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Gastronomen-Familie übernimmt die Burg

Rabenstein Gastronomen-Familie übernimmt die Burg

Nach dem überraschenden Ausstieg des Arbeitsförderungsvereins aus dem langjährigen Pachtvertrag geht die Burg Rabenstein zum Januar in private Hände über. Die Gemeinde verpachtet ihre Festung an eine Berliner Gastronomen-Familie. Für die Übernahme ist aber noch einiges zu regeln.

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Etablierte Burgspektakel für Touristen und Einheimische soll es auf Rabenstein auch nach dem Betreiberwechsel geben.

Quelle: Stefan Specht

Raben. Die Burg Rabenstein hat ab Januar einen privaten Pächter. Unter den am Ende noch drei Bewerbern erhielt die Familie um den Berliner Gastronomen Christian Ebert den Zuschlag der Gemeindevertreter von Rabenstein/Fläming. Mehr als drei Stunden hatten sie am Dienstagabend über die Zukunft ihrer Burg debattiert.

Wie berichtet, hatte der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark (AAfV) überraschend seinen seit 1998 bestehenden Pachtvertrag für die Burg mit der Gemeinde vorzeitig zum Jahresende gekündigt. Er sollte eigentlich bis 2031 laufen. Angesichts der vom AAfV im Januar 2016 erlangten Gemeinnützigkeit passten mit Risiken behaftete Geschäfte nicht mehr ins Konzept. Eveline Vogel vom Vereinsvorstand bat bei der Sitzung in Klein Marzehns nochmals persönlich um Entlassung des AAfV aus dem Vertrag zum Jahresende. In den letzten zwei Jahren habe der Verein mit der Burg ein Defizit eingefahren.

Neuer Pächter der Burg Rabenstein im Fläming ist ab Januar 2017 der Berliner Gastronom Christian Ebert (2

Neuer Pächter der Burg Rabenstein im Fläming ist ab Januar 2017 der Berliner Gastronom Christian Ebert (2. v. l.) Er will die kommunale Burg mit Cousine Annette Ebert betreiben. Seine Tochter Marie Luise Ebert (li.) und Ralf Rafelt, Bürgermeister der Gemeinde Rabenstein/Fläming, gratulierten zum Zuschlag durch die Gemeindevertretung.

Quelle: Thomas Wachs

Einige Abgeordnete hatten die Pacht bis Ende März verlängern wollen. Denn so lange soll der bisherige Pächter nun Zeit haben, um Renovierungsarbeiten zu erledigen und Inventar auszuräumen. Details regelt eine mit der Amtsverwaltung Niemegk nach einer Inventur ausgehandelte Vereinbarung. Demnach sollen Einbauten im Wert von rund 61 000 Euro an die Gemeinde übergehen. Diese soll im Gegenzug auf einen Großteil der nötigen Instandsetzungsarbeiten im Wert von 91 500 Euro verzichten, die der AAfV noch leisten müsste. Der Verein soll bis April aus diesem Volumen lediglich noch Malerarbeiten im Wert von 25 000 Euro erledigen.

Drei Bewerber am Start

Um die Burg Rabenstein bewarben sich neben der letztlich erfolgreichen Familie Ebert aus Berlin zwei weitere Interessenten.

Aus der Region stellten sich Bernd und Hendrik Hänig sowie Bastian Tänzer aus Bad Belzig vor. Sie betreiben als Gründer einer Bürgergenossenschaft den Zeltplatz in Rädigke.

Auf der Burg wollten sie neben etablierten Veranstaltungen und Gastronomie auch Seminare zur Natur- und Umweltbildung für Erwachsene und Kinder bieten, um die Herberge auch unter der Woche auszulasten.

Dritter Bewerber war Markus Frerich aus Varel in Norddeutschland. Er hat das Thema Mittelalter für sich vom Hobby zum Beruf als Veranstalter gemacht. Auf Rabenstein wollte er dazu ganzjährig Mottoveranstaltungen mit Kostümzwang anbieten.

Die Nachfolger billigen diesen fließenden Übergang. „Im Januar würden wir für Vorbereitungen ohnehin schließen wollen“, sagte Annette Ebert.

Die Gemeinde will ihre neuen Pächter unterstützen, kündigte Bürgermeister Ralf Rafelt an: „Uns ist am langfristigen Erhalt und einem wirtschaftlichen Erfolg der Burg als Touristenziel für die Region gelegen.“ Unter anderem ist vorgesehen, die nun drastisch angehobene Pachtforderung schrittweise und in Abhängigkeit von der Entwicklung zu erhöhen. Statt 12 000 Euro im Jahr muss der neue Pächter am Ende 90 000 Euro an die Gemeinde überweisen. „Das entspricht einer kostendeckenden Pacht“, sagte Amtschef Hemmerling.

Die neuen Betreiber setzen auf bürgerliche Gastronomie mit regionalen Produkten. „Wir wollen für Einheimische interessant sein, aber auch Berliner und Touristen locken“, sagte Christian Ebert. Er sei seit 30 Jahren Küchenmeister in Berlin und betreibt dort das Restaurant Ebert als Familienbetrieb. In Mörz baut er sich gerade einen Bauernhof zum Zweitwohnsitz aus.

Acht Interessenten forderten Exposé ab

Veranstaltungshöhepunkte sollen beibehalten und durch neue Angebote zum Naturtourismus ergänzt werden. Der langjährige Herbergsleiter Fritz Lintow aus Raben soll wieder zum Team gehören, so Ebert. Betreiben will er die Burg gemeinsam mit seiner Cousine Annette Ebert. Auch sie habe Erfahrungen in der Gastronomie.

„Dieser Aspekt fehlte mir bei den anderen Bewerbern“, sagte Florian Schulze, Abgeordneter aus Raben. „Auch hätte ich mir mehrere Interessenten gewünscht.“ Auf eine Ausschreibung der Amtsverwaltung Niemegk hin gab es acht Interessenten, die das Exposé angefordert hatten. „Einige sprangen ab. Am Ende blieben die drei, wie wir einladen konnten“, sagte Amtsdirektor Thomas Hemmerling der MAZ.

Für den seit zwölf Jahren als Koch tätigen Antoine Heitz und seine Lebenspartnerin, Susan Fricke, als Restaurantleiterin endet die Zeit auf der Burg nach der Silvesterparty und dem Konzert des Keimzeit-Akustik- Quintetts am ersten Januar-Wochenende. Alle Mitarbeiter sind bereits gekündigt. Angst um ihre berufliche Zukunft haben beide dennoch nicht. „Wo eine Tür zu geht, geht auch eine neue auf“, sagte Antoine Heitz noch am Abend direkt nach der Entscheidung der Gemeindevertreter der MAZ.

Von Thomas Wachs

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