Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° stark bewölkt

Navigation:
Generationenhaus mit Herberge und Hühnern

Wittbrietzen will Ortsmitte vollenden Generationenhaus mit Herberge und Hühnern

In Wittbrietzen soll die Ortsmitte vollendet werden. Der Plan sieht unter anderem vor, ein Mehrgenerationenhaus zu bauen, in dem die Kinder der Kita „Landwichtel“ genauso eine neue Heimstätte finden wie die Senioren. Vorgesehen ist außerdem ein Kräuter- und Obstgarten, eine offene Backstube und Kita-Hühner sollen auch gehalten werden.

Wittbrietzen 52.1838926 12.9900646
Google Map of 52.1838926,12.9900646
Wittbrietzen Mehr Infos
Nächster Artikel
Zwei Weltkriegsbomben erfolgreich gesprengt

Simone Spahn ruft ein Mal im Jahr zum Dorfputz auf.

Quelle: Jens Steglich

Wittbrietzen. Simone Spahn hat schon vor Augen, wie schön alles werden kann, wenn der Plan aufgeht. Der Plan, von dem hier die Rede ist, sieht nichts weniger vor als die Vollendung der Mitte von Wittbrietzen. Im Ort, der 2014 erstmals beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilnahm und auf Anhieb den zweiten Platz belegte, wurde eine Hälfte des Zentrums schon 2013 fertiggestellt. Dort, wo früher ein Stall und viel Sand war, stehen jetzt das Dorfgemeinschaftshaus mit Sommerhalle und Heimatstube und nebenan der Bürgerladen, der bereits 2011 neu eröffnet wurde.

„Linkerhand davon haben wir aber noch eine Dreckecke, und die soll verschwinden“, sagt Simone Spahn, Wittbrietzens Ortsvorsteherin. Die Schmuddelecke mit dem maroden Wohnhaus soll Platz machen für ein Mehrgenerationenhaus, in dem die Kinder der Kita „Landwichtel“, die derzeit noch abseits vom Schuss in einem früheren LPG-Gebäude betreut werden, genauso eine neue Heimstätte finden wie die Senioren. Auch ein Raum zum Sporttreiben und eine Herberge, in der Gäste übernachten können, sollen mit untergebracht werden. Das frühere Bürgermeisterbüro aus DDR-Zeiten wollen die Wittbrietzener in eine offene Backstube verwandeln. Den Backofen haben sie schon – er muss dann nur noch in die Backstube gebracht werden.

An seine Seite bekommt der Ofen noch einen Pflaumenmuskessel. „Wir haben entlang der Dorfstraße alte Obstsorten gepflanzt“, sagt die Ortsvorsteherin. Kirsch-, Apfel-, Pflaumen- und Birnbäume stehen dort. „Im Herbst ernten wir dann alle gemeinsam und verarbeiten das Obst in der Backstube“, so Simone Spahn. Das Ganze wird am besten noch mit dem Dorffest verbunden, wo es das frisch gebackene Brot mit Pflaumenmus oder Obstkuchen gibt, so der Plan, der noch mehr vorsieht. Auf der Fläche zwischen Mehrgenerationenhaus und Backstube sollen ein Kräuter- und ein Obstgarten angelegt werden. Und Hühner sollen auch gehalten werden. Die Ortschefin spricht schon von den Kita-Hühnern, um die sich die „Landwichtel“ kümmern. Die Kinder sollen schließlich mit echten Landleben aufwachsen. Die frisch gelegten Eier könnten auf dem Kita-Frühstückstisch landen oder im Obstkuchen, der nebenan in der Backstube entsteht. Der Plan ist zwar noch nicht unter Dach und Fach, aber bereits ziemlich konkret. Eine Planerin brachte ihn schon zu Papier. Und das marode Wohnhaus, das dem Mehrgenerationenhaus weichen soll, hat die Stadt Beelitz erworben, um die Mitte im Ortsteil vollenden zu können. Die Bauphase ist für 2018 und 2019 geplant, wenn die nötigen Fördermittel gewährt werden. Die Stadt will die Förderung im Herbst bei der Lokalen Aktionsgemeinschaft Fläming-Havel (LAG) beantragen. „Ich bin überzeugt, dass wir die LAG von unserem Projekt überzeugen können, weil es stimmig ist“, sagt Simone Spahn, die seit 2003 Ortsvorsteherin ist. Mit 29 Jahren war sie damals Brandenburgs jüngste Ortsbürgermeisterin. Nach Wittbrietzen hat sie die Liebe verschlagen, wo sie ihren Mann kennenlernte. Weit hatte sie es nicht: Simone Spahn ist im drei Kilometer entfernten Nachbarort Elsholz aufgewachsen. Beim Elsholzer Treckertreffen ist sie jedes Jahr mit dabei. Sie fährt mit dem Familien-Trecker, den der Schwiegervater einst gebaut hat.

