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Geschlechterkampf in Liedern und Märchen

Preußnitz Geschlechterkampf in Liedern und Märchen

Geht es nach Mittelalter-Musicus Ralf der Rabe und Märchendrossel Rainer Franz, hat sich in Sachen Liebe seit Adam und Eva nicht viel verändert. Das Premierenpublikum ihres neues Programms amüsierte sich beim Auftritt in Preußnitz jedenfalls prächtig. Erstmals wurde der „Sternenhof“ zum Veranstaltungsort.

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Der alte Stall auf dem „Sternenhof“ ist ein Veranstaltungsort mit Atmosphäre für Ralf Kirsten (re.) und Rainer Franz.

Quelle: Uwe Klemens

Preußnitz. Die Welt ist voller Wandel. Einzige Ausnahme, so scheint es nach diesem Abend mit Ralf Kirsten und Rainer Franz, ist das Thema Nummer eins. Gemeinsam luden der Mittelalter-Musiker und der Märchenerzähler am Samstag auf dem Preußnitzer „Sternenhof“ zu einem Ausflug ins Reich der Liebe. Knapp 50 Zuhörer waren der Einladung zur Premiere des Programms gefolgt und waren gleichsam das Testpublikum.

„Wenn’s heute läuft, wollen wir damit auch an anderen Orten und bei großen Festen in der Region auftreten“, verriet Kirsten alias Ralf der Rabe vorab. Denn obwohl sich die beiden seit knapp 20 Jahren kennen und früher sogar gemeinsam in einer Laientheatergruppe spielten, haben sie noch nie ausprobiert, ob Mittelaltermusik und Märchen zusammen passen.

Doch der Abend in Preußnitz macht schnell klar, dass alle Bedenken umsonst waren. Denn der Magnetismus zwischen den Geschlechtern hat die Menschen wohl schon zu biblischen Zeiten genauso bewegt, wie in unseren Tagen. Die Balance zwischen Anziehung und Abstoßung ist der Stoff, aus dem sich Märchenerzähler und Bänkelsänger rund um den Globus gerne und ausgiebig bedienten.

Musicus und Märchendrossel mit eigener Theorie

Um ein Freigabe-Siegel der Jugendschutzbehörden müssen sich Raben-Musiker Ralf und Märchendrossel Franz für dieses Programm gar nicht erst bemühen. Sie bekämen es mit Sicherheit nicht. Eindeutig zweideutige Inhalte sind die Regel. Die Spannweite reicht von zarter Erotik aus den orientalischen „Geschichten aus 1001 Nacht“ bis zu derben Übertölpelungen im Kampf der Geschlechter und Triebe.

Darauf, wie es sich wirklich zutrug damals bei Eva und Adam, haben Musicus und Märchendrossel so ihre ganz eigene Theorie. Demnach wird der Mann seinem Ruf als ewiger Tölpel ebenso gerecht, wie die Frau als galante Verführerin. Auch ein paar Jahrtausende später hat sich an der Kräfteverteilung nichts verändert. Das , bleibt als Erkenntnis aus dieser Erotik-Lehrstunde.

Sternenhof als Bildungsort

Der Sternenhof im Bad Belziger Ortsteil Preußnitz ist der Hof der Großeltern von Rainer Franz, auf dem der Enkel heute lebt.

Beruflich ist Rainer Franz als Gestaltpädagoge unterwegs und arbeitet mit Kindern als Freizeit- und Wildnispädagoge.

Die Tätigkeit als Märchenerzähler ist für Franz auch eine Rückbesinnung an seine Kindertage, in denen ihm seine Oma abends am Kachelofen des Bauernhauses Märchen erzählte.

Angedacht ist, den Hof nach und nach als kulturelles Begegnungszentrum auszubauen und für die pädagogische Projektarbeit, aber auch für Veranstaltungen mit Erwachsenen zu nutzen.

Damit der Abend nicht gar zu erotisch werde, greift Ralf der Rabe nicht nur zu vielerlei Gerätschaft, sondern auch tief in die Liedkiste mit den derben Geschichten. Nudelhölzer sind darin noch die harmloseste der im Geschlechterkampf eingesetzten Waffen. Immer wieder wetzen gehörnte Ehemänner, gekränkte Liebhaber, ums Tochterwohl besorgte Väter und enttäuschte Gattinnen die Messer. Sie mauern Jungfrauen in den Turm oder greifen zu anderen, schlagfertigen und blutigen Strategien. Kämen die Geschehnisse nicht als Vers daher, sondern stünden im Polizeibericht, würden wohl jedem die Haare zu berge zu stehen. Das Publikum im Laternenhof jedoch freute sich prächtig.

„Experiment gelungen“, lautet knapp zwei Stunden später dann auch das Fazit der beiden Akteure, die sich nun nach weiteren Auftrittsmöglichkeiten umschauen wollen. Ein, zwei Mal im Jahr soll der Laternenhof zur Märchen- und Liederbühne werden. Wiesenburg und die Rabener Burg sind ebenfalls als Locations im Visier.

Von Uwe Klemens

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