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Generalstaatsanwalt erhält Steinmeier-Wahlkreis

Bundestagswahlkampf Generalstaatsanwalt erhält Steinmeier-Wahlkreis

Die SPD schickt im Wahlkreis 60 Erardo C. Rautenberg ins Rennen um das Bundestagsmandat. Der Generalstaatsanwalt tritt die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier an. Bei der Delegiertenkonferenz am Freitagabend hatte sich überraschend einer der drei Bewerber zurückgezogen.

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Blumen für den Kandidaten: Erardo C. Rautenberg (2. v. r.) ist mit überwältigender Mehrheit am Freitagabend in Borkheide gewählt worden.

Quelle: Benno Rougk

Borkheide. Ein Geburtstagsgeschenk nach Maß: Erardo C. Rautenberg (seit Freitag 64) wird als Direktkandidat im Wahlkreis 60 für die SPD in die Wahl um das Direktmandat für den Bundestag am 24. September gehen. Überraschend hatte sich vor den 53 Delegierten in Borkheide (Potsdam-Mittelmark) der Konkurrent Erik Stohn unter dem Applaus des Publikums von eigenen Ambitionen verabschiedet. Er unterstütze statt dessen Rautenberg, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Stohn (33) unter stehenden Ovationen. Er wolle seine im Landtag begonnenen Projekte fortsetzen und beenden.

Stohn, wie Rautenberg Jurist, ist seit zwei Jahren im Landtag und hatte gehofft, auf der Karriereleiter schon früh den nächsten Schritt zu erklimmen. Die Kandidatur der Lokalpolitikern Lisa Price (55) aus Päwesin (Potsdam-Mittelmark) galt von Beginn an als aussichtslos. Rautenberg vereinte 49 Stimmen auf sich, auf Price entfiel eine Stimme. Es gab drei Enthaltungen.

Der plötzliche Wechsel Steinmeiers

Die Wahl Rautenberg zum Direktkandidaten war notwendig geworden, da der ursprüngliche Kandidat Frank-Walter Steinmeier überraschend zu Höherem berufen wurde. Der bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete für die Region war am 12. Februar zum Bundespräsidenten gewählt worden. Sein Amt als Staatsoberhaupt tritt Steinmeier am 19. März an. Steinmeier hatte sich Zurückhaltung auferlegt, was die Wahl eines Nachfolgers betraf. Allerdings posierte er durchaus freundschaftlich und gut gelaunt mit Rautenberg kurz nach Bekanntgabe von dessen Kandidatur für die Fotografen.

Bei seinem Abschied aus dem Wahlkreis kürzlich in Mötzow (Potsdam-Mittelmark) hat sich Frank-Walter Steinmeier (rechts) mit Erardo C

Bei seinem Abschied aus dem Wahlkreis kürzlich in Mötzow (Potsdam-Mittelmark) hat sich Frank-Walter Steinmeier (rechts) mit Erardo C. Rautenberg prächtig unterhalten.

Quelle: Benno Rougk

Die Personalie Steinmeier hatte auch die märkische SPD überrascht, die jetzt nur noch wenig Zeit hat, bis zur Bundestagswahl am 24. September einen Kandidaten in jenem riesigen Wahlkreis bekannt zu machen, der von Jüterbog über Bad Belzig und Brandenburg an der Havel bis Rathenow reicht.

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) hatte Rautenberg vorgeschlagen

Der in Brandenburg an der Havel lebende Rautenberg ist seit 1996 Generalstaatsanwalt und prägt seit zwei Jahrzehnten die Brandenburger Justiz mit. Es war Bildungsminister Günter Baaske (SPD) der den promovierten Juristen Mitte Januar „als Idealbesetzung“ öffentlich vorgeschlagen hatte. Der Jurist sei überregional bekannt und ein Experte für Themen, die die Menschen besonders bewegten: also Rechtsextremismus, innere Sicherheit und Gewalt. Er gilt allerdings nicht als Parteisoldat und scheute sich nicht, auch gegen SPD-Ikonen wie Regine Hildebrandt zu ermitteln.

Seit der Wende ist die der Wahlkreis 60, in dessen Zentrum die Stadt Brandenburg steht, in der Hand der SPD. Steinmeier war vor vier Jahren der einzige Abgeordnete im Land Brandenburg, der seinen Wahlkreis direkt gewonnen hatte. Nach seinem Abgang wittert die CDU Morgenluft. Sie schickt mit Dietlind Tiemann eine bekannte Oberbürgermeisterin ins Rennen, die sich seit Monaten als Gesicht des Widerstandes gegen die Kreisgebietsreform im Land Brandenburg in Szene setzt.

Gute Aussichten für die Sozialdemokraten

Für die Linke tritt will die parteilose Netz-Aktivistin Anke Domscheit-Berg den Wahlkreis holen, die AfD nominierte Klaus Riedelsdorf.

Nach einer aktuellen Prognose der Plattform election.de könnte die SPD gegenwärtig sieben der zehn Wahlkreise im Land direkt gewinnen – einen die Linke, zwei die CDU. Während in fünf der sieben Wahlkreise, in denen sich die SPD Hoffnung macht, ihr nur ein Vorsprung auszumachen ist, gilt in den Wahlkreisen 60 und 61 ein Sieg des Direktkandidaten als „wahrscheinlich.“

Nach Feierabend oft in Jeans und altem Parka

Wohl im Wissen darum hatte Tiemann bereits kurz vor der Delegiertenkonferenz begonnen, gegen Rautenberg zu sticheln. Wie sie der MAZ sagte, habe Rautenberg seine „Spezialstrecke im Juristischen“ und sie sei sicher „ich verliere den Wettkampf, wenn es darum geht, jeden Morgen frisch geföhntes Haar zu haben. Er ist ja ein Stück weit selbstverliebt.“ Rautenberg, den man nach Feierabend oft in Jeans und altem Parka sieht, quittierte dies gestern lachend. Er sei, so Rautenberg, „überzeugt, dass ich den Wahlkreis hole. Das sind wir Frank-Walter Steinmeier schuldig.“

Von Benno Rougk

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