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Georg Thimme ist weit mehr als nur der Pastor

MAZ-Pfarrer-Serie Georg Thimme ist weit mehr als nur der Pastor

Er spielt Instrumente, singt, fährt mit den Jugendlichen jedes Jahr nach Schweden, organisiert Projekte und ist als Wirtschafter für die Finanzen der Werderaner Kirchengemeinde verantwortlich. Pfarrer Georg Thimme (51) ist nach sieben Jahren in Werder angekommen, fühlt sich hier wohl, wie er sagt. In der MAZ-Serie „Unsere Pfarrer, unsere Kirchen“ erklärt er warum.

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Georg Thimme hat beim inklusiven Musicalprojekt „Linie 1“, das in diesem Jahr aufgeführt wurde, die Regie übernommen.

Quelle: Luise Fröhlich

Werder. Fünf Baruther Männern hat Georg Thimme (51) die Kunst des freien Predigens zu verdanken. Bevor der Pfarrer 2010 nach Werder kam, zog er acht Jahre lang in und um Baruth/Mark im Kreis Teltow-Fläming als Pastor übers Land. Was die Leute in Baruth interessierte, konnte ein Dorf weiter für die fünf Stammbesucher seiner Gottesdienste völlig bedeutungslos sein. Also begann er damit, seine Predigt spontan abzuwandeln und frei zu sprechen. „Als Berufsanfänger gehört dazu Mut und Gelassenheit. Je besser die Predigt vorbereitet ist, umso leichter fällt es“, sagt er. „Ich erlebe es aber auch immer wieder, dass einem der liebe Gott das Wort gibt, wenn es darauf ankommt.“

Eines seiner Hauptanliegen ist es, die Bibel auf vielfältige Art und Weise ins Gespräch zu bringen. Menschen zusammenbringen, ihnen Freiraum geben und gemeinsam die frohe Botschaft Gottes feiern, seien seine Herzensangelegenheiten – ob beim Gottesdienst, im Glaubenskurs, bei der Musicalaufführung oder der jährlichen Fahrt mit den Jugendlichen der Kirchengemeinde nach Schweden.

In West-Berlin aufgewachsen

Unterstützt wird Georg Thimme bei seiner Arbeit nicht nur von der Pfarrer-Kollegin Andrea Paetel-Nocke, sondern auch von mehr als hundert Ehrenamtlichen. Die Evangelische Heilig-Geist-Kirchengemeinde hat etwa 3000 Mitglieder, was sie „arbeitsfähig“ macht, wie Georg Thimme sagt. Die Freiwilligen helfen beispielsweise dabei, die Kirche zu schmücken und für den Gottesdienst vorzubereiten, den Gemeindebrief auszuteilen oder die Geburtstagsbesuche zu machen. „Ich fühle mich in Werder sehr wohl und schätze die Art und Weise, wie wir hier in der Gemeinschaft leben“, so der Musikliebhaber. Er selbst spielt Saxofon, Klarinette, ein bisschen Gitarre, etwas Mundharmonika und singt gerne. Schon als Jugendlicher war ihm Musik in seiner Heimatgemeinde in Berlin Lichterfelde sehr wichtig.

Georg Thimme wuchs in West-Berlin auf und eiferte letztlich nicht seinem Vater nach, der als Arzt sein Geld verdiente, sondern den anderen männlichen Vorfahren, die ebenfalls Pfarrer waren. „Nach dem Abitur wollte ich allerdings eher in den technischen Bereich und habe Maschinenbau studiert“, erzählt er. Jedoch merkte er, dass das nicht das Richtige war und widmete sich sieben Jahre lang der Theologie in Bielefeld, Marburg und Berlin. Vor der Wende sei eine Pfarrstelle in West-Berlin so gut wie sicher gewesen, nach dem Fall der Mauer drehte sich das Blatt und es verschlug ihn zunächst nach Cottbus, wo er sein Vikariat absolvierte.

Als geschäftsführender Pfarrer verantwortlich für die Finanzen

Ein Jahr lang war er als Seelsorger in einem Ort des Lausitzer Kohlereviers tätig, der abgebaggert werden sollte und betreute die Menschen, die kurz davor standen, ihr Zuhause zu verlieren. Dann ging er für seine erste Pfarrstelle nach Baruth und kam schließlich in die Blütenstadt. Im Werderaner Pfarrhaus lebt er mit seiner Frau, drei von insgesamt vier gemeinsamen Kindern und Hund Kalle. Die älteste Tochter ist bereits ausgezogen und studiert in Berlin. Seine Freizeit verbringt Georg Thimme gern auf seinem Segelboot – „dort schreiben sich die Predigten auch gut“, sagt er.

Als geschäftsführender Pfarrer kümmert sich Georg Thimme unter anderem auch um die Haushaltsplanung der Kirchengemeinde. Er war lange Vorsitzender im Strukturausschuss des Kirchenkreises Potsdam. Als Wirtschafter achtet er gemeinsam mit seinem Team darauf, dass die Strukturen und Finanzen angemessen sind. „Das macht mir Spaß, obwohl ich das nie für möglich gehalten hätte. In all den Zahlen steckt viel Gemeindearbeit“, berichtet er. Konkret geht es bei der Finanzplanung zum Beispiel auch darum, den Kirchenbau zu erhalten.

Vorbereitungen für Weihnachten laufen auf Hochtouren

Das Gotteshaus zieht an den bevorstehenden Feiertagen traditionell viele Werderaner und Gäste an. Aktuell wird fleißig für die Weihnachtstage geprobt und vorbereitet. „Weihnachten finde ich ganz wunderbar“, so der Pfarrer. Besonders an Heilig Abend seien die Kirchen gut gefüllt. Zählt der Pfarrer sonst durchschnittlich 60 Besucher beim Gottesdienst, sind es über den ganzen Heilig Abend verteilt in der Glindower, Petzower und Werderaner Kirche etwa 2000. Zwei Kindergruppen sowie die Konfirmanden führen am 24. Dezember Krippenspiele auf, das Erwachsenen-Weihnachtstheater zeigt seine Interpretation der Weihnachtsgeschichte am 25. Dezember und am 26. Dezember wird es einen Gottesdienst im Gemeindehaus geben.

Das dritte Bauwerk auf dem Kirchberg

Die Heilig-Geist-Kirche wurde von 1856 bis 1858 im neugotischen Stil gebaut. Der Grundriss der Kirche bildet durch das Langhaus und das Querschiff eine Kreuzform.

In den 80er Jahren wurde die Außenhaut der Kirche erneuert und zwischen 1989 und 1994 das Innere des Gotteshauses nach alten Fotos fast vollständig restauriert.

Die heutige Kirche ist bereits das dritte Bauwerk an gleicher Stelle auf dem Kirchberg der Insel. 1250 errichteten die Zisterziensermönche vom Kloster Lehnin die erste Kirche, die bis 1736 stand. Die zweite war mit einem gedrungenen Fachwerkturm versehen und stand hundert Jahre lang.

 

Von Luise Fröhlich

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