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Potsdam-Mittelmark Gegen Hendricks, Wölfe und Spekulanten
Lokales Potsdam-Mittelmark Gegen Hendricks, Wölfe und Spekulanten
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00:17 23.02.2017
Schlechte Ernten und die Milchpreiskrise machen den Landwirten das Leben schwer. Quelle: dpa-Zentralbild
Mittelmark

Gulasch zum Mittag: Schon das könnte als Protest gegen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verstanden werden, die durch eine umstrittene Plakataktion und das Fleischverbot bei Gästemenüs im Ministerium die Wut deutscher Landwirte auf sich zieht. Auf der Jahresmitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark am Montag in der Heimvolkshochschule Seddiner See mit 99 Teilnehmern sprach Verbandsvorsitzender Jens Schreinicke von einer besorgniserregenden „Stimmungsmache gegen den gesamten Berufsstand“ und „politischem Unfug. Auf welches Niveau begibt sich eine Bundesministerin mit ihrem Gefolge. Diese Sprüche und Pseudo-Wahrheiten sind ein Schlag in das Gesicht von Tausenden verantwortungsvoll arbeitenden Landwirten“.

Kreisbauernverbandschef Jens Schreinicke mit Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig am Montag an der Heimvolkshochschule Seddiner See. Dort kamen fast 100 Landwirte aus der Region zusammen, um über einen Forderungskatalog an die Politik zu diskutieren. Quelle: Marion von Imhoff

Landrat Wolfgang Blasig (SPD) springt den Bauern bei: „Die Botschaft impliziert, Fleischproduktion sei umweltschädlich und die Produktion von vegetarischen Produkten nicht. Das ist eine Verkürzung, die ich so nicht akzeptieren kann.“ Blasig: „Wir wollen in Potsdam-Mittelmark die Balance zwischen Naturschutz, Belangen des Marktes und der Landwirtschaft und nicht populistischen Strömungen hinterherlaufen“. Mit Blick auf die drohende verschärfte EU-Düngeverordnung sagte der Landrat: In Gebieten mit hohen Viehbeständen müsse dies anders gehandhabt werden als im Land Brandenburg und Potsdam-Mittelmark mit geringeren Viehbeständen. Blasig fordert vom Gesetzgeber mehr Augenmaß .

Die Mitgliederversammlung nach dem „wohl schwersten Jahr für den Berufsstand nach der politischen Wende“, so Schreinicke, war ein Rundumschlag zu allen Themen, die den Bauern derzeit auf den Nägeln brennen. Der niedrige Milchpreis, die steigende Zahl von Wölfen in der Mark und die Viehrisse durch das Raubtier, die schlechten Ernten 2016, die geplante Novelle des brandenburgischen Wassergesetzes. „Trotz der gedrückten Stimmung möchte ich unseren Landwirten Mut zusprechen“, so Schreinicke. „Wir Landwirte sind für Veränderungen offen. Das verlangt aber einen fairen Umgang, konstruktiven Dialog und vor allem Vertrauen“. Bei der Novelle des Wassergesetzes fordern die Landwirte eine in ihren Augen gerechtere finanzielle Belastungsverteilung. Eine Lösung sei absehbar, sagte Gastrednerin Saskia Ludwig, CDU-Bundestagskandidatin.

Ernst Ruden, Landwirt im Ruhestand aus Fahrland bei Potsdam, klagte über den hohen Bestand an Wildschweinen, die rund um die Döberitzer Heide große Schäden in der Agrarwirtschaft anrichteten. Quelle: Marion von Imhoff

Tagungsleiter Gerhard Ullrich von der Brielower Agrar GmbH verwies auf die im Herbst eingestellte Milchproduktion in seinem Betrieb: „Ich hoffe, dass der Preis auf 40 Cent und mehr steigt, doch der Glaube daran fehlt.“ 2014 sackte der Milchpreis auf 28 Cent pro Liter, „dann blieb er so bis Oktober 2016“. Derzeit liegt er bei 29 bis 30 Cent je Liter Grundpreis.

Mit einem Forderungskatalog wandten sich die Landwirte an die Politik – dazu zählt: Beachtung der Wirtschaftlichkeit bei Tierwohlkriterien, die Wolfspopulation zu begrenzen durch Abschüsse. Die Landwirte kämpfen zudem für ein Vorkaufsrecht von Boden als Mittel gegen Spekulanten.

In der Region um die Döberitzer Heide „fügen uns 3000 Wildschweine massive Schäden zu“, klagte Ernst Ruden aus Fahrland. Schreinicke: „Was passiert, wenn Artenschutz ausufert und das natürliche Gleichgewicht ausgehebelt wird, erleben wir in der Döberitzer Heide. Tausende Wildschweine verwüsten im Norden Potsdams die Äcker. Das ist nicht hinnehmbar.“ Schwarzwild müsse in Problemzonen stärker bejagt werden.

Im Kreisbauernverband ist die Zahl der Mitglieder leicht rückläufig. Grund dafür sind laut Schreinicke Betriebsaufgaben und Verkäufe. Auch deswegen wirbt der Verband um neue Mitglieder. 234 Betriebe sind in der Interessenvertretung organisiert, 18 weniger als noch 2014. Die Mitgliedsfläche sank von 71431 Hektar auf 70040 und die Zahl des Viehbestandes von 28 542 auf 27 237.

Von Marion von Imhoff

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