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Potsdam-Mittelmark Geschichtspfad durch die ganze Stadt
Lokales Potsdam-Mittelmark Geschichtspfad durch die ganze Stadt
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09:20 04.11.2017
Isabel Pesch-Kolarczyk und Michael Klenke enthüllen die ersten Erinnerungstafeln in Brück. Irmgard Aufschlager interessiert das Projekt. Quelle: Andreas Koska
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Brück

Ab sofort können Spaziergänger, die in Brück flanieren, ganz nebenbei etwas über die Geschichte der Stadt erfahren. Demnach ist die Hausnummer 52 in der Straße des Friedens das älteste Haus im Ackerbürgerstädtchen. Es wurde in der Zeit des 30-jährigen Krieges erbaut und 1634 zum ersten Mal als Besitz von Andreas Möllnitz erwähnt, es hatte Brau- und Weberrecht. Seit 1991 wohnen dort Hannelie und Günther Fischer.

Das alles können Interessierte jetzt einer nagelneuen Tafel am Haus entnehmen, die gemeinsam mit weiteren am Reformationstag enthüllt wurde.

Nur wenige Schritte weiter, an der Ecke zur Mittelgasse stößt man auf den nächsten geschichtsträchtigen Ort. Dort stand vermutlich das Geburtshaus des Gregor von Brück. Er wurde dort 1483 als Gregorius Heinse geboren und später Kanzler des Kurfürsten Friedrich des Weisen in Wittenberg. Damit war er Wegbegleiter des Reformators Martin Luther. Heinse starb 1557 in Jena. „Es ist eine Ehre, in so einem Haus zu wohnen“, erzählt Matthias Bertz. „Ich bin wirklich erstaunt, denn davon war beim Kauf keine Rede“, erzählt der neue Besitzer. Der gebürtige Brücker hat das Haus erst vor kurzem erworben.

Finanziert aus der Stadtkasse

Das Geld für die Hinweistafeln an historisch bedeutenden Gebäuden der Stadt Brück wird aus dem Stadthaushalt zur Verfügung gestellt.

Dieses Jahr fließen für die ersten fünf Tafeln zunächst 1500 Euro. Weitere Hinweise sind geplant.

Ähnliche Systeme mit Informationstafeln gibt es im Hohen Fläming schon länger in Treuenbrietzen und Bad Belzig.

Finanziert wurden sie dort im Rahmen der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen über Fördergeld zur Altstadtsanierung.

Während Isabel Pesch-Kolarczyk und Michael Klenke als Initiatoren der Aktion die Tafel mit einem kleinen Zeremoniell einweihen, ist Bertz weiter dabei, sein Haus zu renovieren. Bald soll dort seine gesamte Familie einziehen. Auch sein Nachbar Klaus Fischer ist erstaunt. „Ich wohne genau gegenüber und habe nichts von der Geschichte hier gewusst“, erzählt der Brücker.

Genau darum geht es Isabel Pesch-Kolarczyk: „Es handelt sich um lebendige Geschichte, die Bürger erfahren mehr über ihre Stadt und dies führt zu einer stärkeren Identifizierung mit dem Ort“, ist die Stadtverordnete überzeugt. Sie kam vor einiger Zeit bei einem Besuch in Spisska Bela auf die Idee für die Gedenktafeln. In der slowakischen Partnerstadt von Brück hatte sie einen solchen Geschichtspfad entdeckt, den sie nun auch in ihrer Heimat initiiert hat.

Als das Projekt geboren war, hat sie sich mit einigen Stadtverordneten im Fläming umgeschaut und schließlich die Erläuterungstafel aus Bad Belzig zum Vorbild genommen. Pesch-Kolarczyk will das Programm nun gemeinsam mit den Bürgern erweitern. Inzwischen gibt es eine lange Liste mit Vorschlägen. „Im kommenden Jahr sollen Tafeln die vorhandenen Denkmäler, das ehemalige Stadttor und die Postsäule erklären. Auch in den Ortsteilen werden Schilder montiert“, sagt die Brückerin. Zumindest bei Irmgard Aufschlager rennt sie offene Türen ein. Die Rentnerin findet die Idee toll. „Man sollte auch die Anlage der Mittelreihe erläutern“, schlug sie sogleich vor und fand bei Isabel Pesch-Kolarczyk und Michael Klenke Gehör.

Nur einen Steinwurf entfernt ist ein weitere Tafel der Lambertuskirche gewidmet. Jetzt können Passanten sofort nachlesen, dass die Kirche von flämischen Siedlern erbaut worden ist und Martin Luther dort 1530 zu Besuch war. Nach einem Brand im Jahr 1764 wurde das Gotteshaus zwölf Jahre später wieder aufgebaut und erhielt um 1842 den Westturm.

Da ist das Bahnhofsgebäude wesentlich jünger. Es wurde 1876 gebaut. Schon damals gab es eine Gaststätte und einen Fahrkartenschalter, dazu Güterabfertigung. Fast so wie heute – nur die Güter werden nicht mehr angenommen. Das ist alles dem neuen Schild zu entnehmen. Auch die letzte, der vorerst fünf Tafeln, die je rund 300 Euro kosten und etwa Din A 4-Größe haben, wird noch in dieser Woche angebracht. Dann wird man alles zum alten Postgebäude nachlesen können. Das ist heute eine erfolgreiche Kulturstätte und ein Seminarhaus. Briefmarken indes gibt es dort schon lange nicht mehr.

Von Andreas Koska

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