Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Zweckverband bohrt jetzt nach Wasser
Lokales Potsdam-Mittelmark Zweckverband bohrt jetzt nach Wasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:31 19.08.2014
Am Bohrer: Bernd Möhring (links) und Marcel Lorenz von der Brandenburger Brunnenbau GmbH. Quelle: Jens Steglich
Anzeige
Michendorf/Nuthetal

In einem Kiefernwald an der Bundesstraße 2 nahe Wilhelmshorst haben die Bohrungen für einen Versuchsbrunnen begonnen, der wichtige Erkenntnisse für den Bau des Wasserwerkes liefern soll, um das im Zweckverband "Mittelgraben" seit Monaten heftig gerungen wird. Mitarbeiter einer Brandenburger Brunnenbaufirma treiben den Bohrer nun bis in eine Tiefe von 50 Metern voran. Anhand des Bohrkerns sollen dann die verschiedenen Bodenschichten und ihre Mächtigkeit analysiert und die Frage geklärt werden, wie tief der sogenannte Grundwasserleiter liegt, sagte Torsten Könnemann, Prokurist der Mittelmärkischen Wasser und Abwasser GmbH (MWA), am Dienstag bei einem Ortstermin. Die MWA ist Geschäftsbesorger des Verbandes, der mit dem Bau eines Wasserwerks in der Nähe des Wilhelmshorster Forstweges liebäugelt, um sich unabhängig von den teuren Wasserlieferungen aus Potsdam zu machen (MAZ berichtete).

Die erste Bohrung ist nur das Vorspiel für den richtigen Testlauf, der bis Ende September über die Bühne gehen soll. Bis dahin wird an der Bohrstelle für insgesamt 35.000 Euro ein Probebrunnen angelegt, den man "für einen 72-stündigen Leistungspumpversuch" nutzt. Dieser soll an den Tag bringen, wie die Wasserbeschaffenheit ist und wie viele Brunnen benötigt werden, um genug Wasser fördern zu können. An diesen Fragen entscheidet sich die technische Ausstattung eines möglichen Wasserwerkes und damit auch, wie hoch die Kosten dafür sein werden. "Ich bin froh, dass wir mit der Probebohrung endlich verlässliche Zahlen liefern können und damit das Spekulieren ein Ende hat, wie teuer das Projekt werden könnte", sagte Verbandsvorsteher Reinhard Mirbach (CDU), der auch Bürgermeister der Gemeinde Michendorf ist. Von den beiden Verbandskommunen ist Michendorf derzeit die treibende Kraft, die eine Abnabelung von den Potsdamer Wasserlieferungen vorantreiben will. In Nuthetal überwiegt die Skepsis, zumal die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) inzwischen anbietet, mit den Lieferpreisen um insgesamt 15 Cent pro Kubikmeter herunterzugehen, wenn der Verband auch in Zukunft einen Großteil seines Wassers aus Potsdam bezieht und damit auf den Wasserwerk-Bau verzichtet. Die Entscheidung über das Projekt soll im November in der Verbandsversammlung fallen, "wenn bis dahin alle Daten und Fakten vorliegen", wie Mirbach am Dienstag einschränkte.

Das Wasserwerk

  • Der Zweckverband "Mittelgraben", der Nuthetal und Michendorf versorgt, bezog 2013 gut 547.000 Kubikmeter Trinkwasser aus Potsdam – das sind 59 Prozent des Gesamtbedarfs.
  • Mit dem Wasserwerk könnte sich der Verband selbst versorgen. Projektbefürworter gehen davon aus, dass der Verband das Wasser selbst preiswerter fördern kann – auch im Vergleich zum neuen Lieferangebot aus Potsdam.
  • Kritiker vor allem in Nuthetal haben daran ihre Zweifel und verweisen etwa auf die hohen Kosten und den Kapitaldienst für das Projekt.
  • Die Kosten fürs Wasserwerk, das über Kredite finanziert würde, werden auf fünf Millionen Euro geschätzt. Genaue Zahlen sollen im Oktober vorliegen.

Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke) bleibt bei ihrem Vorschlag, den Liefervertrag mit der EWP zunächst nur zwei Jahre zu verlängern, "um den Zeitdruck herauszunehmen und übereilte Entscheidungen zu verhindern". "Wenn von der EWP ein solches Angebot vorliegt, kann man darüber reden", sagte Mirbach der MAZ. Noch sei das nicht der Fall.

Wie berichtet, hieß es bisher, der Verband müsse bis Ende des Jahres entscheiden, ob ein Wasserwerk gebaut wird. Der bestehende Liefervertrag mit Potsdam gilt noch bis Ende 2016, fristgerecht kann er aber nur bis Ende 2014 gekündigt werden. Geschieht das nicht, würde er sich um zehn Jahre verlängern. EWP-Geschäftsführer Wilfried Böhme hatte bei einer Einwohnerversammlung in Nuthetal aber Gesprächsbereitschaft in der Frage signalisiert, den Vertrag nur um zwei Jahre zu verlängern.

Von Jens Steglich

Mehr zum Thema
Potsdam-Mittelmark Im Mittelgraben-Gebiet wird Überprüfung der Gebühren wahrscheinlicher - Verbandschef will Wasserpreise neu kalkulieren

Die Zeichen mehren sich, dass die seit Oktober 2013 geltenden Gebühren fürs Trink- und Abwasser im Zweckverband "Mittelgraben" (WAZV) tatsächlich auf den Prüfstand kommen. Jetzt plädiert auch Verbandsvorsteher Reinhard Mirbach (CDU), zugleich Bürgermeister der Gemeinde Michendorf, für eine Neukalkulation der Wasserpreise.

14.01.2014
Potsdam-Mittelmark Altanschlüsse: Gericht kippt Satzung des Verbandes "Mittelgraben" - Etappensieg für die Nuthetaler

Das Satzungssterben geht weiter: In einem Eilverfahren zur Altanschließer-Problematik in Nuthetal hat das Potsdamer Verwaltungsgericht jetzt auch die Satzung des Verbandes "Mittelgraben" kassiert. Im August erklärte das Gericht bereits in einem anderen Verfahren das Regelwerk des Nachbarverbandes "Der Teltow" für nichtig.

28.09.2013
Potsdam-Mittelmark Zu viel Wasser landete im Abwasserkanal - Kommunen sollen Strafe zahlen

Kommunen in den Zweckverbänden „Mittelgraben“ und „Teltow“ drohen Strafzahlungen, weil große Mengen Regenwasser von ihren Straßen in die Abwasserkanäle geflossen sind.

06.11.2013
Potsdam-Mittelmark 130 Bürger radeln mit Frank-Walter Steinmeier (SPD) durch die „Spuklöcher“ - Geld ist nicht das Problem

Große Aufmerksamkeit bekam die B 107 zwischen Bahnhof am Park Wiesenburg und Jeserig/Fläming am Dienstag. Rund 130 Radfahrer begleiteten den Spitzenpolitiker Frank-Walter Steinmeier (SPD) über die vielen „Spuklöcher“ der Straße. Das Anliegen der Radfahrer an den Politiker: Ein 500 Meter langer Radweg zum Schutz der Radler.

22.08.2014
Polizei Potsdam-Mittelmark: Polizeibericht vom 19. August - Brennendes Auto auf der A2

+++ Auf der Autobahn 2, bei Lehnin brennt am Mittag ein Auto komplett ab +++ Brück: Eine Frau wird durch einen Auffahrunfall mit ihrem Wagen in den Gegenverkehr gedrückt, es kommt zum schweren Frontalcrash +++  Güterfelde: Radfahrer stürzt nach einem Überholmanöver +++ Werder: Mann will einem Reh ausweichen und kracht dabei in einen Baum +++

19.08.2014
Potsdam-Mittelmark Ragösener Einkaufs-Markt schließt am Monatsende - Wenn die Einkaufswege länger werden

„Nah und gut“, verspricht das Schild an der Fassade der ehemaligen Konsum-Kaufhalle in Ragösen. Doch hat dieses Verkaufskonzept keine Zukunft. Der nach der Wende dort als Edeka-Filiale fortgeführte Laden schließt nach MAZ-Informationen zum Monatsende. Drei Verkäuferinnen verlieren ihren Job.

19.08.2014
Anzeige