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Potsdam-Mittelmark Geschichten aus der Region für die Region
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14:11 30.08.2017
Schulbücher, Krimis, Regionales: Vanessa Arend-Martin bietet im „Buchkontor“ ein breites Repertoire an. Quelle: Victoria Barnack
Teltow

Vanessa Arend-Martin ist anders als sich viele Menschen eine Buchladenbesitzerin vorstellen. In einer dunklen Ecke des Geschäfts mit Brille auf der Nase und einem Schmöker davor? „Keine Zeit“, sagt Vanessa Arend-Martin. Obwohl viele Menschen noch immer in diesem Schema denken, bestätigt die 41-Jährige. Sie findet, sie ähnele eher ihren Kunden. „Wenn einer meiner Lieblingsautoren ein neues Buch veröffentlicht, muss ich es sofort haben“, sagt sie. Nur die Zeit zum Lesen zu finden, sei eben schwierig. Seit fünf Jahren leitet sie den einzigen Buchladen in Teltow, den „Buchkontor“.

Geboren und aufgewachsen ist Vanessa Arend-Martin in Kassel. Sie bezeichnet sich selbst als „Westkind“. Umso erstaunlicher, dass ihr Steckenpferd das Verlegen von Büchern mit regionalem Bezug zu Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf wurde. Seit 2002 lebt sie mit ihrem Ehemann in Teltow. „Erst mochte ich es hier gar nicht“, gesteht sie. Großstädte wie Dresden und Berlin gefielen ihr besser. Ihre Ansicht wandelte sich jedoch schnell. „Die Landschaft ist unglaublich reizvoll“, sagt sie heute über Teltow und die Umgebung. Wenn sie mit dem Rad über die Brücke nach Berlin-Lichterfelde fährt, müsse sie immer anhalten und die Aussicht auf den Teltow-Kanal genießen. Sie schwärmt von den kleinen Gutshöfen in der Altstadt. „Das ist so anders als in meiner alten Heimat“, sagt sie.

Schwerer Start als letzte Buchhandlung in Teltow

Die Leidenschaft zu Büchern hat Vanessa Arend-Martin mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. „Mit Druckerschwärze bin ich aufgewachsen“, sagt sie. Ihr Vater war Betreiber einer Druckagentur, wo sie regelmäßig ganze Wochenenden zubrachte. Eine eigene Buchhandlung stand dennoch nie in ihrer Lebensplanung. Sie studierte Textil- und Flächendesign in Berlin. Danach arbeitete sie erst als Aushilfe, später als Abteilungsleiterin bei der Buchhandlungskette Hugendubel. Dort sammelte sie erste Erfahrungen bei der Kundenberatung.

Die Selbstständigkeit war nicht nur eine eher spontane Idee sondern auch komplettes Neuland für die junge Mutter. „Die letzte Buchhandlung in Teltow schloss“, erinnert sie sich, „da dachte ich, ich versuche mein Glück.“ Der Start ihres Buchladens war holprig: Trotz zentraler Lage und Monopolstellung spazierte wenig Laufkundschaft in das Geschäft. Vanessa Arend-Martin arbeitete zudem sechs Monate lang auf einer Baustelle. Der Vermieter ließ in dieser Zeit die Treppen schleifen. „Einmal wurde vergessen, die Türen zuzukleben“, erzählt sie. Noch Monate später hatten ihre Bücher mit dem Staub zu kämpfen.

Ein Naturführer für Kinder durch Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf ist die neueste Erscheinung im Buchkontor-Verlag. Quelle: Victoria Barnack

Die Startschwierigkeiten legten sich: Das Verhältnis zum Vermieter beschreibt sie heute als sehr gut. Die fehlende Laufkundschaft hat sie mit Geschäftskunden ausgeglichen. Schulen bestellen beispielsweise ganze Klassensätze bei ihr. Viele Teltower, vor allem die neuen Einwohner, kaufen Bücher, Postkarten und Kalender mittlerweile nur noch im „Buchkontor“.

Als einzige Betreiberin einer Buchhandlung – dazu noch als Zugezogene – musste sie die Vorlieben ihrer neuen Kunden erst kennenlernen. „Regionales lesen die Teltower besonders gern“, sagt sie nach fünf Jahren, „egal ob als Ausflugsbücher oder als Handlungsort in Krimis.“ Die Besonderheiten ihrer Wahlheimat beschreiben Bücher wie „Wir entdecken Stahnsdorf“ oder „Als Teltow neu erfunden wurde“. Vanessa Arend-Martin bringt solche Werke mittlerweile selbst auf den Markt. Sie entschied sich knapp ein Jahr nach der Eröffnung des „Buchkontors“ auch für einen eigenen Buchverlag unter gleichem Namen. Mit Erfolg: Mehrere Auflagen sind bereits ausverkauft.

Die nächsten Bücher aus dem Teltower Land:

Das Heimat-Magazin „Das Teltower Land 2017/2018“ erscheint im Oktober. Die neunte Version stammt vom neuen Herausgeber Hans-Jürgen Seider.

Der Kalender 2018 mit Bildern aus dem Teltower Land erscheint spätestens im Oktober. Nach der Premiere im Vorjahr gibt es nun eine Auflage von 200 Stück.

Vor Weihnachten erscheint erstmals ein Krimi, der im Teltower Land spielt. „Totsicher – Die Spur des Rübchens“ schrieb Autorin Manuela Kuhlbrodt.

Einen Bildband über die ehemalige innerdeutsche Grenze verbunden mit persönlichen Erinnerungen bringt Georg Heinze mit „Kleinmachnow eingegrenzt“ heraus.

Von Victoria Barnack

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