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Potsdam-Mittelmark Gigantischer Wärmespeicher für Potsdam
Lokales Potsdam-Mittelmark Gigantischer Wärmespeicher für Potsdam
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11:46 15.01.2016
Der Wärmespeicher macht es möglich, dass das Kraftwerk daneben in warmen Schwachlastzeiten bis zu drei Tage abschalten kann.  Quelle: Rainer Schüler
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Drewitz

 Ein großer oberirdischer Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 41224 Kubikmetern macht ab sofort den Betrieb des Heizkraftwerkes Potsdam-Süd (HKW „Potsdam-Süd“) noch umweltschonender und effizienter. Die Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam (EWP), Wilfried Böhme und Holger Neumann, nahmen „Potsdams größte Thermoskanne“ im Beisein von Oberbürgermeister Jann Jakobs am Dionnerstag zur Jubiläumsfeier „20 Jahre Heizkraftwerk Potsdam-Süd“ offiziell in Betrieb.

Mit dem Wärmespeicher kommen 10000 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft. Der Speicher für umgerechnet 1200 Megawattstunden Wärmeleistung erlaubt eine ökonomischere Fahrweise des HKW „Potsdam-Süd“. So kann dessen Betrieb in Schwachlastzeiten vor allem des Sommers für drei Tage unterbrochen werden. Aus dem Speicher kann Potsdam also 60 Stunden lang mit Wärme versorgt werden, ohne dass das Kraftwerk läuft. Das heiße Wasser für das Fernwärmenetz wird dann direkt aus dem riesigen Kessel eingespeist. Eine Elektrodenkesselanlage zur Heizung ergänzt den Wärmespeicher, falls dessen Kapazität doch mal nicht reicht. Diese Anlage wird dann mit Ökostrom oder günstigerem Nachtstrom betrieben.

Der 48 Meter hohe Thermobehälter mit nach oben immer heller werdender, graublauer Farbgebung ist nach dem ungleich größeren von Nürnberg einer der größten in Deutschland.

Der Turm wird in Richtung Himmel immer heller. Quelle: Schüler

Er steht auf einem 2,5 Meter dicken Fundament mit einem Außendurchmesser von 44 Metern und ist auf insgesamt 211 Bohrpfähle gegründet, die jeweils einen Meter dick sind und 17 Meter in den Untergrund reichen. Der darauf stehende Stahlbehälter hat einen Innendurchmesser von 36 Metern. In dieses Bauvorhaben der EWP, das allen Fernwärmekunden zugutekommt, wurden rund 11,6 Millionen Euro investiert, von denen 2,2 Millionen aus einem Bürgerfonds kommen, für den jedermann Anteile zwischen 500 und 10000 Euro zeichnen konnte, um einen Zinsgewinn von 2,5 bis 3,2 Prozent zu erzielen. Die Anlage läuft seit 17. November 2015 im Probebetrieb. Derzeit versorgen die Stadtwerke 60000 von rund 90000 Potsdamer Haushalten mit Fernwärme; es sollen 65000 werden.

Das Heizkraftwerk wurde Ende 1995 fertiggestellt. Die Anlage mit 84 Megawatt elektrischer und 275 Megawatt Wärmeleistung wird mit Erdgas betrieben und produziert rund 90 Prozent des jährlichen Strombedarfes sowie etwa 95 Prozent des Fernwärmebedarfes der Landeshauptstadt. Seine erste Bewährungsprobe hatte das HKW „Potsdam-Süd“ gleich im strengen Winter 1995/1996.

Das Heizwerk Süd verwandelt Erdgas in Strom und Wärme. Es ist jetzt 20 Jahre alt. Der neue Wärmespeicher wirft hier seinen Schatten auf den Turbinenblock. Quelle: Rainer Schüler

Der Kraftwerksbau bedeutete erstmals seit 1967 wieder eine eigene nennenswerte Stromerzeugung in Potsdam für den Bevölkerungsbedarf. Durch die Inbetriebnahme wurde eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen um 74 Prozent gegenüber 1987 erreicht. Während durch die Strom- und Wärmeproduktion für Potsdam im Jahre 1987 noch 1,75 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre ausgestoßen wurden, waren es 1997 nur noch 460000.

Vorausgegangen war dem Kraftwerksbau eine längere, politische Debatte über den Energieträger. Zur Auswahl standen Erdgas oder Braunkohle; es gab Kundgebungen zum Schutz der Braunkohle aus der Lausitz. Die Entscheidung der Stadtverordneten fiel am 20. Oktober 1993 in geheimer Abstimmung mit 64 zu 32 Stimmen aber für die Erdgasvariante.

Von Rainer Schüler

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