Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Gericht rückt vom Vorwurf Mordversuchs ab

Brandstifter von Neuseddin Gericht rückt vom Vorwurf Mordversuchs ab

Wollte der geschasste Hausmeister Frank B. Menschen töten, als er am 21. Juni 2016 Feuer in einer Pension in Neuseddin legte und eine Explosion herbeiführte? Das Landgericht Potsdam rückt am sechsten von neun Prozesstagen vom Vorwurf des versuchten Mordes ab. Der Staatsanwalt bleibt indes dabei: B. habe den Tod von Menschen zumindest in Kauf genommen.

Potsdam, Jägerallee 11 52.40507 13.05544
Google Map of 52.40507,13.05544
Potsdam, Jägerallee 11 Mehr Infos
Nächster Artikel
Altes Gemeindehaus soll Kulturtreff werden

Der Angeklagte Frank B. und sein Verteidiger beim Prozessauftakt am Landgericht Potsdam.

Quelle: Julian Stähle

Neuseddin. Wendung im Prozess gegen den ehemaligen Hausmeister Frank B., der gestanden hat, am 21. Juni 2016 einen Brandanschlag auf die Pension „Am Fuchsbau“ in Neuseddin verübt zu haben: Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Theodor Horstkötter rückt von dem Vorwurf ab, der Angeklagte habe mit der Absicht zu töten gehandelt. Die Staatsanwaltschaft, die den 44-jährigen Frank B. unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt hat, bleibt bei ihrer Sicht der Dinge, sagte Staatsanwalt Jörg Möbius der MAZ: „Der Angeklagte hat es zumindest in Kauf genommen, dass arglose Menschen zu Tode kommen könnten. Er wusste, wie gefährlich sein Tun ist.“

Ein Gutachter soll B.s Geisteszustand beurteilen

In dem Prozess geht es nicht nur um Schuld und Strafe, es geht auch um den Geisteszustand des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft strebe weiterhin an, dass Frank B. nach dem Urteil in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird, so Möbius: „Der Mann ist ein wandelndes Pulverfass.“ Der psychiatrische Sachverständige Alexander Böhle begleitet den Prozess. Sein Gutachten steht noch aus.

Frank B. hat derweil mehrmals angekündigt, „nicht freiwillig in das Heimchen“ zu gehen. Er beteiligt sich am Verfahren äußerst rege, schöpft sein Fragerecht aus, macht Notizen und nutzt jede Gelegenheit, sich so zu präsentieren wie er offenbar gesehen werden möchte: als anpackender, zuverlässiger, korrekter Typ. Zwar räumt er immer wieder Fehler ein – die Verantwortung dafür übernimmt er allerdings nicht, sucht die Schuld bei anderen. „Ich kann mich immer nicht wehren“, sagte B. zum Beispiel am Montag, nachdem seine ehemalige Lebensgefährtin und seine Schwester, zu der der Kontakt vor zehn Jahren abgebrochen ist, ausgesagt hatten.

„Ich wollte ein ordentliches, normales Leben“

Wie erbeten, erhielt Frank B. gestern die Gelegenheit, ausführlich über seine Zeit im Fuchsbau zu berichten. Dort war er untergekommen, nachdem seine Beziehung zerbrochen war und die Ex-Partnerin ihn aufforderte, aus ihrer Wohnung auszuziehen. „Ein vernünftiger Job, ein vernünftiges Auto und eine vernünftige Wohnung“, das sei damals sein Ziel gewesen, sagt B. Zudem habe er sein Insolvenzverfahren abschließen wollen, um mit 50 schuldenfrei zu sein. „Dann wollte ich noch so viel Geld einzahlen, dass die Rente reicht und ich später nicht aufstocken muss.“ B.s Stimme bricht nach diesem Satz und er beginnt wie so oft zu weinen. „Ich wollte ein ordentliches – ,Scheiß-Spießerleben’ hätte ich fast gesagt. Ich wollte ein ordentliches normales Leben.“

Als er den Job in der Pension und die Wohnung bekam, lief es zunächst ganz gut an. „Wo ich bin, geb ich mein Bestes“, sagt B. Doch dann habe er – anders als verabredet – keinen richtigen Vertrag bekommen – damit habe der Ärger begonnen. Frank B. wirft seinen ehemaligen Arbeitgebern und Kollegen bis heute vieles vor – zum Beispiel bei der Arbeitsstundenabrechnung zu mauscheln. „Ich bin wegen des Stundenbetrugs gekündigt worden – weil ich es ausgesprochen habe“, sagt B. „Egal, was hier rauskommt – dagegen gehe ich vor.“ Die Kündigung sei ein Schlag gewesen, eine Demütigung, zumal für ihn das Aus urplötzlich gekommen sei. „Ich war mir hundertprozentig sicher, dass sie mich nicht kündigen können.“ – Einen wie ihn, der doch immer sein Bestes gebe.

35 Zeugen sagen aus

Der ehemalige Hausmeister Frank B. (44) steht seit 13. Februar vor Gericht. Zunächst waren acht Verhandlungstage für den Prozess angesetzt, inzwischen ist ein Verhandlungstag ergänzt worden.

Insgesamt sind 35 Zeugen geladen, darunter ehemalige Arbeitskollegen, Polizisten, Feuerwehrleute und Gäste der Pension. Auch die Ex-Partnerin des Angeklagten hat ausgesagt, zudem seine jüngere Schwester.

Laut Anklage hat B. am 21. Juni 2016 in der Pension Am Fuchsbau in Neuseddin Benzin über den Empfangstresen und eine Angestellte geschüttet und angezündet. Zuvor soll er in seiner in der Pension im Erdgeschoss gelegenen Dienstwohnung einen Wasserkocher mit Benzin gefüllt, den Stecker die Steckdose gesteckt und sich dann aus der Wohnung entfernt haben. Es kam zur Explosion. Bilanz des Angriffs: vier Verletzte und ein Sachschaden in Höhe von 25000 Euro. nf

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg