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Grenz-Durchbruch endete am Betonkopf

Gedenkstätte in Dreilinden erhielt bislang schwerstes Exponat. Grenz-Durchbruch endete am Betonkopf

Die Erinnerungs- und Begegnungsstätte Grenzpunkt Drewitz-Dreilinden erhielt am Montag ihr bislang wohl schwerstes Exponat. Ein Kranwagen lud an der Straße zur Gedenkstätte ein Gegenlager eines Sperrschlagbaumes ab. Der zweieinhalb Tonnen schwere Betonklotz war bereits im vorigen September in einer Kiesgrube gefunden worden.

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Ein Bruchstück der Grenzsperre jetzt am „Checkpoint Bravo“ im Europarc Dreilinen: Wolfgang Bernhardt, Peter Boeger und Jörg Kirchhoff (v. l.) begutachten das Fundstück.

Quelle: Friedrich Bungert

Dreilinden. Ihr bislang wohl schwerstes Exponat – außer dem ehemaligen Kommandantenturm vielleicht – hat die Erinnerungs- und Begegnungsstätte Grenzkontrollpunkt Drewitz-Dreilinden am Montagmorgen erhalten. Mitarbeiter eines Potsdamer Holzhandelsunternehmens luden an der Straße zur Gedenkstätte ein einstiges Gegenlager eines Sperrschlagbaumes vom Typ „Salzwedel“ ab. Den zweieinhalb Tonnen schweren Betonblock fanden Jörg Kirchhoff, Mitinhaber der Brauerei Forthaus Templin, und der frühere Denkmalpfleger der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark, Wolfgang Bernhardt, bereits im September 2015 in einer Kiesgrube der Bauzuschlagstoffe & Recycling (BZR) GmbH zwischen Potsdam und Caputh. Kirchhoff ist Jagdpächter dieser Kiesgrube.

Das Fundstück soll von der Grenze an der Glienicker Brücke stammen

„Der Betonklotz weist eine alte Reparatur auf, die nach einem versuchten Grenzdurchbruch vorgenommen worden sein muss“, sagt Bernhardt. Es gebe Hinweise, dass sich die Originalanlage am einstigen Grenzkontrollpunkt auf der Glienicker Brücke in Potsdam befunden haben könnte. Nach dem Fall der Mauer hatte auch die BZR den Auftrag, die Grenzanlagen abzubauen und den nicht wieder verwertbaren Bauschutt zu entsorgen. Am Grenzkontrollpunkt Drewitz-Dreilinden gab es jeweils zwei Spuren in beide Richtungen, so dass Peter Boeger, Leiter der Arbeitsgruppe Regionalgeschichte beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und Vorsitzender des Vereins Checkpoint Bravo, davon ausgeht, dass auch bei Kleinmachnow vier Sperrschlagbäume aufgestellt worden waren.

Die waagerecht ausschwenkbaren Anlagen waren sehr massiv und mit einem Gegengewicht ausgeführt worden, in das der Schlagbaum von vorn wie in ein Schloss einrastete. Diese Schwenksperren galten als undurchbrechbar. Beim Aufprall eines Fahrzeuges mit einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 60 km/h wurde der Schlagbaum nur geringfügig verformt, während die Fahrzeuginsassen nicht selten tödliche Verletzungen erlitten.

Familien der Opfer wurden belogen

„Dann wurde der Bereich sofort abgesperrt, damit der übrige Transitverkehr nicht mitbekam, was passiert war. Den betroffenen Familien wurde nur kurz mitgeteilt, dass ihre Angehörigen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen wären. Nähere Angaben zum Unglücksort oder zu den Umständen wurden nicht gemacht, berichtet Boeger.

Ob und wie viele auf diese Weise an der Grenzübergangsstelle Drewitz-Dreilinden starben, ist kaum zu ermitteln. „Die Recherchen in den Archiven sind schwierig. Die Fälle wurden nicht an Orten, sondern an Personen festgemacht“, meint der Vereinsvorsitzende.

Die DDR fürchtete um ihr Image

Mit dem Ausbau der Wirtschaftskontakte zu den westlichen Ländern in der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre wurden die schweren Anlagen des Typs „Salzwedel“ gegen leichtere Varianten ausgetauscht. Die DDR fürchtete vielleicht auch um ihr Image.

Zeugen immer gesucht

Von den schwächeren Sperren gibt es bislang in Berlin-Brandenburg kein einziges Bauteil.

Die ersten Exponate des Vereins waren Waffen aus Gummi, wie eine Nachbildung einer Pistole „Makarow“ und eines Messers. Damit sollen Spezialtruppen die Verteidigung der Grenzanalgen gegen mögliche Terroranschläge des Westens trainiert haben.

Zeitzeugen sollten sich unter www.checkpoint-bravo.de melden

Von Heinz Helwig

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