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Potsdam-Mittelmark Geschichtsstunde am Rande der Kiesgrube
Lokales Potsdam-Mittelmark Geschichtsstunde am Rande der Kiesgrube
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00:17 01.03.2017
Während ihrer Gedenkstunde an der Kiesgrube bei Nichel trugen viele Schüler aus Italien auch diesen Sonnabend Gedanken zum Abschluss ihrer Bildungsreise vor. Quelle: Thomas Wachs
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Nichel

Für rund 1000 Schüler aus Italien enden Bildungsreisen aktuell jeweils an der Kiesgrube bei Nichel. In drei Gruppen mit je mehr als 330 Schülern und Lehrern gedenken sie der im April 1945 von deutschen Soldaten ermordeten 127 italienischen Militärinternierten des Treuenbrietzener Zwangsarbeitslagers „Sebaldushof“. Der jeweils an Samstagen zwischen 14. Februar und dem 4. März erfolgende Gedankenaustausch und das Gedenken in Nichel bilden den Abschluss einer je einwöchigen Tour nach Berlin.

Jährlich wechselnde Ziele für Gedenkstättenreise

Organisiert wird sie vom italienischen Geschichtsinstitut „Istoreco“. Es veranstaltet seit 17 Jahren jährlich wechselnde Gedenkstättenreisen zum Thema Nationalsozialismus für Schüler der Oberstufen aus der Provinz Reggio Emilia. „Wir fahren abwechselnd auch nach Ausschwitz oder Prag“, erzählt Steffen Kreuseler in Nichel. Gemeinsam mit Matthias Durchfeld helfen die in Deutschland und Italien lebenden beiden Deutschen bei der Geschichtsvermittlung.

Zentrales Thema der diesjährigen Reisen sind die Italienischen Militärinternierten. Nach dem Bruch des Bundes zwischen deutschen und italienischen Nationalsozialisten 1943 waren sie zu Feinden geworden. Die Wehrmacht nahm etwa 650 000 italienische Soldaten gefangen und deportierten sie zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Unter anderem in die Munitionsfabrik Treuenbrietzen. Von diesen werden 127 am 23. April 1945 im Wald bei Nichel erschossen. Darunter Allenin Barbieri aus Reggio Emilia.

An drei Sonnabenden reisen jeweils rund 350 Schüler aus Italien zur Gedenkstätte an der Kiesgrube bei Nichel. Quelle: Thomas Wachs

„Die Schülergruppen aus Italien besuchen Gedenkstätten und Museen in Berlin und Brandenburg. In fünf Tagen suchen sie die KZ-Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen, das Dokumentationszentrum Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide sowie weitere Lernorte wie Topographie des Terrors, das Haus der Wannseekonferenz oder die Gedenkstätte Deutscher Widerstand auf“, so Kreuseler. „Der Zeitplan ist straff. Das ist keine Klassenfahrt mit Partyflair, sondern eine bewusst von den Schülern gewählte Bildungstour“, sagt der Organisator. Die Nachfrage sei jährlich größer als die Kapazitäten.

Vorbereitet auch mit Zeitzeugen

Die Schulklassen aus Italien haben sich seit Oktober auf die Tour vorbereitet. In Seminaren und Zeitzeugengesprächen nähern sie sich der Geschichte des Zweiten Weltkriegs an. In das Schulprojekt in Italien eingebunden sind auch die Filmemacher Katalin Ambrus, Nina Mair und Matthias Neumann aus Berlin. Mit ihrer Internet-Dokumentation „Im Märkischen Sand“ haben sie das Thema am Beispiel der Treuenbrietzener Rüstungsfabrik „Sebaldushof“ beleuchtet und kürzlich dafür die Goldene Kamera in der Rubrik Internet erhalten.

Goldene Kamera für Internet-Doku

Die Goldene Kamera in der Rubrik Digital Award erhalten haben jetzt im Februar die Filmemacher Katalin Ambrus, Nina Mair und Matthias Neumann für ihr die Webdoku „Im Märkischen Sand“.

Die Jury vergab den Preis für die beste Reportage an das Berliner Team.

In ihrem Internetfilm, der vor einem Jahr Premiere hatte, beleuchten sie das Schicksal Italienischer Militärinternierter am Beispiel der Treuenbrietzener Rüstungsfabrik „Sebaldushof“.

Im Mittelpunkt stehen die am 23. April 1945 fast zeitgleich erfolgten Massaker an Deutschen und Italienern in Treuenbrietzen.

„Dass nun 1000 Schüler auf ihrer Erinnerungsreise an der Sandgrube bei Nichel Station machen, ist eines der Ergebnisse auch unseres Filmprojektes, auf das wir sehr stolz sind“, sagt Filmemacher Matthias Neumann. Eine Fortführung der Dokumentation sei nicht geplant. „Uns ist es jedoch wichtig das mit unserem Projekt weiter gearbeitet wird, so wie hier“, sagte der Filmemacher am Sonnabend in Nichel.

Die Filmemacher Katalin Ambrus (re.), Nina Mair und Matthias Neumann (li.) drehten die Web-doku „Im märkischen Sand“. Carmine Mancini erzählt darin vom Tod seines Vaters. Quelle: Thomas Wachs

Dort werden die italienischen Gäste an den Sonnabenden jeweils auch von Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape empfangen. „Nach der hier von Edo Magnalardo, einem der vier Überlebenden der Erschießung, vor 16 Jahren ausgestreckten Hand der Versöhnung geht von dem Ort ein ganz starkes Zeichen für ein friedliches Europa in die Welt“, so der Bürgermeister. „Mit euerem Besuch seid ihr ein unübersehbarer Teil dieses Zeichens“, sagte Knape den Schülern.

„Indem wir erinnern und eben nicht vergessen, wird vielleicht der Tag kommen, an dem wir unsere Vorurteile, unsern Hass und den Krieg in einer großen Grube begraben“, sagte die Schülerin Giulia Fantini in einem der zahlreiche Redebeiträge zum Gedenken.

Von Thomas Wachs

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