Der Liebe ist es auch zu verdanken, dass es bei den Dorffesten jetzt Fischbrötchen gibt. Der Seddiner Fischer Mirko Mannheim lernte in Wittbrietzen seine Frau kennen und wohnt nun dort.

Überhaupt ist Ort ein Beispiel, bei dem die düsteren Bevölkerungsprognosen für Gebiete abseits des Speckgürtels daneben lagen. „Wir haben seit 2012 wieder Zuzug“, sagt die Ortsvorsteherin. In ihrem Dorf, das seinen Kaufladen nie verloren hat, leben 500 Menschen, von denen etwa 230 in Vereinen organisiert sind, die alle an einem Wappenbaum in der Dorfmitte präsentiert werden. Nur einen Karnevalsverein haben die Wittbrietzener nicht, aber dafür ein Männerballett und die „Fittbrietzener“ Sportfrauen, die sich mit Gymnastik fit halten. Mit dem nächsten Anlauf für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wollen die Wittbrietzener noch warten, bis die Ortsmitte vollendet ist. Dann werden auch noch ein paar Blumen mehr gepflanzt als beim letzten Mal, sagt die Ortsvorsteherin. 2014 hatte die Jury nur in einer Kategorie den Wittbrietzenern ein paar weniger Punkte gegeben – bei der Bepflanzung.

Wittbrietzener Ortsdaten

Das 1337 erstmals urkundlich erwähnte Wittbrietzen wurde am Fuße einer bewaldeten Sanderfläche in den Niederungen der Nieplitz gegründet.

Der Name „Brietzen“ leitet sich vom slawischen Wort für Birke ab, die Vorsilbe „Wyt“ bedeutet weiß. Die weiße Birke ziert heute noch das Wappen des Dorfes, das seit Ende 2001 ein Beelitzer Ortsteil ist.

Das Straßenangerdorf verblüfft durch ein buntes Vereinsleben. Fast die Hälfte der gut 500 Einwohner ist in Vereinen organisiert.

Größter Verein mit mehr als 120 Mitgliedern ist der Kultur- und Fußballverein Wittbrietzen, der aber auch den Pferdesport mit im Angebot hat.

Die Kultursparte des Vereins und die Freiwillige Feuerwehr stehen an der Spitze, wenn es darum geht, Dorffeste zu organisieren.

In Wittbrietzen ist regelmäßig im Frühjahr Dorfputz, bei dem Jung und Alt gemeinsam sauber machen. Wer nicht mehr so gut mit anpacken kann, bringt Essen und Trinken vorbei

Für einen guten Ton im Ort sorgt der 1926 gegründete Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde, dem auch die drei Tenöre angehören.

Wittbrietzens drei Tenöre heißen Detlef Fechner, Matthias Opitz und Rehlein. Rehlein ist eigentlich von kräftiger Statur. Sein Kosename ist in Wittbrietzen so weit verbreitet, das nicht viele wissen, wie er wirklich heißt.

Von Jens Steglich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg