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Galgenvögel und Galgenpoesie

Vernissage in Werder Galgenvögel und Galgenpoesie

Am Wochenende ist die neue Ausstellung in der Turmgalerie auf der Bismarckhöhe in Werder eröffnet worden. Sie trägt den fantasievollen Namen „flügel flagel“ und wurde von den Werderaner Galgenvögeln zum 700. Geburtstag der Blütenstadt zusammengestellt. Gemeinsam hat man die Künstler vorher noch nie in einer Schau sehen können.

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Linoldruck „Einsame Hemmed“ von Günter Ihle.

Quelle: Edith Mende

Werder. Als klein, aber wirklich fein kann man die Ausstellung charakterisieren, die am Samstagnachmittag in der Turmgalerie der Bismarckhöhe in Werder und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Morgenstern-Literatur-Museum eröffnet wurde. Die Nähe ist nicht nur räumlich. Die fünf Künstler, die sich vor acht Jahren als „Galgenvögel“ zusammenschlossen – in direktem Bezug zu dessen Galgenpoesie – erkennt man schnell als Morgensterns Brüder im Geiste. Schon der Titel „flügel flagel“ weist darauf hin.

Günter Ihle beispielsweise behandelte Morgensternsche Texte kalligraphisch. Da flattert neben dem in Linol geschnittenen Gedicht unter anderem das „Einsame Hemmed“ oder in Anlehnung an „Fisches Nachtgesang“ begegnet man zwei „Singenden Bismarckheringen“. „In den Drucken spricht der Dichter durch mich“, erklärte Ihle dem zahlreichen Vernissage-Publikum. Ann-Louise Schwieger, die zweite im Bunde der Galgenvögel, ist Schwedin, fand in Werder ein zeitweiliges zweites Zuhause. In schwedischer Übersetzung kannte sie Morgenstern nicht, sagt sie. Sie habe ihn durch die Werderaner Künstlerkollegen kennengelernt und sich von ihm inspirieren lassen. Palmströms Bilder nennt sie ihre in leuchtenden Farben bemalten Kunstwerke auf Papptellern, aus denen menschliche Gesichter wie auch geheimnisvolle Fabelwesen blicken. „Die Künstlerin in ihrem Lauf hält weder Werder, Ochs noch Esel auf“, reimte Grit Rademacher für ihre Grafik „Autobiografisch“: In Siegerpose steht eine Frau auf einem Podest, das an eine dreietagige Hochzeitstorte erinnert. Die Turtelunke, die Quallenwanze, das Rhinozeponny oder der Süßwassermops sind nur einige der Fantasietiere, die Grit Rademacher grafisch zum Leben erweckte.

Die Fotografin Andriotta A. Wonka zeigt reizvolle morbide Motive, etwa Ornamente, Spitzen oder Türschlösser eines vom Rost schon fast verzehrten eisernen Zauns. Sie tragen Titel wie „Der Gaul“, „Das Gebet“ oder einfach nur „Nein“. Da steht der Betrachter, schaut und sinniert. Frank W. Weber hat seine grafischen Arbeiten aus geometrischen Grundformen komponiert: Kreis, Dreieck, Quader, Quadrat. Der erste Blick ist Sachlichkeit, der zweite löst Schmunzeln aus. Denn sein Bahnhofsvorstand, seine Allee, das Knie oder der Zwischenraum (im Lattenzaun) sind so übertrieben sachlich, dass sie ins Komische kippen. E. M.

Info: Die Ausstellung ist bis zum 25. Mai zu sehen. Zum Baumblütenfest täglich von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr. Danach an den ungeraden Sonntagen.

Von Edith Mende

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