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Potsdam-Mittelmark Gärtner kämpfen um die Buchsbäume
Lokales Potsdam-Mittelmark Gärtner kämpfen um die Buchsbäume
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18:45 04.09.2017
Zwischen den Blättern sitzt der Zünsler und tötet die Pflanze. Quelle: Kobel-Höller
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Region Teltow

Der Buchsbaum kämpft ums Überleben, auch in der Region Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf bemühen sich Hobbygärtner und Profis darum, dass er nicht aus dem Gartenbild verschwindet. Doch sie treten gegen zwei mächtige Feinde an – ein Insekt und einen Pilz.

Der Buchsbaumzünsler ist eine hungrige Raupe, die sich durch die Vorgärten frisst und dadurch enorme Schäden anrichtet. „Ich kenne niemanden mit Buchsbäumen, der nicht betroffen wäre – egal, ob hier in der Region, in Berlin oder in Falkensee“, sagt Jörg Wolgem aus Kleinmachnow. „Und bei vielen ist es schon zu spät, sie mussten ihre Pflanzen schon entsorgen.“ Er selber hat vier Büsche, die alle befallen sind. Nachdem er sie geschnitten hatte, seien einige der äußeren Blätter gelb geworden. Als er genauer nachgesehen habe, hätte er sofort Raupen gesehen. „Im Inneren der Büsche war viel mehr abgefressen, als man von außen erkennen konnte“, schildert er seine erste Begegnung mit dem Schädling. Seitdem beschäftigt er sich mit der Rettung seiner Pflanzen: Die Raupen werden von ihm abgesammelt, die spinnennetzartigen Nester und Eier mit einem harten Wasserstrahl abgespritzt und die Büsche mit einem chemischen Mittel behandelt.

So sieht der Buchsbaumzünsler aus – eine gefräßige Raupe. Quelle: Wolgem

Walter Engel, Schädlingsbekämpfer aus Teltow, kennt das Problem. Der erste große Befall in der Region ist ihm aus dem Sommer 2007 bekannt. Durch die milden Winter könnten die Tiere mit dem Legen ihrer Eier immer früher starten, erklärt er, was die Invasion verstärken würde. Da sich unser Klima dem in China und Südkorea angleiche, würden sich die von dort eingebrachten Arten bei uns immer besser zurechtfinden. Mit den neuen Pflanzen würden die alten Bekämpfungsmittel, die im freien Handel erhältlich seien, teilweise wirkungslos. Außerdem würde es nicht ausreichen, wenn die Anwohner alleine aktiv werden: „Es muss die komplette Nachbarschaft mitziehen.“ Engel empfiehlt außerdem, dass mit Einsetzen des Frostes – bei konstanten Temperaturen unter 5 Grad – die Buchsbäume und die umliegenden Pflanzen genau nach Gespinsten abgesucht und davon befreit werden sollen. So könne ein Befall verhindert werden, sagt er.

Ein gemeinsames Vorgehen ist jedoch nicht ganz so einfach – zumindest, wenn es über die Nachbarschaft hinausgehen sollte. Da es keine Meldepflicht für den Schädling gibt, haben die Kommunen keine Übersicht, welche Areale genau betroffen sind. In Stahnsdorf etwa wurde zwar auf der gemeindeeigenen Internetseite über den Zünsler informiert und es liegen auch Informationsflyer im Rathaus aus, doch es sind keine flächenübergreifenden Maßnahmen geplant, erklärt Gemeindesprecher Stephan Reitzig: „Dafür gibt es einerseits keine gesetzliche Grundlage und andererseits geht von dem Insekt keine Gefahr aus wie beispielsweise beim Eichenprozessionsspinner.“ Er verweist Privatgärtner auf „Mittel zur Behandlung betroffener Pflanzen aus dem Baumarkt“.

Schmetterling aus Ostasien

Der Buchsbaumzünsler ist ein kleiner, weiß-brauner Schmetterling, der Anfang des 21. Jahrhunderts aus Ostasien nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. In Deutschland trat er 2006 das erste Mal auf.

Die Raupen sind grün mit weißen und schwarzen Streifen, schwarzen Punkten und weißen Borsten. Sie können Fäden zum Verkleben der Blätter bilden und verursachen Kahlfraß bei Buchsbäumen.

In Ostasien bildet er drei bis vier Generation im Jahr, in Mitteleuropa mindestens zwei. Die Raupen der letzten Eiablage im Jahr überdauern in Kokons zwischen den Blättern oder in Ritzen in der Nähe der Pflanze. Ab Temperaturen von 7 Grad beginnen sie im Frühjahr ihre Entwicklung.

Auch auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof findet sich kaum mehr ein Buchsbaumstrauch. Nur ein paar schöne Solitärpflanzen gibt es noch, und ein paar große Büsche. „Der Buchsbaum ist weg“, bringt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt es auf den Punkt. Doch während die Hobbygärtner dutzende grüne Raupen aus den Büschen sammeln, hat Ihlefeldt einen anderen mächtigen Gegner: einen Pilz mit dem Namen Cylindrocladium buxicola. Seit 2004 tritt dieser Schädling in Deutschland auf. Ihlefeldt ist geknickt: „Auch uns betrifft es flächendeckend. Alle neuen, importierten Arten sind befallen, nur die alten, robusten Sorten nicht. Ist erst einmal eine kleine Ecke blass, ist innerhalb von zehn Tagen die ganze Hecke weg, da ist nichts zu retten“, sagt er. Befallene Teile werden entfernt und separat gelagert, nicht kompostiert, damit die Sporen, die mindestens vier Jahre überdauern können, nicht später wieder über das Erdreich verteilt werden, und dann möglichst verbrannt.

Er und sein Team würden keinen Buchsbaum mehr verwenden und Kunden davon abraten. „Es gibt Ersatzmöglichkeiten, die dem Buchsbaum ähnlich sehen, etwa Ilex crenata.“ Dieser Strauch wird mittlerweile deutschlandweit verwendet. Die Folge aus der Umstellung: „Die Baumschulen sind jetzt leer“, so Ihlefeldt. Schließlich würde es dauern, bis die Pflanzen gewachsen sind. „Auch Schloss Sanssouci, der Berliner Tierpark und andere große Anlagen warten darauf, dass sie Lieferungen bekommen.“ Das Problem an dem Ersatz ist aber, dass es sich dabei auch um einen Import aus dem Mittelmeergebiet handelt, der sich erst bewähren muss. Durch das Sterben des Buchsbaumes würde sich aber auf jeden Fall das Friedhofsbild verändern, ist Ihlefeldt überzeugt. Er spricht von alternativen Bodendecker-Bepflanzungen wie Gräsern, Farnen und großen Stauden, aber auch von Mischhecken, an denen das ganze Jahr über etwas blüht und in denen Vögel Nistplätze finden können.

Von Konstanze Kobel-Höller

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