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Gemeinde lehnt Kauf der Station ab

Michendorfer Bahnhof bleibt Ladenhüter Gemeinde lehnt Kauf der Station ab

Enttäuschung bei vielen Michendorfern: Die Gemeinde lehnt den Kauf des imposanten Bahnhofsgebäudes ab. Die Kosten seien unkalkulierbar, so entschied jetzt eine Mehrheit in der Gemeindevertretung. Nutzer, wie die Betreiberin der Bahnhofsgaststätte, sind verunsichert. Sie wissen nicht, wie es mit dem Haus weitergehen soll.

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Michendorfer Bahnhof steht zum Verkauf.

Quelle: Christel Köster

Michendorf. Wendung im Ringen um den Kauf des Michendorfer Bahnhofs: Die Kommune wird das Stationsgebäude nicht kaufen. Das hat die Gemeindevertretung am Montag hinter verschlossenen Türen entschieden. Elf Gemeindevertreter votierten gegen den Bahnhofskauf, acht stimmten dafür. Die Kommune hatte im Vorfeld bei der Deutschen Bahn ihr Kaufinteresse bekundet, die Abgabe eines konkreten Kaufangebots war aber abhängig von einem Beschluss im Gemeindeparlament. Nach dem Nein wird der Bürgermeister nun der Bahn mitteilen, dass Michendorf kein Angebot abgibt.

Mieter im Bahnhofsgebäude, die auf ein Engagement der Kommune gehofft hatten, reagierten enttäuscht. „Es hat den Anschein, dass sich nicht alle in der Gemeindevertretung mit der Sache richtig auseinandergesetzt haben“, sagte Jennifer Henke, die das Bahnhofslokal „Schneiders“ betreibt. Ortsvorsteher Hartmut Besch (FDP) sprach von einem Fiasko für Michendorf. „Es wäre die Chance gewesen, am Eingangstor eine ordentliche Visitenkarte für die Kommune zu schaffen“, so Besch. Weil die Entscheidung im nichtöffentlichen Sitzungsteil fiel, hielten sich Abgeordnete weitgehend bedeckt. Unter den Kaufgegnern war die Rede von unvorhersehbaren finanziellen Risiken, die mit einem Erwerb verbunden seien. Man wisse nicht, wie viel Geld insgesamt in das Gebäude gesteckt werden müsse und ob sich die Investitionen refinanzieren lassen. Der Sanierungsaufwand sei erheblich, die Gemeinde habe schon genug Sorgen mit Sanierung und Unterhaltung ihrer jetzigen kommunalen Häusern, hieß es. Auch die Befürchtung, der Bahnhof könnte dauerhaft ein Zuschussgeschäft sein, wurde geäußert.

Dem Vernehmen nach hatte ein von der Gemeinde beauftragter Gutachter den Sanierungsaufwand auf über eine Million Euro geschätzt. Eine Summe, die Befürworter des Bahnhofskaufs stark anzweifelten. Der Sachverständige hatte zudem einen Verkehrswert für den Bahnhof in Höhe von 114 000 Euro ermittelt. Das ist deutlich weniger als der Wert, den ein von der Bahn beauftragtes Gutachten ergab. Abzüglich von möglichen Brandschutz- und Sanierungskosten will die Bahn dem Vernehmen nach etwa 370 000 Euro für den Michendorfer Bahnhof haben. Hinter verschlossen Türen hatte die SPD den Antrag gestellt, 250 000 Euro als Kaufgebot abzugeben, was die Mehrheit ablehnte. „Wir haben die 250 000 Euro Kaufsumme für vertretbar angesehen, weil der Bahnhof von großer Bedeutung für die Gemeinde ist“, sagte SPD-Fraktionschef Volker-Gerd Westphal. „Es ist das Eingangstor von Michendorf. Hier ist die Chance vertan worden, zu einer strukturierten, gesteuerten Entwicklung der Kommune zu kommen“, so Westphal, der auf die Stadt Beelitz verweist, die stadtbildprägende, marode Häuser aufgekauft, saniert und vermietet hat. Westphal glaubt, dass sich über die Vermietung des Bahnhofs Investitionen langfristig refinanzieren lassen.

Michendorfer Bahnhofsgeschichte

Die Geschichte des Bahnhofs beginnt 1879, als durch den Bau der Wetzlarer Bahn von Berlin in Richtung Sachsen-Anhalt ein Haltepunkt in Michendorf entstand.

Im Jahr 1889 wurde der Haltepunkt zu einer Station mit Bahnhofsgebäude erweitert, weiß Heimatforscher Hans-Joachim Strich.

Seine jetzige Gestalt erhielt der Bahnhof 1913/14. Seit drei Jahren steht das Michendorfer Stationsgebäude unter Denkmalschutz.

Die Deutsche Bahn hatte 2013/14 etwa 1,5 Millionen für den barrierefreien Ausbau der Bahnsteige investiert, die nun auch mit Lift erreichbar sind.


Im Gebäude befinden sich sechs Wohnungen und zwei Gewerberäume – das beliebte Lokal „Schneiders“ von Jennifer Henke und Praxisräume der Psychotherapeutin Angelika Winkelhofer.

Beide Mieter hatten im Vorfeld der Gemeinde angeboten, einen Teil der Renovierungskosten für ihre genutzten Bereiche selbst zu übernehmen.

In der Ablehnungsfraktion hieß es, die Kaufbefürworter hätten kein tragfähiges Konzept darstellen können. Geplant war , Fahrradverleih, Touristen-Information und eine öffentliche Toilette einzurichten. Lokalbetreiberin Jennifer Henke wollte zudem einen Kiosk mit Fahrkartenverkauf übernehmen. Was aus den Bahnhofsmietern wird, die ihre Kündigung erhalten haben und derzeit geduldet sind, ist ungewiss. Ein eigenes Kaufangebot werden sie nicht abgeben. „Das übersteigt meine Möglichkeiten“, so Henke. „Wir hoffen, dass der neue Eigentümer ein Interesse hat, die Mieter zu halten und auch das Gemeindewohl mit im Blick behält“, sagte sie.

Von Jens Steglich

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