen veröffentlicht. „Aber wir kriegen mehr herein, als abgeholt wird“, sagt Anika Feuerherdt, die seit 2014 wieder im Bürgerbüro arbeitet.

Englisch, japanisch oder holländisch?

Die klassischen Auktionen werden auch Englische Auktionen genannt. Von einem festgesetzten Mindestpreis beginnend, werden aufsteigend Gebote abgegeben, bis kein neues Gebot mehr eintrifft.

Bei der Japanischen Auktion erhöht der Auktionator stetig den Preis, während nach und nach Bieter aussteigen, bis nur noch ein Bieter übrig ist.

Bei der Stillen Auktion werden die Gebote werden verdeckt abgegeben, etwa per Post oder in einer Urne. Zu einer vereinbarten Zeit wird die Auktion geschlossen und derjenige gewinnt, der das höchste Gebot abgegeben hat.

Bei der Holländische Auktion werden von oben herab Beträge genannt, bis ein Erster auf dieses Angebot eingeht.

Die Versteigerung in Bad Belzig findet am Dienstag, 18 Uhr im Ratssaal der Stadtverwaltung, Marktplatz 1-3, statt. Bereits ab 17 Uhr können alle Fundsachen besichtigt werden.

Besagte Sporttaschen werden häufig wieder geholt, auch Brillen und Schlüssel bleiben meist nicht lange im Fundbüro. Kleinere Sachen wie ein Paar Handschuhe oder Schals geraten dagegen in Vergessenheit. Auch nach Modeschmuck werde nicht mehr gefragt, erzählen Monika Jehserick und Anika Feuerherdt. Bei verloren gegangenen Portemonnaies wird das enthaltene Geld gezählt und kommt zur sicheren Verwahrung in die Stadtkasse. Holt der Eigentümer seinen Geldbeutel ab, bekommt er natürlich auch das Geld wieder. „Wenn Leute ihr Portemonnaie wiederbekommen, überwiegt aber ohnehin meist die Dankbarkeit, dass noch alle Papiere drin sind“, sagt Jehserick.

Weitere Fundstücke, die liegengeblieben sind

Weitere Fundstücke, die liegengeblieben sind.

Quelle: Josephine Mühln

Sorgfältig von den Mitarbeiterinnen protokolliert werden vor allem die Gegenstände, die vermeintlich wertvoll sind – also Schmuck, Kameras oder eben Fahrräder. „Dann wird auch der Finder mit aufgeschrieben“, erzählt Feuerherdt. „Denn nach den vorgeschriebenen sechs Monaten Aufbewahrungszeit wird er gefragt, ob er Interesse an der Fundsache hat.“ Weniger wertvolle Sachen – vor allem Kleidung – muss nur sechs Wochen aufbewahrt werden. Alles, was nach dieser Frist nicht vom eigentlichen Besitzer abgeholt wurde, kommt auf die Auktionsliste. Vorausgesetzt, es hat ei-nen gewissen Wert. Einzelne Handschuhe etwa gehören nicht dazu.

An ein besonders skurriles Fundstück können sich Monika Jehserick und Anika Feuerherdt besonders gut erinnern: Eine Finderin brachte im vergangenen Jahr einen großen Deko-Weihnachtsmann ins Fundbüro, der vor ihrer Tür gestanden hatte – ihr aber nicht gehörte. Verguckt hat sie sich in den Mann mit Bart trotzdem. Sie hat gleich bei der Abgabe angemeldet, dass sie ihn gerne haben würde, wenn sich der Besitzer nicht findet.

Brechstange und Bolzenschneider

Auch die Polizei gibt hin und wieder Fundstücke ab. Einmal waren eine Brechstange und ein Bolzenschneider dabei. Beides wurde am Ende versteigert.

Versteigerungen finden etwa alle zwei Jahre statt – die genaue Zeitspanne ist abhängig davon, wie viele Fundsachen sich in der Zwischenzeit angesammelt haben. Bei der Auktion am Dienstag sollen 37 Posten an die Frau oder den Mann gebracht werden. Die Mindestgebote werden von den Mitarbeiterinnen des Fundbüros festgelegt, je nach Wert der Sachen. Und dann heißt es ganz klassisch: Wer bietet mehr? Der Höchstbietende erhält den Zuschlag.

„Richtige gute Räder zum Beispiel gehen schon mal für 80 Euro weg, sonst reden wir eher von kleinen Summen“, sagt Anika Feuerherdt. Das eingenommene Geld kommt in die Stadtkasse. Alles, was nicht versteigert wird – oder es wegen seines zu geringen Wertes gar nicht erst in die Versteigerung schafft – wird an soziale Einrichtungen abgegeben.

Von Josephine Mühln

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