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Gestochen scharfe Schwarz-Weiß-Bilder

Welttag des Fernsehens Gestochen scharfe Schwarz-Weiß-Bilder

Gerd Schulz aus Borkheide besitzt einen echten Rubens. Und einen echten Rembrandt. Dennoch besteht wohl kein Grund für Kunstfreunde aus aller Welt in den Hohen Fläming zu pilgern – es handelt sich um Fernseher aus der DDR. Zum Welttag des Fernsehens zeigt Schulz seine Schätze.

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Gerd Schulz’ „Rubens“ wurde Mitte der 1950er Jahre gebaut und funktioniert noch.

Quelle: Johanna Uminski

Borkheide. Rubens hat mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und sieht noch immer klasse aus. Zudem ist er bis heute voll funktionsfähig, auch wenn seine einen 33 Zentimeter Bildschirmdiagonale nicht mehr ganz zeitgemäß wirken. Gemeint ist der alte DDR-Fernseher Rubens, der im Sachsenwerk Radeberg Mitte der 1950er Jahren gebaut wurde.

So ein besonderes Liebhaberstück hat Gerd Schulz aus Borkheide zu Hause stehen. Zu seiner Sammlung zählt auch der DDR-Fernseher Rembrandt, auch er stammt aus den 50ern des letzten Jahrhunderts. Der 70 Jahre alte Schulz ist passionierter Sammler von Geräten aus längst vergangenen Tagen. Neben zwei DDR-Fernsehern besitzt der Ur-Borkheider auch noch alte Radios, Plattenspieler und einen Oldtimer F8 Cabrio.

Für Gerd Schulz sind diese Geräte nicht nur schmuckvolle Möbel, sondern wecken alte Erinnerungen und haben ihren ganz besonderen Reiz. „Man erinnert sich daran, wie es früher in der Kindheit war“, sagt Gerd Schulz. Seine Eltern kauften 1958 ihr erstes TV-Gerät. Zwei Jahre mussten sie darauf warten.

„Gestochen scharfe Schwarz-Weiß-Bilder“ liefert das Gerät

„Gestochen scharfe Schwarz-Weiß-Bilder“ liefert das Gerät.

Quelle: Johanna Uminski

Schon 1947 wurden in der DDR testweise Fernseher gebaut. Zu den Reparationsleistungen an die UdSSR gehörten rund 65000 TV-Geräte des Typs „Leningrad T2“, die ebenso wie die später erhältlichen Modelle im sächsischen Radeberg gefertigt wurden. Der Rembrandt war dann der erste offiziell und in größerer Stückzahl in der DDR erhältliche Fernseher. Vorgestellt wurde der Apparat am 20. Dezember 1952 pünktlich zum Start des Ost-Versuchsfernsehens – und zum Geburtstag Jofef Stalins. Über genaue Prosuktionszahlen des Werks gibt es heute keine verlässlichen Zahlen.

„Der hat 1300 DDR-Mark gekostet“, erinnert sich der Rentner. Ein kleines Vermögen. Dazu kamen noch die Kosten für eine Antenne. Außerdem musste neben dem Fernseher ein Stromregler angeschlossen werden. „Es gab Schwankungen in der Spannung, die musste man ausgleichen.“

Am Rad drehen für Helligkeit und Kontrast

Nur von außen wirken seine zwei Fernseher aus dem letzten Jahrhundert wie alte Schinken. „Der ist ganz normal am Receiver angeschlossen und empfängt alle Kanäle“, sagt der Borkheider stolz.

Das waren in der Zone weniger als heute; dafür bekamen die Zuschauer dann aber auch „gestochen scharfe schwarz-weiß Bilder“, wie die Werbung der damaligen Zeit verkündete. Auch heute noch kann der passionierte Sammler an den zwei Rädchen des Rubens drehen, den Kontrast und die Helligkeit einstellen.

Zehn Jahre lang war Gerd Schulz auf der Suche nach diesen Fernsehern, bis er plötzlich von einem Bekannten einen Geheimtipp bekam. „Ein Laden in Werder wurde geschlossen. Der Besitzer verkaufte all seine Sachen und da musste ich schnell sein.“ Kurze Zeit später war Gerd Schulz stolzer Besitzer eines Rembrandts.

Rubens und Rembrandt in Borkheide

Weniger später gesellte sich noch der Rubens dazu, den er in Damelang kaufte. „Ich bin als Fahrlehrer viel herumgekommen und kannte viele Leute.“ Die Schätze haben auch heute noch ihre festen Plätze im Haus. Auch seine Frau Angelika Schulz, die mehr als zwei Jahrzehnte lang Borkheider Bürgermeisterin und viel unterwegs war, unterstützt ihren Mann in seiner Sammelleidenschaft. „Ich habe ihm sogar den Oldtimer geschenkt“, sagt sie.

Und bis heute spielt das Fernsehen für Familie Schulz eine Rolle: Jeden Tag ab 18 Uhr flimmert der Bildschirm – aber im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dann keine der alten Ost-Röhren, sondern ein hochmodernes Gerät.

Welttag des Fernsehens

Auf dem ersten Weltfernsehforum der Vereinten Nationen am 21. November 1996 in New York City wurde der Welttag des Fernsehens ausgerufen. Dieser soll Fernsehprogramm fördern, die sich mit Frieden, Entwicklung und Kultur beschäftigen.

Es geht nicht darum, an diesem Tag besonders viel fernzusehen. Stattdessen wird auf die besondere Rolle des Fernsehens aufmerksam gemacht. Ein Thema in den letzten Jahren war, ob das Fernsehen in Zeiten des Internets ein aussterbendes Medium ist.

Die Zahlen sprechen dagegen: laut der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) lag 2015 die durchschnittliche Fernsehnutzung der Altersgruppe der über 14-Jährigen bei 223 Minuten. Damit bleibt der Fernseher das meistgenutzte Medium.

Fast 100 Prozent aller Haushalte besitzen einen Fernseher. Das Fernsehprogramm wird aber auch über andere Kanäle genutzt, etwa Livestream oder Smartphone-Apps.

„Wir haben einen Flachbildschirm mit einer Größe von 1,36 Meter Bildschirmdiagonale“, sagt der Borkheider. Neben spannenden Filmen, interessanten Dokumentationen und kulturellen Beiträgen sind vor allem die täglichen Nachrichten ein Muss: „Es ist wichtig, immer über das politische Weltgeschehen auf dem Laufenden zu bleiben.“

Trotz seiner Leidenschaft für alte Geräte könnte sich Gerd Schulz ein Leben ohne einen modernen Fernseher nicht mehr vorstellen. „Mit der neuen TV-Technik kann man sich über das Internet vom Wohnzimmer mit der ganzen Welt verbinden“, schwärmt der Borkheider.

Von Johanna Uminski

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