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Potsdam-Mittelmark Gedenken an Tote im KZ Roederhof
Lokales Potsdam-Mittelmark Gedenken an Tote im KZ Roederhof
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02:15 06.05.2017
Gedenken mit den Gästen aus dem Ausland. Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

„Menschen der Welt, setzt Euch ein für das Leben“ – mit einem Lied aus Neuseeland hat die Gesangsgruppe „Einklang“ am Mittwochabend einen optimistischen Schlusspunkt für das Gedenken anlässlich des 72. Jahrestages der kampflosen Übergabe von Belzig an die Rote Armee gefunden. Wohl mehr als 80 Teilnehmer, darunter viele junge Leute, waren zu der traditionellen Veranstaltung in den Grünen Grund gekommen. Sie legten Blumen am Gedenkstein mit der Aufschrift „Die Toten mahnen uns“ nieder.

„Die Gefahr des Verdrängens und Vergessen ist groß“, sagte Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos). Und das obwohl es schon viele Inschriften dieser Art auf Tafeln und Stein nach vorangegangenen Kriegen gegeben habe und wie heutzutage in den Berichten von den Krisenherden der Welt oder von lokalen Schauplätzen des Links- und Rechts- sowie religiös motiviertem Radikalismus zu sehen ist. Er warb daher für Wertschätzung sowie Toleranz im persönlichen Umgang miteinander. Für ihn war es das erste Mal, dass er als Stadtoberhaupt zu dem historischen Anlass gesprochen hat. Für nachfolgende Generationen komme es seiner Ansicht nach darauf an, dass ihnen die Lehren der Geschichte im passenden Format vermittelt werden.

Erich Tschetschog und Artur Krause verhinderten weiteres Blutvergießen

Roland Leisegang erinnerte an die Ehrenbürger Pfarrer Erich Tschetschog und Lehrer Artur Krause, die am 3. Mai 1945 weiteres Blutvergießen und Zerstörung verhindert hatten, indem sie mit weißen Fahnen signalisierten, dass es keinen Widerstand geben wird. Gleichwohl waren noch Opfer zu beklagen. Aus dem zum KZ Ravensbrück gehörenden Außenlager Roederhof hatten 600 gefangene Frauen am 24. April 1945 nach Altengrabow marschieren sollen. Mehr als ein Drittel überlebte das Martyrium nicht. Von den 72 zurückgelassenen Inhaftierten erlebten nur 63 die Befreiung.

Nachfahren am Grab der KZ-Opfer

Unter den Toten Maria Aerts, 24 Jahre aus Belgien. Ihre Nichte Elena Rens war wieder zu Gast und bedankte sich aufrichtig: „Sie geben den Menschen die Würde zurück.“ So sah es auch Nicole Hooper, die zum zweiten Mal vor Ort war, um ihrer 1944 in Belzig ums Leben gekommenen Mutter Jeanne-Marie Poislewy zu gedenken.

Aus der Vergangenheit ein Plädoyer für Gegenwart und Zukunft abzuleiten, dafür hatte sich Julia Strehler entschieden. Die Schauspielerin zitierte aus dem Werk „Über die Dörfer“ von Peter Handke. „Wartet nicht auf den nächsten Krieg, um geistesgegenwärtig zu werden“, heißt es darin.

Von René Gaffron

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