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Glocke für die Dorfkirche nimmt Form an

Mörz Glocke für die Dorfkirche nimmt Form an

Die Dorfkirche Mörz (Potsdam-Mittelmark) soll ihre 1917 für Kriegszwecke eingezogene Glocke wieder erhalten. Martin Luther zur Ehr ist sie jetzt in der Kunstgießerei Lauchhammer angefertigt worden. Eine 25-köpfige Gruppe war vor Ort dabei, hätte aber fast den besonderen Moment verpasst.

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Die Neue Glocke für das Mörzer Gotteshaus wurde in einer Gießerei in Lauchhammer gegossen.

Quelle: Christiane Sommer

Mörz. Das kommt wirklich nicht alle Tage vor. „1496 wurde letztmals eine Glocke für die Dorfkirche gegossen – als Marienglocke“, sagt Jörg Frenzel und versucht, den historischen Moment zu betonen. Kaum hat der Pfarrer ausgesprochen, gehört die Aussage mit dem Guss einer Reformationsglocke der Vergangenheit an. 25 Mörzer sind dieser Tage bei dem besonderen Augenblick in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer hautnah dabei.

Sie stehen nur wenige Meter von der Gussform der neuen Kirchenglocke entfernt, alsschon mit einem Gabelstapler zwei rot glühende Schmelztiegel herangefahren werden. Der Seelsorger lässt schnell noch einige Liedzettel verteilen. Für die eigentlich geplante Andacht vor dem Glockenguss ist keine Zeit mehr. Die Anfahrt im Reisebus hat ob der Baustellen unterwegs länger gedauert als geplant. In der Manufaktur hingegen läuft alles nach Plan. Deshalb heißt es, als die ersten beiden Strophen von Martin Luthers Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“ abgesungen sind, schon: „In Gottes gnaden - wir gießen.“

Männer mit feuerfesten Schürzen und Schutzmasken vor den Gesichtern haben die Kessel übernommen. Augenblicklich wird es still im Rund. Nur das Brodeln der bei über 1000 Grad Celsius rot glühenden Masse ist noch zu hören. Langsam lassen die Männer die einem Lavastrom gleichende Flüssigkeit – ein Kupf-Zinn-Gemisch – in die Glockenform fließen. Minuten später ist der Guss der neuen Mörzer Kirchenglocke bereits Geschichte. Aus der andächtigen Stille wird ein leises Raunen, dann bald und zunehmend ein Stimmengewirr.

Die kleine Reisegruppe aus dem Hohen Fläming hat die Geburtsstunde ihrer Kirchenglocke live erlebt. Über die modernen Medien wird das Ereignis mit den daheim Gebliebenen sofort geteilt. Die Nachricht verbreitet sich somit wie ein Lauffeuer und die ersten Bilder sind schneller im Dorf, als die Berichte der Teilnehmer selbst.

Taufglocke läutet nur solo

Die Evangelische Kirchengemeinde Planetal zählt 130 Christen. Dazu gehören die Orte Baitz, Dahnsdorf, Kranepuhl, Locktow, Lüsse, Neschholz und Ziezow.

Vor dem Glockenguss wurde der Glockenturm der Kirche neu gerichtet. In diesem Zusammenhang erhielten die drei im Turm hängenden alten Glocken ihre ursprüngliche Aufhängung an einem Holzjoch zurück.

Die neue Lutherglocke wird exakt 307 Kilogramm wiegen und komplettiert nach 100 Jahren das ursprüngliche Geläut. Gemeinsam werden die vier Glocken jedoch niemals läuten.

Die älteste, eine Zuckerhutglocke aus dem 12. Jahrhundert, wird weiterhin nur Taufglocke geläutet.

Der Glockenguss und die Neuaufhängung des alten Glockengutes wurden über eine Spendenaktion finanziert.

Derweil bedecken die Glockengießer die Gussform mit Holzkohle. Damit auch die Glockenkrone von anhaltender Wärme geschützt wird und in aller Ruhe auskühlen kann. Einige Tage wird es dauern, bis die Flüssigkeit erstarrt ist, heißt es. Erst danach kann der Glockenrohling aus seiner Form gelöst werden und die Glockenzier erhalten.

Wenn Helmut Kairis, der Sachverständige der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, die neue Glocke auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden hat, wird dieselbe nach Mörz geholt - um als Reformationsglocke in ein seit exakt 100 Jahren leeres Stuhlfeld im Kirchturm einzuziehen. Ehemals hing dort die 1496 gegossene Marienglocke, die als Schulglocke geläutet und 1917 zu Kriegszwecken abgegeben werden musste. Im Gedenken an das Reformationsjubiläum hatten die Mörzer entschieden, dass die neue Glocke eine Lutherrose und die Inschrift „Eine feste Burg ist unser Gott“ zieren soll.

Mit dem Glockenguss für die Mörzer Kirche wurde zugleich die letzte Glocke der acht Dörfer umfassenden Kirchengemeinde Planetal, die alle für Kriegszwecke im Ersten und Zweiten Weltkrieg abgegeben werden mussten, ersetzt. Hat die Reformationsglocke ihren Platz im Mörzer Kirchturm erhalten, sind alle Glockenstühle in der Kirchengemeinde wieder gefüllt und sie kann feierlich ihrer Bestimmung übergebenen werden.

Termin: Festgottesdienst am 30. Juli, 14.30 Uhr, in der Kirche Mörz.

Von Christiane Sommer

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